Porträt

Wilhelm Mönig

Das Oestricher Urgestein Wilhelm Mönig ist kürzlich zum Ehrenmitglied des KKV Hansa ernannt worden. Vielen ist er noch als ehemaliger Vorsitzender des Heimatvereins Ortsring Oestrich und Initiator der Neuauflage der Oestricher Appeltatenkirmes in guter Erinnerung. Obwohl er sich in letzter Zeit aus seinen zahlreichen Ehrenämtern zurückgezogen hat, so liegt ihm das Wohl „seines“ Dorfes Oestrich auch weiterhin am Herzen und daher besucht er als Ehrenvorsitzender des Heimatvereins – soweit es ihm gesundheitlich möglich ist – regelmäßig die Sitzungen der Gemeinschaft im Theaterheim der Volksbühne Grürmannsheide an der Oestricher Kirchstraße. Wie sehr er mit dem Dorf verbunden ist, dokumentiert ein kleiner Schatz, den er hütet wie seinen Augapfel. Es ist ein Oestricher Ortseingangsschild aus der Zeit vor der Gebietsreform 1975. „Letmathe, Ortsteil Oestrich, Kreis Iserlohn, Reg. Bez. Arnsberg“ ist darauf zu lesen.

Der Titel eines „Poalbürgers“ blieb Wilhelm Mönig versagt, denn er erblickte das Licht der Welt im Letmather Marienhospital und nicht, wie es für diesen „Titel“ notwendig wäre, in Oestrich. Getauft wurde er von Dechant Karl Heimann. Für zwei Jahre besuchte Wilhelm Mönig die katholische Volksschule, die dort gestanden hat, wo heute die Verladehalle der Spedition Winner ist. Er erinnert sich an den Geigenunterricht bei Lehrer Ludwig. „Dabei war ich überhaupt kein musischer Mensch“, sagt Mönig von sich selbst. „In Gegensatz zu meinem Vater war ich zum Geige spielen nicht berufen.“ Der war zwar Architekt, spielte das Streichinstrument gern in seiner Freizeit. Es folgte ein zweijähriger Schulbesuch in der Wittekindschule (heute Herbert-Nolte-Platz). Mönig wurde von dem legendären Oestricher Volksschullehrer, Heimatforscher und dem Leiter des Oestricher Heimatmuseums, Richard Heetmann eingeschult. Die Nachkriegszeit verlangte der Familie von Wilhelm Mönig viel ab – er wuchs als Kriegswaise auf. Die letzte Nachricht seines vermutlich in Russland gefallenen Vaters erreichte Mönigs Familie im Jahr 1945.

Mitte der 50-er Jahre besuchte Mönig die Realschule Letmathe; danach folgte die Suche nach einer Lehrstelle. Fast wäre sein Eintritt ins Berufsleben bei der Sparkasse erfolgt, denn diese Lehrstelle hatten seine Mutter und sein Onkel für ihn ins Auge gefasst. „Aber das wollte ich nicht, ich wollte immer etwas Technisches machen“, erinnert sich der 76-Jährige. Es gab nur ein Problem, um eine Lehrstelle als Maschinenschlosser in der Hoesch-Lehrwerkstatt an der Oeger Straße zu bekommen, war „Vitamin B“ gefragt - Vater, Onkel oder ein anderes Familienmitglied musste bereits bei Hoesch arbeiten. Eigeninitiative war also gefragt. Dem jungen Wilhelm Mönig fiel auf dem Schulweg zur Kühlingstraße an der Ecke Flehmestraße/Friedrich-Ebert-Straße immer vor einem Haus eine Limousine mit Chauffeur auf. Mönig erfuhr, dass dort ein „Herr Stockbauer“ wohnt, der Leiter der Hoesch-Lehrwerkstatt, der früher einmal im Döhner-Stahlwerk in Letmathe gearbeitet hat. Mutig klingelte Mönig an der Tür, die von einer Hausdame geöffnet wurde. „Herr Stockbauer hält seinen Mittagsschlaf“, bekam Mönig zu hören, gleichzeitig rief jemand aus dem Hintergrund: „Wer ist da?“. Wilhelm Mönig hatte Glück und Stockbauer empfing ihn: „Wer so viel Mut hat, mich in meinem Mittagsschlaf zu stören, dem helfe ich“, sagte Stockbauer. „Bewirb Dich ganz formell bei Hoesch-Hohenlimburg und bezieh Dich dabei auf dieses Gespräch.“ Am Ende der dann letztlich erfolgreichen Lehre stand der Facharbeiterbrief als Maschinenschlosser. Ein Studium an der Fachhochschule Hagen schloss sich an, das er Anfang der 60-er Jahre als Diplom-Ingenieur für Maschinenbau abschloss.

Seine erste Stelle trat Mönig bei „Dolomit“, den Rheinisch-Westfälischen-Kalksteinwerken in Hagen-Halden, an. Es dauerte nicht lange, da merkte Mönig sehr schnell, dass sein damaliger Chef ihm in Sachen Bildung und Fachwissen nicht das Wasser reichen konnte. Der Wunsch wuchs bei ihm, seinen Arbeitsplatz zu wechseln und er bewarb sich auf eine Chiffre-Stellenanzeige. Und wie das Schicksal so spielt: hinter der Anzeige verbarg sich die Hoesch-Lehrwerkstatt, die einen Maschineningenieur suchte. Im Laufe der Jahre stand noch einmal ein Wechsel des Arbeitsplatzes an, bis zu seiner Pensionierung 1994 arbeitete Wilhelm Mönig als Betriebsleiter im Unternehmen „Schwerter Profil“.

Wer den Lebenslauf von Wilhelm Mönig verfolgt, dem fällt auf, dass er recht christlich – er wuchs in einem katholischen Elternhaus – geprägt ist. „Mein erster öffentlicher Auftritt im kirchlichen Raum war bereits 1948“, lacht Wilhelm Mönig. „Da wurde ich nämlich unter Pfarrer Dorstmann Messdiener in der katholischen Kirchengemeinde Maria-Himmelfahrt Oestrich“.

Viele Jahre später, im Jahr 1968, wurde Mönig als stellvertretender Vorsitzender in den Kirchenvorstand seiner Gemeinde gewählt, dort war er für die Ressorts Personal und Finanzen zuständig. Jahre später wurde er Vorsitzender des Pfarrgemeinderates unter den Pfarren Heinrich Steden sowie dem Geistlichen Rat und Pfarrer i.R. Josef Willersen, zu dem er heute noch Kontakt hat. Willersen, der in einem Seniorenheim in Brilon lebt, wurde im letzten Jahr 90 Jahre alt. Wilhelm Mönig blickt auf insgesamt 25 Jahre Arbeit in Gemeinderat und Kirchenvorstand zurück. Ein Amt übt er noch heute aus: er führt die jährliche Fronleichnamsprozession an. Daneben war Mönig auch für sieben Jahre Schöffe am Landgericht Hagen und für fünf Jahre Schulpflegschaftsvorsitzender am Letmather Gymnasium. 1965 heiratete Wilhelm Mönig seine erste Frau Lieselotte und zog mit ihr zunächst in eine Wohnung in der Grüne, es folgte ein weiterer Wohnungswechsel zum Leopold-Schütte-Weg, bis sie letztlich 1980 im eigenen Haus am Nücksberg endgültig sesshaft wurden. Aus der Ehe gingen zwei Söhne hervor, Markus und Olaf. Leider verstarb Mönigs erste Frau 1998, heute lebt Willi Mönig mit Renate Mau zusammen.

Durch sein Amt als Kirchenvorstandsmitglied gehörte Wilhelm Mönig ab 1988 als Vertreter der Gemeinde auch dem Heimatverein Ortsring Oestrich an, der sich aus den Vorsitzenden der Dorfvereine sowie Vertretern der Kirchengemeinde, Schulen und Kindergärten zusammensetzt. Recht schnell wurde Wilhelm Mönig durch die damaligen Heimatvereinsvorsitzenden Werner Tilgert oder Werner Schürmann dazu auserkoren, ein Amt im Gremium zu übernehmen. So wurde er Anfang der 90-er Jahre erstmals zum Pressesprecher gewählt. Er erinnert sich noch genau an seine erste Aufgabe. Er musste den Film „Vorweihnacht im Sauerland“, der Ende November 1961 vom WDR in Oestrich gedreht und Dezember 1961 gesendet wurde, besorgen. Über 200 Mark kostete damals die Kopie.

Im Jahr 2000 wurde Wilhelm Mönig dann Vorsitzender des Gremiums, seine Arbeit ist von zahlreichen Meilensteinen zum Wohl Oestrichs geprägt. Dazu gehören zweifelsohne im Jahr 1988 die „Wiederbelebung der Appeltatenkirmes“ mit dem legendären Dorfabend der Heimatzeitung „Guten Abend, Oestrich“, die Herausgabe des Tilgert-Buches „Ein Oestricher Poalbürger erzählt“, der Kampf um den Erhalt des Gipfelkreuzes auf dem „Pater“ sowie die Umsetzung der Oestricher Bachnamen.

Mit der Ernennung zum Ehrenvorsitzenden 2008 endet Mönigs Wirken um das Dorf Oestrich. Heute ist er noch Mitglied in der Oestricher Geschichtswerkstatt. Mönig wurde von Friedhelm Siegismund „beerbt“. Rückblickend sagt Mönig über seine Zeit als Ortsring-Vorsitzender: „Ich bin froh und dankbar, dass mein Nachfolger Friedhelm Siegismund bis heute den Heimatverein Ortsring Oestrich in meinem Sinne weiterführt. Alles, was ich in meinem Ehrenamt getan habe, das habe ich nicht für mich gemacht, sondern für mein geliebtes Oestrich.“

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