EM 2012

Azzurri versperren Deutschland den Weg ins Endspiel

Marco Reus schleicht traurig vom Platz - die Italiener jubeln.

Foto: afp / Christof Stache

Marco Reus schleicht traurig vom Platz - die Italiener jubeln. Foto: afp / Christof Stache

Warschau.  Es hat nicht gereicht: Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft muss bei der EM 2012 nach dem Halbfinale nach Hause fahren. Das DFB-Team verlor gegen Italien mit 1:2 (0:2). Mario Balotelli traf doppelt für die Italiener. Das Elfmeter-Tor von Mesut Özil in der Nachspielzeit kam zu spät.

Azurblau ist die Farbe des Schreckens für die deutsche Nationalmannschaft. Nach dem WM-Sommermärchentraum von 2006 hat die Auswahl Italiens mit ihrem 2:1 (2:0)-Sieg in der Halbfinalbegegnung von Warschau auch den Traum vom Einzug in das EM-Finale von Kiew zerstört. Damit wartet Bundestrainer Joachim Löw noch immer auf den ersten Titel mit seinem viel gepriesenen Ensemble. Und die Italiener bleiben auch weiterhin der Gegner, an dem sich die Deutschen hoffnungslos abarbeiten. Noch nie haben die Adlertrikotträger bei einem großen Turnier gegen die Squadra Azzurra gewinnen können. Schmerzhaft waren die Niederlagen immer.

Diesmal wurde die Neuauflage des Finales von 2008, wurde die Chance, Spanien erneut herausfordern zu können, verspielt. Diesmal stand die deutsche Mannschaft zeitweise neben sich und konnte dem cleveren und wenn es darauf ankam inspirierten, technisch hoch versierten Auftritt Italiens zu wenig entgegen setzen.

Überrascht hatte der vor der EM noch als berechenbar konservativ eingeschätzte Bundestrainer natürlich wieder mit den Namenszügen, die er auf dem Aufstellungsbogen platzierte. Weder Marco Reus, zuletzt gegen Griechenland im Einsatz, noch der ansonsten etablierte Thomas Müller durften mitwirken. Toni Kroos dagegen war dabei, erstmals von Beginn an bei der EM. Nicht einmal der zuletzt so rege tätige Maulwurf hatte einen Tunnel zu dieser Personalinformation schaufeln können. Und die Idee, die da hinterstand, lautete: Einer muss selbst Kreise ziehen, aber auch die Kreise von Genius Andrea Pirlo, dem Mann am Regiepult der Italiener, früh stören.

Funktioniert hat das nicht. Zunächst einmal allerdings störte Italien sich selbst. Es herrschte Verwirrung in der Abwehrzone, als Mats Hummels in Minute fünf dem Ball noch einen Stoß mitgab. Und ausgerechnet Pirlo musste die Drecksarbeit auf der Linie erledigen und klären. In Minute zwölf war es dann ein Missverständnis zwischen Andrea Barzagli und Gianluigi Buffon, das wieder für Gefahr im italienischen Strafraum sorgte. Dass Kroos den Torhüter eine Minute später mit einem Weitschuss testete, muss die Mannschaft von Trainer Cesare Prandelli dann als ein Signal zur Selbstbesinnung gewertet haben.

Mario Balotelli trifft doppelt

Ihr erster Treffer hatte einen Vorlauf. 17. Minute: Antonio Cassano bringt den Ball auf Riccardo Montolivo. Distanzschuss. Manuel Neuer klärt. 18. Minute: Cassano wuchtet den Ball Richtung Tor von Neuer. Wieder nichts. Letzter Anlauf im Vorlauf. 20. Minute: Cassano spielt den Ball von der linken Seite fein auf Mario Balotelli. Holger Badstuber kann den Stürmer nicht aufhalten. Kopfeinsatz. Und es heißt: 0:1 gegen die deutsche Nationalmannschaft, die den Italienern doch eigentlich „ihren Rhythmus“ (Löw) aufzwingen wollte, die sich doch Entwicklungsschritte voraus sah.

Auch Buffon musste noch durchpusten. Vor allem nach einem wuchtigen Geschoss von Sami Khedira in Minute 35. Doch ein perfekter Pass von Montolivio von der linken Seite über das halbe Feld auf Balotelli raubte der Nationalmannschaft eine Minute später schon einen Großteil ihrer Hoffnungen. Lahm kommt nicht mehr heran. Balotelli ist ganz allein. 0:2. Kann man das noch gewinnen? Gegen Italiener? Und warum passierte eigentlich nichts im deutschen Angriff? Mario Gomez war zurückgekehrt.

Lukas Poldolski durfte wieder von Beginn an mitmachen. Doch zu Beginn von Halbzeit zwei korrigierte Löw konsequent seine Entscheidungen wieder. Gomez hinunter. Klose auf den Rasen. Podolski hinunter. Reus soll bei der Wende helfen.

Mesut Özil trifft in der Nachspielzeit

Wie wenig die vom Taktiktisch auf das Rasenrechteck übertragene Kroos-Variation gebracht, wie sehr Reus der Mannschaft als dynamischer, torgefährlicher Antreiber gefehlt hatte, wurde erst nach der Einwechslung des Neu-Dortmunders deutlich. In Minute 48 hatte er seine erste kleine Chance. In Minute 62 konnte Buffon einen von ihm im Stile Pirlos getretenen Freistoß gerade noch mit den Fingerspitzen abwehren.

Doch auch Italien hatte weitere Chancen. Claudio Marchisio (67., 75.) hätte die Deutschen allein abklatschen können. Antonio di Natale hätte den Gnadenstoß (82.) geben können. Auch wenn Mesut Özil per Handelfmeter noch auf 1:2 verkürzte (90.+1): Es blieb beim bitteren EM-Aus im Halbfinale.

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