Leben

Kinderhospiz – Darja (10) und der tägliche Sieg des Lebens

Das Kinderhospiz Sternentreppe der Caritas betreut die Familie Hohaus aus Wetter. Hier kuschelt Emil (7) mit seiner Schwester Darja.

Das Kinderhospiz Sternentreppe der Caritas betreut die Familie Hohaus aus Wetter. Hier kuschelt Emil (7) mit seiner Schwester Darja.

Wetter/Hagen.   Sieben Jahre gaben die Ärzte der kleinen Darja. jetzt sind es schon zehn. Wie eine Familie mit Hilfe des Kinderhospizes das Leben organisiert.

Sie ist der ruhende Pol. Ein Mensch, der andere mit seiner besonderen Art anstecken kann. Wenn Emil (7) mittags aus der Schule kommt, dann geht er zu Darja (10). „Er schmiegt sich an sie, er kuschelt mit ihr. Er fährt runter“, sagt Yvonne Hohaus. „Diese Momente genießen sie beide.“

Der kleine Bruder und Darja, das Mädchen, das beim Spaziergang im Park in einem Rollstuhl sitzt und sich von der warmen Frühlingssonne streicheln lässt. Dieses Kind, von dem niemand so ganz genau weiß, was es von seiner Umgebung mitbekommt, was es wahrnimmt. Und trotzdem lebt die Zehnjährige ihr junges Leben – auf ihre ganz eigene Art.

Teilhaben, dabei sein, das Leben genießen mit ihren Geschwistern und ihren Eltern – das kann Darja auch, weil es Menschen wie Magdalene Schmidt und Heike Kister gibt. Beide arbeiten für den Ambulanten Kinder-Hospizdienst Sternentreppe der Caritas Hagen. Sie sind so etwas wie die guten Engel, die immer kommen, wenn sie gebraucht werden.

Sie besuchen die Familie, und sie unterstützen die Angehörigen, wo immer sie können. „Hospiz verbinden viele mit dem Tod“, sagt Barbara Drepper, Koordinatorin der Sternentreppe, „in unseren Fällen aber geht es meistens um das Leben und darum, wie es sich für Familien organisieren lässt.“

Bei Hohaus um ein Familienleben, in dem sich nicht alles um Darja drehen kann, weil es mit Emil und seiner Schwester Anni (4) noch zwei weitere Kinder gibt und auch Mutter Yvonne und Vater Christian manchmal Zeit nur für sich brauchen. Also sitzt Magdalene Schmidt am großen Küchentisch, lässt mit Emil gemeinsam einen Kreisel über den Tisch tanzen und erzählt: „Nach meiner Pensionierung habe ich einen Aufruf in der Zeitung gelesen“, sagt die ehemalige Lehrerin. „Es ist wichtig, sich intensiv mit dem, was einen erwartet, auseinanderzusetzen“, sagt sie, „man muss bereit sein, seine eigenen Bedürfnisse zurückzustellen und sich auf Menschen einzulassen.“ Auf kleine Menschen wie Anni, Emil und Darja. Auf ein schwerstbehindertes Mädchen, dessen Leben so schrecklich ernüchternd begonnen hat.

Ein Frühchen

Zehn Wochen zu früh kam Darja auf die Welt. 1590 Gramm wog das Kind, 400 Gramm der Tumor, der sich am Steißbein gebildet hatte. Kaum auf dieser Welt, muss Darja operiert werden. Dabei bleibt ihr Körper längere Zeit ohne Sauerstoff. Das komplette Großhirn sei abgestorben, erklären die Ärzte den Eltern. „Keine sieben Jahre wird sie alt – das war die Prognose der Mediziner“, sagt Yvonne Hohaus. Heute ist das Mädchen, das etliche Lungenentzündungen überlebt hat und nachts künstlich beatmet werden muss, zehn Jahre alt.

„Ich brauche niemanden mehr, der mir erklärt, dass Darja ein bestimmtes Lebensalter niemals erreichen will. Was wir brauchen, ist Hilfe, die wirklich hilft.“ So, wie die der Mitarbeiterinnen des Kinderhospizes. Sie helfen Darja und ihrer Familie, ein normales Leben zu leben. „Darja“, sagt Yvonne Hohaus, „ist ein Anker für uns alle. Sie ist ein liebes und ausgeglichenes Mädchen.“

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