Bildung

Benehmen ist eben keine Glückssache

Der Handkuss ist passé: Rudolf Röhrl führt mit BiTS-Studentin Judith Gebbe eine formvollendete Begrüßung vor. Dabei ist inzwischen weniger mehr. Die Grundlagen für gutes Benehmen werden vom Elternhaus gelegt, sagt Röhrl.

Foto: IKZ

Der Handkuss ist passé: Rudolf Röhrl führt mit BiTS-Studentin Judith Gebbe eine formvollendete Begrüßung vor. Dabei ist inzwischen weniger mehr. Die Grundlagen für gutes Benehmen werden vom Elternhaus gelegt, sagt Röhrl. Foto: IKZ

Iserlohn.   Der Knigge-Experte Rudolf Röhrl bringt BiTS-Studenten professionelles Auftreten bei

Man stelle sich vor: Sie, ein Mann, haben zum Essen geladen, erwarten Damenbesuch. Natürlich wollen Sie gegenüber Ihrer Holden mit formvollendeten Manieren glänzen. Einfacher gesagt als getan jedoch, lauert der erste Stolperstein schon an der Türschwelle, noch bevor es die mögliche Herzensdame überhaupt in die Wohnung geschafft hat.

Zu geleiten haben Sie ihren Besuch nämlich stets zu Ihrer Rechten. „Das Selbe gilt übrigens für das Sitzen am Tisch, die Frau sitzt immer rechts“, erklärt Rudolf Röhrl, der als freier Vertragstrainer für Hesse und Schrader arbeitet, einen Dienstleister in Sachen Bewerbungs- und Karriereplanung, dazu Oberstleutnant der Reserve ist.

Als Gastgeber mit dem Schwert unterwegs waren

Kuriose Begründung: „Das liegt daran, dass links früher das Schwert am Gürtel hing“, erklärt Röhrl, der jetzt an der Iserlohner BiTS zu Gast war, um einen Workshop zum Thema „Business Knigge: Professionell auftreten – gut ankommen“ abzuhalten.

Auf der Tagesordnung unter anderem: Small-Talk, die richtige Kleidung für den richtigen Anlass, Verhalten bei Geschäftsessen, Kommunikation und Außenwirkung. Grobe Schnitzer passieren dabei selten, allerdings gibt es viele Kleinigkeiten, die sich im Laufe der Jahre geändert haben. So ist beispielsweise der Handkuss inzwischen benimmtechnisch wieder passé, dafür darf man seinem Gegenüber aber wieder Gesundheit wünschen, wenn es niest. Das Kommentieren von Körpergeräuschen galt lange als unschicklich.

„Oft ist ein zu legerer Umgang ein Problem, etwa die Begrüßung, wenn man einen Raum betritt“, so Röhrl. Ein einfaches „Hi“ sei hier nicht genug. Und: „Gerade in der Geschäftswelt ist das Beachten von Hierarchien wichtig, ein zu lockerer Ton ist zu vermeiden“, erklärt der Benimm-Experte weiter. „Man muss sich immer überlegen, wie man nach außen wirkt.“

„Absolut schrecklich“ sei in dieser Hinsicht, dass einige Unternehmen in Stellenanzeigen Interessenten mit „Du“ anredeten. Als Beispiel, was das zur Folge haben könne, führt Röhrl einen ehemaligen Kunden an, der zwar über ein technisch hochwertiges Software-Produkt verfügt hätte, dieses seinen Kunden aber stets im „Holzfäller-Hemd“ angeboten habe. „Das führte dazu, dass er als Person nicht ernst genommen wurde, so gut das Produkt auch war.“

Ein wahrer Stolperstein-Parcours sind in dieser Hinsicht Geschäftsessen. Das Nutzen des Bestecks von außen nach innen, das Greifen von Gläsern stets am Stiel, Alkohol trinken ja, aber nicht zu viel – und auf keinen Fall das Handy rausholen und darauf rumdaddeln. „Das“, sagt Röhrl, „ist inzwischen fast zur Seuche geworden“. Ausnahmen gebe es lediglich, wenn ein wichtiger Anruf erwartet wird. „Das sollte man dann aber dem Gegenüber vorher ankündigen, das Telefon auf lautlos schalten.“

Seit der erste Knigge Ende des 18. Jahrhunderts erschien, hat sich vieles im Hinblick auf richtiges Benehmen geändert. „Die Grundlage für gutes Benehmen“, sagt Röhrl, „wird aber nach wie vor im Elternhaus gelegt“.

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