Abzocke

Rodenerin lässt Betrüger abblitzen

Wer falsch am Telefon antwortet, schließt einen Vertrag ab.

Foto: Patrick Pleul

Wer falsch am Telefon antwortet, schließt einen Vertrag ab. Foto: Patrick Pleul

Roden.   Eine 83-Jährige erhält merkwürdige Anrufe und handelt laut einer Expertin der Verbraucherzentale vollkommen richtig.

„Sind Sie Frau Hecker? Geht es Ihnen gut Frau Hecker?“ Als Christel Hecker diese Fragen am Telefon von einer Anruferin gestellt bekam, die auch noch angab, das Gespräch von der französischen Stadt Bordeaux aus zu führen, war ihr sofort klar, dass hier etwas nicht stimmte. „Ich habe der Frau gesagt, dass sie mit diesem Quatsch aufhören soll und habe aufgelegt. Außerdem war das im Leben keine Französin. Das hätte ich doch herausgehört“, erzählt die 83-jährige Rodenerin.

Wenige Wochen zuvor erlebte sie Ähnliches. „Da meldete sich ein Mann, der betonte, sich in Italien zu befinden. Ich kenne überhaupt keine Leute in Italien.“ Daraufhin war das Telefonat ebenso schnell beendet. Erst nach diesen beiden Erfahrungen bekommt sie beim Lesen eines Artikels in einer Illustrierten ganz große Augen. „Darin wurde davor gewarnt, dass man bei solchen Telefonaten auf diese Fragen mit ,Ja’ antwortet und dadurch schnell einen Vertrag abschließt“, erzählt Christel Hecker. Nun habe sie das Bedürfnis gehabt, mit ihren Erfahrungen an die Öffentlichkeit zu gehen. „Ich bin doch bestimmt nicht die Einzige, die solche Anrufe bekommt. Die Leute müssen doch gewarnt werden.“

Da ist durchaus etwas dran. Christel Hecker habe richtig gehandelt, sagt Christine Steffen, Juristin der Verbraucherzentrale NRW. Anrufe dieser Art seien in Betrügerkreisen populär, Beschwerden dazu gebe es ebenfalls schon immer. Allerdings sagt sie auch: „Es kann eine Falle sein. Das ist immer eine Frage des jeweiligen Einzelfalls. Denn Vertragsabschlüsse am Telefon sind in Deutschland im Sinne der Vertragsfreiheit grundsätzlich möglich. Nur bei Glücksspielen muss der Vertrag vom Verbraucher in Textform bestätigt werden, damit er wirksam wird.“ Sie rät dazu, in ganzen Sätzen zu antworten oder gleich das Gespräch zu beenden, wenn man das Gefühl hat, dass es unseriös ist. Solche Anrufe seien in der Tat unzulässig.

Selbst wenn einige Zeit nach dem Telefonat eine schriftliche Vertragsbestätigung im Briefkasten liegen sollte, ist noch nichts verloren. „Dann kann immer noch schriftlich beanstandet werden, dass der Anruf nur als Informationsgespräch gewertet wurde und der Verbraucher keinen Vertrag abschließen wollte“, sagt Christine Steffen.

Christel Hecker hat in diesem Zusammenhang übrigens noch keine Post bekommen. Möglicherweise hat sich in gewissen Kreisen bereits herumgesprochen, dass diese Frau nicht übers Ohr zu hauen ist.

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