„Sichtwerk“ - Folkwang-Design-Studenten stellen im Sanaa-Gebäude aus

Etliche schick designte Objekte hängen im Sanaa-Gebäude herum.

Foto: WAZ FotoPool

Etliche schick designte Objekte hängen im Sanaa-Gebäude herum. Foto: WAZ FotoPool

Essen. Manchmal ist ein Stuhl ein Stuhl – manchmal lässt sich aber mit einem solchen Mobiliar auch prima staubsaugen, wie das Modell „Vakuuroom“ des Folkwang-Design-Studenten Torben Körschkes zeigt. Dieses ungewöhnliche Utensil ist eines von vielen Objekten, die an diesem Wochenende in der Sichtwerk-Ausstellung im Sanaa-Gebäude zu sehen sind. Rund 500 Nachwuchsgestalter zeigen ihre Ideen.

Noch eine Stunde vor Ausstellungsbeginn wird noch in allen Ecken kräftig gebohrt, gehämmert und gewuselt. „Das passt richtig gut zum Motto der Ausstellung“, lächelt die Studentin Johanna Hack. „Gestaltung in Bewegung“ lautet dieses und das ist laut Marion Digel durchaus mehrdeutig zu sehen. „Nicht nur der Studiengang befindet sich durch die neuerliche Anbindung an Folkwang in einem Prozess der Veränderung“, sagt die Professorin für Industriedesign. Denn nach 35 Jahren, in denen die Designer zur Uni Duisburg-Essen gehört haben, sind sie 2007 wieder zurück zu Folkwang gegangen. 2014, wenn der Studiengang den Campus verlässt und sich endgültig auf dem Zollvereingelände niederlässt, soll dieser Prozess sichtbar abgeschlossen sein.

Die "Soundwiese"

„Aber auch der Gestaltungsprozess selbst ist in Bewegung“, stellt Digel fest. So würden interaktive Momente immer wichtiger: „Der Konsument heutzutage stärker eingebunden.“ Ein Paradebeispiel dafür ist die „Soundwiese“, die in der ersten Etage zu bewundern, ja zu erleben ist. Diese Wiese besteht aus hochstehenden Drähten, die von Lautsprecherboxen eingerahmt sind – aus diesen erschallen typische Naturgeräusche. Wenn jemand in die Wiese eingreift, seine Hand durch die Drähte fahren lässt, verändert sich die Geräuschkulisse: Industrieklänge sind nun zu hören. „Damit symbolisieren wir die Eingriffe des Menschen in die Natur“, erläutert Simon Pfarr, der diese Installation zusammen mit zwei Kommilitonen realisiert hat.

Ein Stuhl als Bachelor-Arbeit

Interaktivität hat es auch Marc Hasenzahl angetan: Er gehört zu den Professoren, die die Arbeit ihrer Kurse in der ersten Etage präsentieren. Zum Beispiel die „Chocolate Machine“: „Das ist ein Gerät, das die Willensstärke trainiert“, sagt er. Und das geht so: Aus einer Art Röhre, die man auf seinen Schreibtisch stellen soll, kullert einmal pro Stunde ein Schoko-Bonbon. „Nun hat man zwei Möglichkeiten: Entweder man isst das Bonbon“, so Hasenzahl, „oder man wirft es oben wieder ein und zeigt so seine Willenskraft.“ Diät für Fortgeschrittene.

Als Ausstellungsfläche dienen offene Holzquader, die sich elegant in die Architektur des Sanaa-Gebäudes eingliedern. „Wir freuen uns, erstmals, das gesamte Sanaa-Gebäude für die Ausstellung nutzen zu können“, betont Marion Digel. So können die Besucher auch das ungewöhnliche Gebäude in Gänze bewundern.

Im Mittelpunkt stehen aber freilich die teils kuriosen Arbeiten der Studenten: darunter auch „Donald“ – die Bachelorarbeit von Philipp Hermes und Dustin Jessen ist einfach nur ein Stuhl. Zum Sitzen.

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