BiTS

„Durchlaufen großes Innovations-Programm“

Prof. Dr. Stefan Stein, Rektor der Hochschule BiTS Iserlohn, in dem neuen Mac-Pool der BTK. Für die Studierenden wurden brandneue Apple-Geräte angeschafft. 

Foto: Michael May

Prof. Dr. Stefan Stein, Rektor der Hochschule BiTS Iserlohn, in dem neuen Mac-Pool der BTK. Für die Studierenden wurden brandneue Apple-Geräte angeschafft.  Foto: Michael May

Iserlohn.   An der BiTS ist vieles im Umbruch. Auch, weil man sich mit dem Standort der Konkurrenz stellen muss

Eigentlich waren es nur sechs kurze, knappe Fragen zu aktuellen Entwicklungen, aber das Gespräch mit dem BiTS-Rektor Professor Dr. Stefan Stein hat zu Wochenbeginn dann doch über 90 Minuten gedauert. Grundtenor: Optimismus auf der ganzen Linie und in allen Hörsälen, einschließlich der frisch renovierten Mensa. Zwischendurch hat er allerdings auch ein paar Mal etwas gequält gelächelt. So wie Kinder manchmal lächeln, wenn sie – gefühlt unbemerkt - ins Bonbonglas gegriffen haben und trotzdem darauf angesprochen werden. Und dann hat er gesagt: „Was Sie aber auch so alles wissen!“

Grund für das Informations-Treffen waren zunächst einmal immer wieder auftretende Gerüchte, von wem auch immer in Umlauf gebracht, dass sich die Zeit der privaten Hochschule am Seilersee dem Ende zuneigen würde. Vielleicht nicht heute oder morgen, aber langfristig auf jeden Fall. Einer der möglichen und kolportierten Beweise: Die Laureate-Gruppe, die neben ihrer Urzelle Iserlohn auch bereits in den Metropolen und Wachstumsmärkten Hamburg und Berlin vertreten ist, ist auf der Gründungs-Suche an möglichen neuen Standorten in Köln und München. Ein Umstand, den Stefan Stein auch gar nicht bestreitet. „Das sind nun einmal Hotspots, an denen wir vertreten sein wollen und müssen“, sagt er und fügt etwas hinzu, das er in dem weiteren Gespräch noch ganz oft sagen wird: „Das hat aber zunächst einmal überhaupt keine Auswirkungen auf unser Engagement hier am Seilersee.“ Grundsätzlich sei die international operierende Bildungs-Gruppe mit dem Standort in Südwestfalen schließlich durchaus zufrieden, sei aktuell dabei, völlig neue Angebote zu erarbeiten, alte Lerninhalte auf Aktualität und Zukunftstauglichkeit zu überprüfen. Und gegebenenfalls bei schlechter Bewertung oder Auslastung auch mal abzuschaffen. Gekippt wurden in Iserlohn der Medien-Master und der Studiengang rund um das Green-Business-Management. „Wir wollen und wir müssen uns weiterentwickeln, da muss man sich auch mal von lieb Gewonnenem trennen. Das ist doch normal.“

„Will mich voll und ganz auf mein Rektorat konzentrieren!“

Das scheint bei der BiTS allerdings nicht nur für die Lehrangebote, sondern auch für handelnde Personen zu gelten. So wurde unlängst bekannt, dass der Vertrag mit dem amtierenden Kanzler der Hochschule, der bisher auch seinen Sitz in Iserlohn hatte, nicht weiter verlängert wird. Stefan Stein lobt aber zunächst einmal heftig: „Wir haben Herrn Norbert Milte viel zu verdanken. Er hat beste Kontakte zur Stadt aufgebaut und hat vor allem unsere bauliche Modernisierung hier vor Ort in einer Rekordzeit auf die Beine gestellt und erfolgreich begleitet.“ Dennoch habe sich die Unternehmensführung entschieden, seinen jetzt auslaufenden Zeitvertrag nicht zu verlängern und stattdessen den einstigen Iserlohner BiTS- Absolventen Lars Holtvoeth zum neuen Kanzler zu machen. Er ist Dortmunder und startete als Student im Wintersemester 2004 an der BiTS, hat dort Bachelor und Master gemacht. Sein Büro wird der gebürtige Iserlohner allerdings in Berlin haben.

Im Zuge dieser Umbesetzung wurde auch eine weitere Veränderung vorgenommen. Professor Dr. Stein, so der Eintrag, sei nicht mehr Geschäftsführer der BiTS. Auch diese Personalie begründet Stein allerdings mit strafferen Strukturen, an denen der Konzern weltweit arbeite und die in bestimmten Ebenen auch Verschlankungen mit sich brächten. „Hinzu kommt, dass mein Rektoren-Amt so anspruchsvoll und aufwändig ist, dass ich mich ausschließlich auf diese Aufgabe konzentrieren muss und will.“ Somit verbleiben auf den Geschäftsführer-Sesseln der bisherige Deutschland-Chef Haris Hassabis, der sich inzwischen ja bereits als „Walther-Flüsterer“ einen Namen gemacht hatte, und der Laureate-Konzern-Jurist Robert William Zentz.

Neu ist hingegen in Iserlohn die Stelle des Campus-Leiters, eine Position, die es an anderen Standorten schon gibt. Diese wurde an Professor Dr. Roland Schröder vergeben, der, nach der hochgelobten Bewältigung der Aufgabe des Standort-Aufbaus in Hamburg, wieder als intimer Kenner der heimischen Szene nach Iserlohn zurückkehrt.

Aber Professor Stein wird – nicht zuletzt vor dem Hintergrund weiterer Personalentscheidungen und Veränderungen im Verwaltungs- und Lehrbereich – noch einmal grundsätzlich. „Unsere Gruppe legt in diesen Wochen und Monaten weltweit eines der größten Innovations-Programme auf.“ Man sei zum Beispiel auf dem Gebiet des virtuellen Studiums, also praktisch des Fernstudiums per Computer, ganz weit vorn und werde damit mit Sicherheit den digitalen Studienbetrieb in ganz neue Bahnen lenken. „Da haben insbesondere die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Iserlohn in kürzester Zeit ganz Großes geleistet.“ Dieser neue Online-Studiengang heißt übrigens ‚International Master of Business Administration‘ (MBA) und wird in Vollzeit und berufsbegleitend angeboten. Das Feld der dualen Studiengänge im Bereiche BWL und Industriekaufmann sei inzwischen hier vor Ort ebenfalls neu bestellt und werde in Iserlohn zu ganz neuen Kooperationen führen.

Etwas schmallippiger wird der Rektor dann an der Stelle, als es plötzlich um die BTK geht, also die Berliner Technische Kunsthochschule GmbH, die ja – wie die BiTS unter dem Laureate-Dach und neben anderen Standorten – ebenfalls am Seilersee und inzwischen sogar im gleichen Haus angesiedelt ist. Auch hier befinde man sich ganz aktuell in einer organisatorischen Umbruchphase, sagt Stein, denn die BTK gehe gerade in der BiTS auf. „Wir sind jetzt eine gemeinsame Hochschule, die ihre Angebote bündeln kann und dadurch unter dem Strich natürlich noch viel stärker wird und den Zukunftsbedürfnissen der Wirtschaft und der Studierenden noch viel stärker entspricht.“

Wechsel der Anschrift wirklich nur ein Verwaltungsakt?

Kann denn der Rektor die phasenweise Verwirrung um die Zukunft der BiTS in Iserlohn verstehen, wenn der aufmerksame Leser im schon einmal zitierten Handelsregister lesen muss, dass sich die Adresse des Unternehmens vom Seilersee nach Berlin bewegt hat? Ist das nicht auch ein Abschied auf Raten? Der Anfang vom Ende? Da lächelt der Professor wie oben beschrieben: „Das ist etwas dumm und missverständlich gelaufen. Der Firmensitz bleibt weiterhin in Iserlohn, allerdings ist die Geschäftsanschrift in der Tat nach Berlin gegangen.“ Was ja vermutlich was mit dem Sitz des Kanzlers zu tun haben könnte.

Und dann sagt Stefan Stein noch, dass man natürlich immer wieder eines nicht aus den Augen verlieren dürfe: „Natürlich hat die BiTS in Iserlohn angefangen, aber unter Laureate haben wir uns doch auch weiterentwickelt, haben uns vernetzt und Standorte hinzubekommen. Das führt zu einem natürlichen Verlust der Alleinstellung, ist aber unter dem Strich doch eine Verstärkung.“

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