Baumpflege

Den Kronen an den Kragen gehen

Immer wieder ärgern sich die Anwohner über herabgefallene Äste. Von links: Rolf Busse, Werner Grünewald und Rolf Gentemann.

Foto: Helmut Rauer

Immer wieder ärgern sich die Anwohner über herabgefallene Äste. Von links: Rolf Busse, Werner Grünewald und Rolf Gentemann. Foto: Helmut Rauer

Letmathe.   Anwohner der Friedensstraße ärgern sich über lange versäumte Baumpflege. Bald könnte jedoch Bewegung in die Sache kommen.

Platanen können schöne Straßen- und Alleebäume sein. Das finden auch die Anwohner der Friedensstraße. Aber man muss sie regelmäßig schneiden. Wird das nicht getan, können sie sich ungezügelt zu wahren Ungeheuern auswachsen. Das ist es, was die Anwohner maßlos ärgert. Die 56 Platanen an ihrer Straße sind geschätzte 30 bis 40 Meter hoch. Seit Jahren müssen sie mit gewaltigen Mengen Laub fertig werden, mit herabfallender Rinde, trockenen Zweigen und mit stacheligen Früchten, die die Dachrinnen verstopfen.

Die mächtigen Kronen ragen über die Zäune und Dächer und lassen im Sommer kaum Sonne durch. Auf dem Balkon in der Sonne sitzen – davon kann Gundel Busse (69) nur träumen. „Bei uns ist immer Schatten“, sagt sie bitter. Mit ihrem mächtigen Wurzelwerk dringen die Platanen sogar bis in die Keller vor. „Bei mir kamen die Wurzeln bis in die Waschküche“, berichtet Hauseigentümer Rolf Gentemann (72). „Die Sanierung hat die Stadt einen vierstelligen Betrag gekostet.“ Der Pfingststurm, der 2014 in Düsseldorf und Bochum ganze Alleen umwarf, lässt die Anwohner der Friedensstraße oft unruhig schlafen.

Schriftverkehr brachte nicht das gewünschte Ergebnis

Immer wieder bitten sie die Stadt um Abhilfe, fordern vor allem eine deutliche Auslichtung der Kronen. Bisher vergeblich. Anwohner Werner Grünewald korrespondiert seit Jahren mit der Stadt und dem Stadtbetrieb Iserlohn-Hemer. Auch im Namen einiger Nachbarn schrieb er schon im Jahr 2013: „Ich bitte um einen wirksamen Rückschnitt der Bäume in der Höhe als auch um eine sichtbare Auslichtung, die ihren Namen verdient.“ Die Antworten haben ihn wenig befriedigt. Einerseits stießen die Beschwerden auf eindeutige Ablehnung und es wurde auf den hohen Wert der Straßenbäume für das Stadtklima und die Allgemeinheit hingewiesen. Das war vor allem der Fall, als Grünewald eine Änderung der Baumschutzsatzung beantragte, um ein radikaleres Beschneiden von Straßenbäumen im Einzelfall zu ermöglichen. Das Umweltamt lehnte dies kategorisch ab und machte sich vehement „für den Erhalt gerade dieser Straßenbäume“ stark.

Andererseits wurden die Anwohner in der Vergangenheit mehrfach damit vertröstet, dass ja Baumpflegemaßnahmen im üblichen Rahmen vorgesehen seien, aber angesichts der dünnen Personaldecke kein Zeitpunkt genannt werden könne.

Zu Zeiten der alten Stadt Letmathe, also bis 1975, seien die Platanen noch regelmäßig beschnitten worden, kann sich Grünewald erinnern, „Danach ist so gut wie nichts mehr passiert.“ Dass die Stadt Iserlohn da Versäumnisse begangen hat, wird heute sogar von der Verwaltung eingeräumt. „Hätte man die Platanen in regelmäßigen Abständen zurückgeschnitten, wären sie nicht so ausgewuchert“, stellt Stadtplaner Thorsten Grote im Gespräch mit der Heimzeitung fest. Andere Städte sehen nicht tatenlos zu. „In Schwerte oder Recklinghausen wurden Platanen in den vergangenen Jahren mit Erfolg zurückgeschnitten“, hat Rolf Gentemann beobachtet. „Warum geht das bei uns nicht?“

Offenbar ist das Ganze auch eine Frage des Geldes. Die CDU-Ratsfraktion hat die Platanen jetzt auf die Tagesordnung setzen lassen. Der Umweltausschuss berät am Donnerstag, 16. März, darüber, ob zusätzliche Gelder für außerordentliche Baumpflegemaßnahmen im „Quartier Friedensstraße“ bereitgestellt werden.

Dass es um keine geringen Summe geht, bestätigt Thorsten Grote. Es müsse ein Fachmann beauftragt werden, sich die Bäume im Einzelnen anzugucken, um zu schauen, wieviel Einschnitt der Baum verträgt. Eine radikale Kappung der Krone komme auf keinen Fall in Frage. Es könnten zwar Äste entfernt werden, aber es müssten auch noch Blätter dran bleiben. Ob das Ergebnis am Ende dem Bild entspricht, das Rolf Gentemann voriges Jahr von eingekürzten Platanen in Schwerte gemacht hat, bleibt offen. Grothe kann sich vorstellen, dass die Anwohner zufrieden sein werden. Man wird sehen.

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