Arbeiterwohlfahrt

Flammendes Plädoyer für Demokratie

Nach dem fulminanten Auftakt bewies „JazZination“, die Bigband der Gesamtschule Iserlohn, am Sonntag noch einige weitere Male ihr Können.

Foto: Michael May

Nach dem fulminanten Auftakt bewies „JazZination“, die Bigband der Gesamtschule Iserlohn, am Sonntag noch einige weitere Male ihr Können. Foto: Michael May

Iserlohn.  Beim Frühjahrsempfang des AWO-Bezirksverbandes Westliches Westfalen im Parktheater rief Landtagspräsidentin Carina Gödecke zu einer möglichst hohen Beteiligung bei der Landtags- und der Bundestagswahl auf.

Carina Gödecke hätte am Sonntag den Mitgliedern, Freunden und Förderern der Arbeiterwohlfahrt gern nur die Grüße aus Düsseldorf überbracht und den Wert und die Bedeutung ihres Verbandes betont. Doch in diesen Zeiten sei auch in Deutschland die Demokratie bedroht, und deswegen nutzte die Präsidentin des NRW-Landtages ihre Festrede vor den mehr als 450 Gästen des Frühjahrsempfangs des AWO-Bezirksverbandes Westliches Westfalen im Parktheater für ein flammendes Plädoyer für unsere freiheitliche Grundordnung und rief zu einer möglichst hohen Beteiligung an den Wahlen am 14. Mai und 24. September auf.

„Denn nicht Terror und Gewalt und auch nicht die Sprüche der Rechtspopulisten sind die größte Gefahr für die Demokratie, sondern dass wir ihr gleichgültig gegenübertreten, dass wir sie als selbstverständlich hinnehmen“, sagte die SPD-Landtagsabgeordnete: „Demokratie muss man leben, man muss sie im Kopf und im Herzen haben.“ Das Wahlergebnis in den Niederlanden, über das sie sich übrigens nur „ein Stückchen“ freuen könne, da „die Rechtsaußen“ trotzdem „viel zu stark“ abgeschnitten hätten, habe aber gezeigt, dass „wir selber die Instrumente in der Hand haben.“ Über eine hohe Wahlbeteiligung könnte man die Demokratie schützen und „den Rechtspopulisten die rote Karte zeigen“.

„Es gibt nichts Besseres und keine Alternative dazu“

„Bei den Wahlen geht es um den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft“, unterstrich die Landtagspräsidentin die Bedeutung der nächsten Urnengänge. Die Demokratie schütze alle, was manchmal schwer auszuhalten sei, und die Demokratie fordere auch enorm viel: „Aber es gibt nichts Besseres und keine Alternative dazu!“ Wie verletzlich Demokratie, Meinungs-, Rede- und Pressefreiheit sind, habe man in Deutschland doch schon mal erlebt, und auch dass eine freie Rede im Parlament und unabhängige Abgeordnete eben keine Selbstverständlichkeit seien. Carina Gödecke erinnerte in ihrer Festrede an Marie Juchacz, die im Juli 1919 als erste Frau in einem deutschen Parlament gesprochen und im Dezember desselben Jahres die Arbeiterwohlfahrt gegründet hatte. „Die AWO hat sich immer als gesellschaftspolitischer Verband verstanden und sie hat auch einen politischen Auftrag“, stellte die Landtagspräsidentin fest, die selber Mitglied ist. Sie sehe die AWO in NRW als „Partnerin und Mahnerin“, die „das Wort ergreift für die kleinen Leute“, und nicht nur „Hilfe und Unterstützung in fast allen Lebenslagen“ biete, sondern eben auch „den Finger in sozialpolitische Wunden legt, ihre Stärke einsetzt und lautstark das Wort erhebt“.

Neben den Hauptamtlichen, die für die „zukunftsfähigen Sozialkonzern ähnlichen Strukturen“ der AWO unverzichtbar seien, bleibe es ein Verbund des Ehrenamtes, betonte Carina Gödecke und dankte den zahllosen Engagierten für die „ausgestreckte Hand, die Wärme und Herzlichkeit, die das Ehrenamt an vielen Stellen und bei der AWO ganz besonders auszeichnet“.

„Vielfalt statt Abgrenzung!Brücken statt Gräben!“

Michael Scheffler, Bezirksvorsitzender seit 2012, hatte die „unermüdlichen Helferinnen und Helfer“ zuvor als „wahre Elite der Gesellschaft“ und das „Herz der AWO“ bezeichnet. Auch der Landtagsabgeordnete machte deutlich, dass angesichts rechter Populisten im In- und Ausland in diesem Jahr „unsere Gesellschaft, unsere Werte auf dem Prüfstand stehen“. Für die AWO sei klar: „Wir wollen Vielfalt statt Abgrenzung! Bunt statt Braun! Brücken statt Gräben! Dafür werden wir kämpfen!“ Man lasse nicht zu, dass „gegen Menschen gehetzt werde, die hier Zuflucht suchen“, und man werde alles tun, damit „populistische Kräfte“ nicht in den Landtag einziehen.

Bürgermeister Dr. Peter Paul Ahrens betonte in seinem Grußwort, dass die Stadt die AWO unterstütze, weil man die Werte des Verbandes – Solidarität, Toleranz, Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit – teile, und man für diese bei der heutigen Entwicklung auch in unserem Land einstehen müsse. Deswegen stehe er auch hinter der neuen AWO-Aktion „Gutmensch“, die sich gegen den Gebrauch des Begriffs als Schimpfwort einsetzt. „Denn je mehr Gutmenschen es gibt, desto gerechter, vielfältiger, toleranter und offener wird unsere Gesellschaft sein.“

Einen gänzlich unpolitischen, aber überaus gelungenen, sehr humorvollen Schlusspunkt unter den Empfang setzte der Duisburger Kabarettist Kai Magnus Sting, und das obwohl er in der Nacht zu Sonntag erstmals Vater geworden war, was er aber gleich ins Programm einbaute.

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