Schule

Wenn’s nach Arbeit statt nach Schule schmeckt

So sieht es aus, das NRW-Siegerauto vom Iserlohner „celerity.team“.

Foto: Ralf Tiemann

So sieht es aus, das NRW-Siegerauto vom Iserlohner „celerity.team“. Foto: Ralf Tiemann

Iserlohn.   „Formel 1 in der Schule“: Das „celerity.team“ vom MGI startet bei den Deutschen Meisterschaften.

Bisher hatten die Jungs und Mädchen von „celerity.team“ immer die Nase vorn. Sowohl beim Qualifying auf südwestfälischer Ebene als auch bei den NRW-Meisterschaften standen die MGI-Schüler am Ende ganz oben auf dem Treppchen. Nun geht es in die nächste Runde: Am 12. und 13. Mai wird in Neckarsulm bei Stuttgart der Deutsche Meister in dem Wettbewerb „Formel 1 in der Schule“ ausgetragen, und das Iserlohner Team rechnet sich auch dort durchaus Chancen aus. Sollte ihr Bolide dort auf den ersten oder zweiten Platz rasen, winkt am Ende sogar die Weltmeisterschaft in Malaysia.

„Das ist der größte Erfolg eines Iserlohner Einzel-Teams seit der WM-Teilnahme des „Boreas“-Teams vom Stenner-Gymnasium im Jahr 2014“, sagt Desirée Jacobi, die das Projekt „Formel 1 in der Schule“ seitens der SIHK betreut. Im Ganzen betrachtet sei diese Saison sogar die erfolgreichste SIHK-Saison in der Formel-1-Geschichte. Denn mit neun von insgesamt 27 Teams in den beiden Altersklassen Junioren (elf bis 14 Jahre) und Senioren (15 bis 19 Jahre) war die Kammer bei den NRW-Meisterschaften Anfang März in Bielefeld außergewöhnlich stark vertreten – und erfolgreicher als je zuvor: Die vier SIHK-Junior-Teams belegten die Plätze eins bis vier, und die fünf Senior-Teams landeten alle unter den Top 6.

Drei von vier NRW-Teams kommen aus dem SIHK-Stall

Bei den Deutschen Meisterschaften nimmt nun neben dem Iserlohner „celerity.team“ vom Märkischen Gymnasium (MGI) auch das zweitplatzierte Team „Evolve Racing“ vom Hagener Fichte-Gymnasium als Dauerkonkurrent des MGI-Teams in der Senior-Wertung teil. Zudem geht in der Junior-Wertung das Team „White Rabbit“ vom Lüdenscheider Geschwister-Scholl-Gymnasium an den Start. Damit kommen drei der vier NRW-Teams, die sich qualifiziert haben, aus dem SIHK-Stall.

Das unterstreicht schon die hohe Bedeutung, die die SIHK dem Schülerprojekt beimisst, um Technikbegeisterung zu wecken und damit auch dem Fachkräftemangel in der Region zu begegnen. „Wir wollen den jungen Leuten zeigen, was in der Region alles möglich ist, welche Firmen und Branchen es überhaupt gibt, um eine gute berufliche Karriere zu machen.“ Das Ziel ist klar: Die hellen Köpfe in der Region halten.

Bestes Beispiel dafür, dass das klappen kann, ist das „celerity.team“. Die vier Team-Mitglieder sind von der Sache geradezu elektrisiert und mit echter Leidenschaft unablässig bei der Arbeit, um jedes Detail zur Perfektion zu bringen. In Stunden könne man die Zeit, die sie bisher investiert haben, gar nicht mehr aufrechnen, sagen die vier Jugendlichen. Man müsse eher in Tagen und Wochen rechnen – und auch in Nächten.

Ganz nebenbei lernen sie dabei auf spielerischem Weg das echte Berufsleben kennen, können sich selbst ausprobieren und erfahren, was in Iserlohn alles möglich ist. Sie lernen ihre eigenen Fähigkeiten kennen und sammeln Erfahrungen auf dem Weg zum Beruf. Jeder im Team hat einen eigenen Aufgabenbereich übernommen. Paul Trettin (17) ist der Konstrukteur. Er entwickelt den Rennwagen, fräst ihn und testet ihn im Windkanal. Natürlich sieht er auch seine berufliche Zukunft im technischen Bereich.

Knapp 7000 Euro von Sponsoren gesammelt

Ähnlich sieht es bei Bine Blechmann (17) aus, die fürs Marketing zuständig ist. Sie hat die Sponsoren-Gelder eingesammelt. Ohne fremde Hilfe hat sie sich im Internet schlau gemacht, was es für Firmen vor Ort gibt, und ist losgegangen, um das Projekt vorzustellen. Knapp 7000 Euro hat sie bisher auf diesem Wege zusammenbekommen. Hinzu kommen Partnerschaften mit heimischen Firmen, die Fräsen und andere Gerätschaften oder Know-How zur Verfügung stellen – was für ein Erfolg. Kein Wunder, dass Bine Blechmann so etwas später auch einmal beruflich machen möchte. Auch Larissa Pirrello (18) sammelt wertvolle Vorberufs-Erfahrungen. Als Team-Managerin hat sie das Große und Ganze im Blick und spürt bei dem riesigen Erfolg ihres Teams, dass sie in Sachen Organisationstalent absolut nicht auf den Kopf gefallen ist. Und Jonas Trettin (18), der derzeit parallel zum Formel-1-Stress an seinem Abitur bastelt, ist der Designer im Team, der die ganze Präsentation der eigenen Marke entwirft und umsetzt. Er hat schon ziemlich konkrete Pläne, wie es beruflich weitergehen könnte. Gerade jetzt hatte er einen Vorstellungstermin bei einem Iserlohner Unternehmen, um möglicherweise direkt nach dem Abitur ein Lehrverhältnis mit Verbundstudium einzugehen – der Kontakt kam über die Formel 1 zustande.

„Genau so soll es im Idealfall laufen“, sagt Desirée Jacobi. Die Schüler sollen die heimische Wirtschaft kennenlernen, in verschiedene Berufe und Aufgaben hineinschnuppern und erste Kontakte knüpfen. Für die Schüler ist tatsächlich gerade diese Seite des Projektes besonders attraktiv. Das tolle sei, sagen sie, dass es zwar „Formel 1 in der Schule“ heiße, in der Praxis aber kaum etwas mit Schule zu tun habe. Sie entwickeln im kleinen Kreis ihre Ideen, treffen sich mit ihren Mentoren, die sich aus ehemaligen Schülern zusammensetzen, am Wochenende im Trainingslabor und gehen in echten Firmen ein und aus – alles schmeckt schon nach Beruf und Professionalität und nicht mehr nach Schulbank.

Für die letzte Etappedas letzte rausholen

Aktuell müssen sie für die Deutsche Meisterschaft, was die Professionalität angeht, nochmal einen drauf legen. Denn auf ihren NRW-Erfolg können sie sich keineswegs ausruhen. „Luft nach oben gibt es immer“, sagen sie und sind permanent dabei, das letzte rauszuholen. Der Rennwagen wurde noch einmal optimiert und komplett neu entwickelt. Auch das Design und der Präsentationsstand in der Boxengasse bekommen einen Relaunch. Am Ende können kleinste Kleinigkeiten über Erfolg und Misserfolg entscheiden. Beim Treffen in der Iserlohner SIHK-Niederlassung zeigt das „celerity.team“ seinen nagelneuen Werbefilm – eine animierte Reise, die ihren Boliden auf dem Weg von den Anfängen bis zur Deutschen Meisterschaft zeigt. So etwas, da sind sie sich sicher, hat die Konkurrenz, die dieses mal aus 15 Teams aus ganz Deutschland besteht, mit Sicherheit nicht. Und vielleicht ist es genau dieser Film, der am Ende den Unterschied macht und das Tor zur WM in Malaysia aufstößt – wir drücken die Daumen.

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