Lobbe-Frühschicht folgt Warnstreik-Aufruf von ver.di

Keine Hausmüll-Entsorgung im Nordkreis

Foto: IKZ

Iserlohn/Hemer. Zum kompletten Ausfall der Hausmüll-Abfuhr in Iserlohn, Hemer und Menden kam es am Freitagvormittag durch einen ver.di-Warnstreik bei der Lobbe Entsorgung GmbH in Sümmern.

Nach Angaben von Gerd Walter, beim ver.di-Landesbezirk NRW in Düsseldorf verantwortlich für den Fachbereich Entsorgung, habe sich seit 4 Uhr mit 60 Mitarbeitern nahezu die komplette Frühschicht des Unternehmens in der Iserlohner Niederlassung beteiligt. An den Lobbe-Standorten in Arnsberg sowie in Marienheide und Hückeswagen im Oberbergischen Kreis hätten noch einmal rund 60 Mitarbeiter gestreikt und seien mit zwei Bussen zur Unterstützung nach Sümmern gekommen. „Das war eine enorm gute Beteiligung, die wohl auch die Geschäftsührung überrascht hat.”

Lobbe-Geschäftsführer Michael Wieczorek konnte und wollte die Zahlen indes nicht bestätigen: „Wir haben da keine Meldelisten geführt.” Nach seiner Einschätzung hätten sich aber vor den Toren am Hegestück nur rund 80 Mitarbeiter aus den vier Standorten sowie Vertreter der Gewerkschaft versammelt. Bestätigen konnte Wieczorek aber, dass durch den Warnstreik die Hausmüll-Abfuhr im nördlichen ZfA-Gebiet ausgefallen sei. Die Gewerbekunden seien nicht betroffen gewesen. Durch den Einsatz von Mitarbeitern auch aus anderen Unternehmensteilen und von anderen Standorten am Freitagnachmittag, am Samstag und am Montag werde die Abfuhr in Iserlohn, Hemer und Menden nachgeholt.

Allerdings könne man dabei nur den „halben” Service bieten. „Da die eingesetzten Mitarbeiter die Standorte der Abfallgefäße nicht kennen, bitten wir die Bürger, die Tonnen diesmal selbst an die Straße zu stellen”, sagt Wieczorek. Falls die Abholung am Samstag noch nicht erfolgt, werden sie gebeten, die Behälter noch einmal am Montagmorgen an die Straße zu stellen. Bis auf „ganz, ganz wenige Außenbereiche”, in denen mit kleineren Spezialfahrzeugen die Abfuhr von Haus- und Sperrmüll erfolge, würden dann alle Rückstände bis Montagabend abgearbeitet.

Dass sich die Folgen des unternehmensweiten Warnstreiks auf den nördlichen Märkischen Kreis konzentrierten, während es an anderen Standorten laut Wieczorek keine oder kaum Auswirkungen gegeben habe, führte der Geschäftsführer darauf zurück, dass es in der Iserlohner Niederlassung mit ihren 220 Beschäftigten eine „besondere Verdichtung” derjenigen gebe, die nach dem Austritt aus der Tarifbindung des Bundesverbandes der deutschen Entsorgungswirtschaft die neuen individuellen Arbeitsverträge noch nicht unterzeichnet hätten. „Die Mehrheit unserer 500 Mitarbeiter folgt unserem Weg.”

„Lobbe sagt, 70 Prozent hätten unterschrieben, wir gehen von annähernd 50 Prozent aus, und viele haben es auch nur zähneknirschend getan”, sagte ver.di-Mann Walter bei der Abschlusskundgebung im Senator-Pütter-Saal. Der Warnstreik solle ein „Signal an die Geschäftsführung, ein Warnschuss vor den Bug” sein. Denn die zeige derzeit keinerlei Verhandlungsbereitschaft mehr über die ver.di-Forderung nach einem Anerkennungstarifvertrag und damit verbunden die Beibehaltung der 37-Stunden-Woche, von 30 Tagen Urlaub und der Zahlung eines 13. Monatsgehalts.

Die neuen individuellen Arbeitsverträge beinhalten hingegen eine Verlängerung der Wochenarbeitszeit auf 40 Stunden ohne Lohnausgleich, zwei Tage weniger Urlaub und eine Reduzierung des 13. Monatsgehalts um 50 Prozent. Lediglich bei letzterem, so Gerd Walter, hätte Lobbe inzwischen eine Verschiebung auf das kommende Jahr signalisiert.

Während sich die Geschäftsführung am Freitag zum weiteren Fortgang noch nicht äußern wollte, berichtete Walter, dass Lobbe-Gesellschafter Gustav-Dieter Edelhoff zu den Streikenden gesagt habe, dass er mit ver.di keinen Tarifvertrag mehr abschließe.

„Für uns war der Warnstreik am Freitag der Beginn, es wird weitere Aktionen bei Lobbe geben”, kündigte Walter an, nicht zuletzt durch die begonnenen Warnstreiks im öffentlichen Dienst sei man schließlich in einer günstigen Situation.

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