Hoher Besuch in der JVA Drüpplingsen

Bemerkenswerter "Patenonkel" Horst Eckel

Foto: IKZ

Drüpplingsen. Besuch vom „Patenonkel” in der JVA Drüpplingsen: Das wäre an sich nichts Besonderes, wenn der nicht Horst Eckel heißen würde und im Namen der Sepp-Herberger-Stiftung die Fußball spielenden Strafgefangenen in der Justizvollzugsanstalt in Augenschein genommen hätte.

Zum dritten Mal war der mittlerweile 76-Jährige WM-Held von 1954 in der Waldstadt. Anders als 2006 und vor gut zweieinhalb Wochen fand dieser Besuch in fast privater Atmosphäre statt. Der Sportbeamte Olaf Fiedler hatte den Pfälzer in Hagen am Bahnhof abgeholt, und der nahm sich direkt nach seiner Ankunft in der JVA viel Zeit für die Gefangenen.

Bereitwillig beantwortete er die Fragen und erntete oftmals ungläubiges Staunen. Von besonderem Interesse waren die Verdienstmöglichkeiten eines Fußballers von einst. „Dreihundertzwanzig Mark gab es als Vertragsspieler, dreihundertfünfzig Mark für den gleichzeitig ausgeübten Beruf”, gab Eckel Auskunft. Und was gab es für den WM-Titel? „Zunächst einmal nichts außer fünf Mark Spesen pro Tag. Die älteren Spieler haben den Herberger dann aber immer wieder gebeten, doch einmal mit dem Fußball-Bund zu sprechen. Schließlich gab es tausend Mark für den Titel und zweihundert Mark pro Einsatz”, so Horst Eckel.

Der nutzte aber auch die Gelegenheit, den Zuhörern seine Ideale näher zu bringen, und die haben vor allem etwas mit Disziplin zu tun. „So lange ich es gesundheitlich kann, werde ich euch besuchen. Es gibt für mich nichts Schöneres als zu hören, wenn einer es geschafft hat, ein neues Leben in der Freiheit zu beginnen”, machte er deutlich und regte sichtbar zum Nachdenken an.

Diese Worte nimmt man einem wie Horst Eckel ab. Der leistet Beachtliches, sitzt mehr in der Bahn als zu Hause vor dem Fernseher und reist in die Gefängnisse. Zuletzt war er wieder einmal live im Stadion. Noch am Montag in Wien beim EM-Spiel der DFB-Elf gegen Österreich war er auf der Ehrentribüne zu sehen. Und sein Urteil? „Es war kein gutes Spiel. Wenn wir so weiter spielen, sind wir bald draußen.” Noch mehr regte ihn allerdings das Löw-Urteil der UEFA auf. Eckel: „Das ist absolut unberechtigt.”

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