Transport und Verkehr

Zu viel Kriminalität: Lkw-Fahrer wollen Kameras auf Rasthof-Parkplätzen

Ein sicheres Plätzchen auf dem Autohof Lippetal an der Ausfahrt Hamm/Uentrop. Wenn man denn rechtzeitig da ist.

Foto: Lars Heidrich

Ein sicheres Plätzchen auf dem Autohof Lippetal an der Ausfahrt Hamm/Uentrop. Wenn man denn rechtzeitig da ist. Foto: Lars Heidrich

Essen.   Die Spediteure fordern mehr Sicherheit und mehr Parkplätze für ihre Brummi-Fahrer. Denn immer mehr von ihnen werden Opfer von Kriminalität.

Der Deutsche Speditions- und Logistikverband (DSLV) fordert die Einführung von Videoüberwachung an Autobahnraststellen und mehr Parkplätze für Lastwagen – vor allem im Ruhrgebiet. Mit der Verabschiedung des Videoüberwachungsverbesserungs-Gesetzes seien die rechtlichen Voraussetzungen geschaffen worden, öffentlichen Parkraum mit moderner Technik zu kontrollieren, sagt Frank Huster, Hauptgeschäftsführer des DSLV im Gespräch mit der WAZ.

Immer mehr Überfälle auf Lkw-Fahrer

Entlang der Autobahnen werden immer öfter Lkw-Fahrer überfallen. Am häufigsten schlagen die Täter in Nordrhein-Westfalen zu, gefolgt von Hessen und Niedersachsen. Genaue Zahlen liegen nicht vor, weil der so genannte „Ladungsdiebstahl“ nicht als gesondertes Delikt in der Polizeistatistik geführt wird. Schätzungen in der Branche gehen von bis zu 10 000 Fällen jährlich aus. Hinzu kommt der Kraftstoffdiebstahl, der seit 2009 nach Angaben von Versicherern um mehr als 120 Prozent gestiegen ist.

Nach Auskunft der Versicherer belaufen sich die Schäden durch Frachtdiebstahl auf mindestens 300 Millionen Euro in Deutschland. Laut DSLV sogar auf „mehrere Milliarden“.

Mindestens 5000 Parkplätze zu wenig

Sorge bereitet den Spediteuren auch die Gesamtzahl der Parkplätze. Derzeit gibt es laut der Landesbehörde Straßen.NRW rund 6750 ausgewiesene Lkw-Parkstände auf den bewirtschafteten und unbewirtschafteten Rastanlagen in Nordrhein-Westfalen. Nach Einschätzung des Verbandes Spedition und Logistik NRW sind das mindestens 5000 zu wenig. Immer öfter kommt es deshalb zu Unfällen, weil Lastwagenfahrer in den Einfahrten der Parkplätze oder auf den Standstreifen parken, um ihre Ruhezeiten einzuhalten.

„Wer mit seinem Lkw nachts in solchen Zufahrten parkt, gefährdet sich – und vor allem andere“, stellt Verbandsvorstand Rüdiger Ostrowski klar. Gleichzeitig nimmt er die Politik in die Pflicht. Das Problem fehlender Lkw-Rastplätze sei verkehrsplanerisch lange vorhersehbar gewesen. Trotzdem sei zu wenig passiert. „Das ist Staatsversagen auf ganzer Linie“, schimpft Ostrowski.

Das Verkehrsministerium widerspricht

Das NRW-Verkehrsministerium widerspricht dem Vorwurf des Verbandes und betonte auf Nachfrage, man habe die Bauvorgaben des Bundes konsequent umgesetzt. „Von un­serer Seite gab es keine Verzögerung“, hieß es aus dem Ministerium.

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