Religiöses

„Diskriminierung des Islam entgegenwirken“

Die drei Muslimbund-Sprecher Erkan Göcüm (v.li.) Jussuf Khalaf und Mustafa El-Bouziani gemeinsam mit Bürgermeister Dr. Peter Paul Ahrens und Martina Espelöer, Superintendentin des Evangelischen Kirchenkreises Iserlohn. 

Foto: Stefan Drees

Die drei Muslimbund-Sprecher Erkan Göcüm (v.li.) Jussuf Khalaf und Mustafa El-Bouziani gemeinsam mit Bürgermeister Dr. Peter Paul Ahrens und Martina Espelöer, Superintendentin des Evangelischen Kirchenkreises Iserlohn.  Foto: Stefan Drees

Iserlohn.  Iserlohns Bürgermeister Dr. Peter Paul Ahrens findet beim neuen Bündnis für Muslime deutliche Worte in Richtung Türkei.

Ein Gedankenaustausch der Vorstände muslimischer Vereine vor rund anderthalb Jahren bezeichnete Mustafa El-Bouziani, Sprecher des Bündnisses der Muslime in Iserlohn (bmi) am Mittwoch bei der Gründungsfeier als Geburtsstunde dieser Organisation (wir berichteten). Vor dem Hintergrund der ihrer Meinung nach „negativen Darstellung des Islams durch die Medien“, so der 46-jährige Iserlohner mit Wurzeln in Marokko, und „zunehmenden Hetzkampagnen gegen Muslime bis hin zur Gleichstellung des Islam mit Terrorismus“ sei den Vorstandsmitgliedern schnell klar gewesen, „dass dieser diskriminierenden Trendentwicklung gemeinsam und nachhaltig entgegengewirkt werden muss.“

„Stehen für friedlichen und respektvollen Umgang“

Grundlegende Handlungsfelder wie Aufklärungs- und Öffentlichkeitsarbeit sowie gesellschaftliches Engagement seien als Hauptaufgaben des Bündnisses vereinbart worden, erklärt El-Bouziani. Basierend auf Artikel 4 des Grundgesetzes, der unter anderem die freie Glaubenswahl und die ungestörte Religionsausübung gewährleistet und „aus Überzeugung, dass alle Weltreligionen grundlegend nach Frieden streben“, habe sich die Initiative zur Bündelung und Vertretung der Interessen der Muslime in Iserlohn gebildet. Diesem Grundsatz folgend, so El-Bouziani, wolle sich das Bündnis der Muslime in Iserlohn einvernehmlich mit seinen unterstützenden Vereinen für eine angemessene Teilhabe der Iserlohner Muslime am gesellschaftlichen Leben einsetzen. Man distanziere sich von jeglichen Gräueltaten, lehne aber auch „vorurteilshafte Darstellungen des Islams als kriminelle und terroristische Gruppierungen“ ab. „Wir stehen für einen friedlichen, toleranten und respektvollen Umgang, sowohl im gesellschaftlichen Leben als auch im Privatleben“, sagte El-Bouziani. Themenfelder in der Arbeit des Bündnisses sollen Öffentlichkeitsarbeit, die Auseinandersetzung mit „Islamophobie“, Flüchtlingsarbeit, Bildung und Jugendarbeit, frühkindliche Erziehung, Friedhofpflege, Notfallseelsorge und die Altenpflege sein.

„Die Zeiten, als die Gebete in Hinterhofgebäuden verrichtet wurden, gehören längst der Vergangenheit an. Durch fehlende Transparenz und Aufklärung wurde ein Nährboden für spekulative Mutmaßungen über den Islam geschaffen“, meinte El-Bouziani. Das habe zu einem eher defensiven Verhalten in der Gesellschaft beigetragen. Heute seien Moscheegemeinden und muslimische Vereine aber so organisiert, dass neben dem Verrichten von Gebeten ein breites Spektrum an Aktivitäten realisiert werde. So werde der Kontakt zur Gesellschaft gepflegt und durch Transparenz weiter ausgebaut. „Gemeinsam Leben statt Unterschiede zu suchen. Den Muslimen in Iserlohn mit Rat und Tat zur Seite stehen und sie bei ihrem Beitrag zum gesellschaftlichen Frieden zu unterstützen“: das bezeichnete El-Bouziani als Motto des Bündnisses.

„In ihrer Einladung zur heutigen Veranstaltung heben Sie hervor, dass sich das Bündnis der Muslime in Iserlohn als Initiative zur Vernetzung der muslimischen Vereine versteht und seine Aufgabe darin sieht, zwischenmenschliche Barrieren abzubauen und ein friedliches Miteinander in der Iserlohner Gesellschaft zu fördern“, sagte Bürgermeister Dr. Peter Paul Ahrens bei der Feier. Und: „Einen solchen Zusammenschluss mit dieser Zielsetzung kann ich nur begrüßen.“

„Nazi-Vergleiche anzustellen,ist unerträglich“

Das Recht der freien Glaubenswahl und der ungestörten Religionsausübung sei grundgesetzlich gewährleistet. Und der Staat achte die Religionsfreiheit nicht nur, sondern verteidige sie auch. Dr. Ahrens: „Im Gegenzug aber verlangen wir, dass es eine strikte Trennung zwischen der Freiheit des Glaubens und der Politik gibt. Für Iserlohn werde ich es nicht tolerieren, dass die innenpolitischen Streitigkeiten in anderen Ländern zu Unfrieden innerhalb unserer Stadtgesellschaft führen. In Iserlohn ist kein Platz für Agitatoren und Scharfmacher.“ Der Bürgermeister zeigte sich zutiefst bestürzt über die Art und Weise der aktuellen Auseinandersetzung zwischen der deutschen und der türkischen Regierung. „Nazi-Vergleiche anzustellen, ist nicht nur unerhört, sondern unerträglich“, sagte Dr. Ahrens. „Der Schaden, den der Integrationsprozess in Deutschland hierdurch erleidet, wird bewusst und billigend in Kauf genommen, einzig um politische Ziele im eigenen Land zu erreichen“, so der Bürgermeister. Das wolle und könne man nicht akzeptieren, „wenn wir es ernst meinen mit dem harmonischen Zusammenleben in diesem Land und in dieser Stadt“.

Die Einladung des Bündnisses offenbare aber einen anderen Geist, den der Offenheit und der Begegnung auf Augenhöhe. „Freiheit können wir nur miteinander leben, wenn wir uns mit Respekt begegnen – und mit dem Willen, die kulturellen und gesellschaftlichen Werte des anderen zu achten“, sagte Dr. Ahrens. Dieses Bewusstsein zu stärken und den Spaltern entgegenzutreten, sei eine Herausforderung, die nur gemeinsam gemeistert werden könne. Trotz seiner kritischen Bemerkungen erhielt der Bürgermeister Applaus, auch von den Verantwortlichen des Bündnisses.

Die Superintendentin des Ev. Kirchenkreises, Martina Espelöer, die auch Vorsitzende des Runden Tisches der Religionen ist, sagte, dass Dialog durch nichts zu ersetzen sei, schwierige Themen dürften dabei nicht ausgeklammert werden. Unterschiede zwischen Religionen müssten ausgehalten werden. Der zweite Sprecher des Bündnisses, Erkan Göcüm, führte durch das Programm der Gründungsfeier, der dritte Sprecher, Jussuf Khalaf, zeichnete für eine Koranrezitation verantwortlich. Für musikalische Farbtupfer sorgte die Hymne-Gruppe von DITIB Iserlohn. Nach dem offiziellen Teil wurde es dann ziemlich laut, schnell bildeten sich Grüppchen, Vertreter verschiedener Vereine beglückwünschten sich wortreich, sehr gefragt waren Gruppenbilder, bevorzugt auch mit dem Bürgermeister.

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