Parktheater

Wenn Al Capone Stepptänzer wird

Reminiszenzen an die großen Tanzshows voll irischer Steppmusik lieferte die Produktion „Night of the Dance“ am Dienstagabend im Parktheater.

Foto: Michael May

Reminiszenzen an die großen Tanzshows voll irischer Steppmusik lieferte die Produktion „Night of the Dance“ am Dienstagabend im Parktheater. Foto: Michael May

Iserlohn.   „Night of Dance“ überraschte mit einem buntem Mix verschiedener Tanzstile.

Irischer Stepptanz zieht beim Publikum, das scheinen auch die Macher der „Pura Vida Theater und Musical GmbH“ verinnerlicht zu haben, die am Dienstag mit ihrer Produktion „Night of the Dance“ im Parktheater zu Gast waren. Wahrscheinlich wollten sie beim Publikum Erinnerungen an die unvergessenen Inszenierungen von zum Beispiel „Riverdance“, „Feet of Flames“ und „Lord of the Dance“ wach küssen, die ein riesiges Publikum auf der Bühne, im Fernsehen und mit erfolgreichen DVDs in ihren Bann gezogen haben. Über 70 Millionen Zuschauer weltweit haben „Lord of the Dance“ zu einem der populärsten Tanzereignisse der Gegenwart gemacht, wie es im Programmheft lobend heißt.

Denn neben dem offiziellen Titel warb Pura Vida mit dem Zusatz „Best of Irish Dance“, also dem Besten, was der irische Tanz zu bieten hat. Doch natürlich konnte dort kein Michael Flatley, der diese legendären Erfolge der Erfolgsproduktionen als Tänzer und Choreograph mit außergewöhnlichem Können und Ausstrahlungskraft erst maßgeblich möglich gemacht hat, auf der Parktheater-Bühne stehen, sondern der Italiener Liam Caputo, der, wie es im Programmheft heißt, Stepptänzer der ersten Stunde sei, und dem man sicher auch ein hohes Können attestieren muss. Den Gegenpart beherrschte ebenso souverän Paul Wilson, übrigens der einzige Ire im Ensemble.

Das tänzerische Niveau war wirklich hervorragend

Natürlich gab es an diesem Abend Reminiszenzen an die große Erfolge der irischen Steppmusik, die sogar in der Choreographie eng an die Vorbilder angelehnt waren. Doch der dargestellte Kampf der Iren um ihre Freiheit gegen die „Unterdrücker“, also die Engländer, kam in solchen kurzen Momentaufnahmen verständlicherweise zu kurz. Auch die großen Tanzensembles, die diesen Konflikt sinnbildlich werden ließen, konnten bei einer so abgespeckten Produktion nicht verwirklicht werden. Doch, und das muss lobend erwähnt werden, im Vergleich zu manch anderen Ensembles, die sich an die irische Erfolgswelle haben anhängen wollen, war hier das tänzerische Niveau wirklich hervorragend. Den Tänzern gelang es in explosiven Steppbewegungen und unter höchster Konzentration dutzende Fußpaare völlig synchron auf den Boden donnern zu lassen und den Bühnenboden zum Beben zu bringen. Das ließ manche Schwäche schnell vergessen. Offen bleibt aber die Frage, warum auch über den legendären amerikanischen Ganoven „Al Capone“ gesteppt werden musste.

Wer also eine Nacht voller Tanz ankündigt, der will mehr bieten als nur Stepptanz. Dieses Versprechen wurde definitiv eingehalten. Zu Songs von Michael Jackson, Unheilig, Celine Dion und David Guetta wurden exzellente Tanznummern, verbunden mit Akrobatik, zu einem musikalischen und optischen Augenschmaus vermischt. Auch die „Breakdance Performance“ des Mexikaners Juan Carlos Martinez gehört ohne Zweifel zu den Höhepunkten dieses Abends, ebenso wie der Schwarzlicht-Auftritt.

Bei dem bunten Multi-Kulti-Mix durften natürlich auch Erinnerungen an den Blockbuster-Film „Piraten der Karibik“ genauso wenig fehlen wie lateinamerikanische Tänze oder Erinnerungen an das längst zur Legende gewordene „Dirty Dancing“. Die schnellen Wechsel der Musik-Stile und der dazu passenden Tänze waren nicht leicht für die Tänzer, aber auch nicht für das Publikum.

Der Applaus des Publikums war mehr als verdient

Das professionelle Ensemble agierte den ganzen Abend über auf hohem Niveau und hatte den Applaus des Publikums mehr als verdient. Dass zahlreiche Stühle im Parktheater unbesetzt blieben, mag an dem für Iserlohner Verhältnisse hohen Preisniveau gelegen haben. Immerhin kostete die Karte im ersten Rang fast 60 Euro, zehn Cent haben an dieser Marke gefehlt.

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