Schule

Essener FDP-Politiker: Der Realschule fehlt es an Ressourcen

Nicht nur an Gesamtschulen – wie hier an der Essener Bockmühle – sei die Schülerschaft gemischt bis schwierig, sagt der Liberale Ralf Witzel. Er fordert eine bessere Ausstattung für Realschulen.

Foto: Ulrich von Born

Nicht nur an Gesamtschulen – wie hier an der Essener Bockmühle – sei die Schülerschaft gemischt bis schwierig, sagt der Liberale Ralf Witzel. Er fordert eine bessere Ausstattung für Realschulen. Foto: Ulrich von Born

Essen.  Mehr als ein Viertel der Essener Schüler gehen zur Realschule. Doch die erfolgreiche Schulform werde schlecht ausgestattet, klagt die FDP.

Ein Plädoyer für die Realschule formuliert der Essener FDP-Landtagsabgeordnete Ralf Witzel nach einem Blick auf die Anmelde- und Personalzahlen, die ihm die Landesregierung jetzt zur Verfügung gestellt hat. „Die Realschule ist das Stiefkind der Schulpolitik“, glaubt der Liberale. Dabei erfreue sich die Schulform bei Eltern und Schülern ungebrochener Beliebtheit.

Tatsächlich wird viel über das Sterben der Hauptschulen, den Run aufs Gymnasium oder die Herausforderungen an den Gesamtschulen diskutiert. Wenig beachtet wird indes, dass sich nach der Grundschule weiterhin mehr als ein Viertel der Essener Kinder für die Realschule entscheidet (siehe Grafik). Wenn fast die Hälfte der Kinder ein Gymnasium (47,3 Prozent) besuchte und kaum noch Schüler zur Hauptschule (2,7%) wechselten, heiße das im Umkehrschluss, dass es die Realschulen mit einer mindestens ebenso gemischten bis schwierigen Schülerschaft zu tun hätten wie die Gesamtschulen, folgert Witzel.

30 oder mehr Schüler in Realschul-Klassen

„Trotzdem werden die Realschulen schlechter behandelt als Gesamtschulen“, sagt Witzel. So fehlen an den zwölf Realschulen im Stadtgebiet derzeit insgesamt zehn Lehrer, die acht Gesamtschulen haben ein Plus von knapp elf Lehrerstellen. Zudem haben 73 Realschul-Klassen 30 oder mehr Schüler, das entspricht einem Anteil von 28,6 Prozent aller Realschul-Klassen – so hoch liegt die Quote an keiner anderen Schulform. Bei den Gymnasien sind es 88 große Klassen, ein Anteil von immerhin 26,7 Prozent; bei den Gesamtschulen haben 56 Klassen 30 Schüler und mehr (22,5%).

In Gymnasien, Real- und Gesamtschulen sind Klassengrößen von 26 bis 30 Schülern vorgesehen, in den Klassen 5 bis 7 liegt die Bandbreite bei 25 bis 29. „In einem Viertel der Realschul- und Gymnasialklassen wird diese Bandbreite überschritten, bei den Gesamtschulen gibt es nur halb so viel Überschreitungen“, sagt Witzel. Realschulen würden systematisch benachteiligt.

Mit Sorge beobachtet Witzel auch die einseitige Ausrichtung auf Abitur und Studium. „Das Handwerk beklagt schon jetzt einen Mangel qualifizierter Bewerber.“ Dass die Realschule junge Leute gut auf eine Ausbildung vorbereite, belege die Lernstandserhebung 2016: Bei den getesteten Achtklässlern schnitten Realschüler in den Fächern Mathe, Deutsch und Englisch durchweg besser ab als Gesamtschüler. „Das öffentliche Bild der beiden Schulformen ist ein anderes: Viele sehen die Gesamtschule gleich hinter dem Gymnasium, weil die Schüler dort auch Abi machen können.“

Stadt sollte Schulsozialarbeit stärken

Dass die Frage, ob man ein stark gegliedertes Schulsystem bevorzugt oder ein längeres gemeinsames Lernen, auch eine ideologische sei, bestreitet Witzel nicht. Wichtig sei ihm aber, mit der Realschule eine Schulform in den Blick zu nehmen, die erfolgreich arbeite, gut angenommen werde, aber „keine faire Ausstattung mit Ressourcen“ erhalte.

Die Verantwortung für unbesetzte Lehrerstellen und damit einhergehenden Unterrichtsausfall liege übrigens beim Land. Die Stadt sei lediglich für bauliche Belange sowie für das nicht-pädagogische Personal an Schulen zuständig. Hier freilich gebe es einen kommunalen Handlungsspielraum, sagt Witzel: „Die Stadt könnte die Schulsozialarbeit ausbauen und dadurch an Schulen mit hohem Problemdruck dafür sorgen, dass sich die Lehrer auf den Unterricht konzentrieren können.“ In der Praxis läuft es meist anders: Schulen, die einen Sozialarbeiter einstellen, müssen dafür eine Fachlehrerstelle einsparen.

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