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Der Film „The Founder“ zeigt, wie Ray Kroc „Mc Donald’s“ erfand

So sehhen Sieger aus: Michael Keaton als Ray Kroc in „The Founder“

Foto: Daniel McFadden

So sehhen Sieger aus: Michael Keaton als Ray Kroc in „The Founder“ Foto: Daniel McFadden

Jeder Aufstieg hat seinen Preis. Aus Sicht von Ray Crok zahlen ihn bestenfalls die anderen. „The Founder“ ist ein Film über den Mythos „Mc Donald’s“.

Filmbiografien aus Hollywood, kurz „Biopics“ genannt, funktionieren meist nach dem gleichen Schema. Da gibt es zu Beginn dieser wahren Geschichten einen talentierten Menschen, der sich mit der Zeit gegen alle Widerstände durchsetzt, um am Ende seinen Erfolg zu feiern. Oder so ähnlich.

Dass die Traumfabrik dabei bevorzugt auf Sportthemen zurückgreift, liegt schon allein daran, dass hier das Prinzip am besten funktioniert, weil am Ende immer ein Triumph stehen kann. Auch John Lee Hancock hat mit „Die Entscheidung – Eine wahre Geschichte“ oder „Blind Side – Die große Chance“ schon solche Filme inszeniert. Mit „The Founder“ allerdings stößt er alle vor den Kopf, die noch unverdrossen an den sauberen amerikanischen Traum glauben. Er zeigt die schmutzige Kehrseite des Aufstiegs.

John Lee Hancocks „The Founder“ erzählt von „Mc Donald’s“ alles andere als sympathisch

Zu Beginn findet man ihn noch sehr sympathisch, diesen ewigen Verlierer Ray Kroc (Michael Keaton), der 1954, noch mit 52 Jahren, als Handlungsreisender durch die Staaten fährt, um überall auf seinem monströsen Mixer sitzen zu bleiben. Darum will er es zunächst auch gar nicht glauben, dass eine Firma in San Bernardino plötzlich sechs dieser Geräte geordert haben soll. Er ändert seine Route, fährt hin und steht am Ende vor der Burgerbude der Brüder Mac (John Carroll Lynch) und Dick McDonald (Nick Offerman). Doch es ist keine Bude wie jede andere, sondern ein straff organisiertes Schnellrestaurant, ganz auf Effizienz der Arbeitswege ausgerichtet. Nur 30 Sekunden braucht es für die Fertigstellung eines Burgers, der Kunde hat praktisch keine Wartezeit.

Ray Kroc sieht hier die Chance seines Lebens, denn die McDonalds haben bisher alle Versuche mit Franchise-Unternehmen abgebrochen, weil der von ihnen verlangte Standard dort auf Dauer nicht mehr erfüllt wurde. Kroc jedoch schafft es tatsächlich, den beiden Fundamentalisten der Burger-Herstellung einen Vertrag abzuringen. Sein Plan, sämtliche Filialen möglichst Familien aus der Arbeiterschicht anzuvertrauen, funktioniert denn auch prächtig, Dankbarkeit zahlt sich eben aus.

„The Founder“ zeigt in Michael Keaton einen Klinkenputzer, der Millionär wird

Der ehemalige Klinkenputzer allerdings kennt solche Dankbarkeit nicht, ihn interessiert auf Dauer allein der Profit. Der Zuschauer kann fortan nur noch staunen, wie immer unangenehmer ihm diese Figur wird, mit der er doch so beherzt in den Film eingestiegen ist. Regisseur Hancock liefert hier ein wahrhaft perfides Meisterstück ab.

Dabei sehen wir doch eigentlich nur dem beherzten Kapitalismus bei der Arbeit zu, von Hauptdarsteller Michael Keaton wunderbar amoralisch betont. Kroc schüttelt als Erstes diesen Knebelvertrag mit den McDonalds ab, der ihm zu engen Spielraum bietet. Er wird zu einem gierigen Hai, der nach und nach die Ideale der Brüder verrät, der ihnen schließlich die Marke „McDonald‘s“ samt der Goldenen Bögen abknöpft, um sie hernach gänzlich auszubooten. Dass er in diesem Zeitraum auch seine langjährige Ehefrau Ethel (Laura Dern) verlässt, um einem anderen Mann die Frau auszuspannen, macht ihn nicht gerade sympathischer.

Historisch klar identifizierbare Personen lassen „The Founder“ zu mehr als einem Mythos-Märchen

Wenn nicht der Name McDonald über allem schwebte, man würde diesen Film in den warmen Farben der 50er-Jahre möglicherweise für reine Fiktion halten. Doch der Nachspann konfrontiert uns mit der Realität. Da sieht man all die Figuren des Films noch einmal in historischen Fotos, klar zu identifizieren. Das Ergebnis von Krocs unermüdlichem Unternehmergeist wartet nach dem Kino vermutlich schon an der nächsten Ecke.

Ganz nebenbei war der Film in den USA ein Kassenflop. Man ahnt, warum.

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