Musikschule

Von der Schülerin zur Chefin

Für Laura Flanz hat als Leiterin der Zweigastelle Letmathe eine aufregende Zeit begonnen. Paul Breidenstein, der Gesamtleiter der städtischen Musikschule Iserlohn, ist überzeugt: Seine junge Kollegin packt das.

Foto: Oliver Bergmann

Für Laura Flanz hat als Leiterin der Zweigastelle Letmathe eine aufregende Zeit begonnen. Paul Breidenstein, der Gesamtleiter der städtischen Musikschule Iserlohn, ist überzeugt: Seine junge Kollegin packt das. Foto: Oliver Bergmann

Letmathe.   Laura Flanz hat ihren Dienst als Leiterin der Musikschul-Zweigstelle Letmathe angetreten. Ein anderer Hintergrund wäre den Beteiligten allerdings lieber gewesen.

Vergleichsweise still, aber keineswegs heimlich hat Laura Flanz zum 1. März ihren Dienst als Leiterin der Zweigstelle Letmathe der städtischen Musikschule angetreten. „Eine Feier hat es wegen der Umstände nicht gegeben“, erklärt Paul Breidenstein. Der Leiter der Musikschule Iserlohn macht aus der gefühlsmäßigen Achterbahn kein Geheimnis. Denn einerseits wirkt der plötzliche Tod Roland Kirchs im Sommer 2016 bis heute nach, andererseits ist er sich sicher, mit Laura Flanz eine hervorragende Nachfolgerin für die Leitung der Außenstelle Letmathe gefunden zu haben. „Sie ist hier geboren und aufgewachsen und identifiziert sich mit der Schule und dem Stadtteil.“

Das ist nicht einfach so dahergesagt. Obwohl Laura Flanz erst im Sommer ihren 30. Geburtstag feiert, ist sie der Musikschule Iserlohn, besonders aber dem Standort Letmathe seit mehr als einem Vierteljahrhundert eng verbunden. Im gemeinsamen Gespräch erinnert sie sich daran, wie sie 1991 erstmals das Gebäude Oeger Straße 9 betrat – als eines von vielen Kindern, die den Kurs „Musikalische Früherziehung“ besuchten. Da war sie gerade vier geworden und hat wahrscheinlich das gleich neben dem Eingang auf der linken Seite gelegene Zimmer – ihr heutiges Büro – nicht besonders beachtet.

Musikalische Basis wurde bereits im Elternhaus gelegt

Aus der heutigen Perspektive schien klar zu sein, dass sie eines Tages dort sitzen würde, zumal ihr das musikalische Talent offensichtlich in die Wiege gelegt worden ist. „Mein Vater spielt Gitarre und Bass, meine Mutter ist Sängerin. Musikmachen und singen gehörte bei uns also einfach dazu“, erzählt sie. Um die Jahrtausendwende beginnt sie Schlagzeug zu spielen, und wird Teil des Kolpingorchest­ers. Sie baut ihr Abitur am Gymnasium Letmathe und studiert an der Kölner Musikhochschule Instrumentalpädagogik und Allgemeine Musikerziehung. „Dadurch hat sie einen doppelten Abschluss, den können nicht viele vorweisen“, merkt Paul Breidenstein anerkennend an.

Das war 2012. Zu ihrem Glück kommt an der heimischen Musikschule das Personalkarussell in Bewegung. „Ein Kollege hatte sich für ein Sabbatjahr entschieden und ich dadurch meine erste kleine Festanstellung mit begrenzter Stundenzahl bekommen. Das war auch die Zeit, in der ich die ,Trommelhorde’ gegründet habe.“ Das Angebot für Fünfjährige gibt es heute noch und gilt als Erfolg. „Acht bis zwölf Kinder sind immer dabei.“

Als Leiterin der Fachbereiche Rock, Pop und Jazz-Gesang wird Laura Flanz endgültig zu einem festen Bestandteil des Musikschul-Teams, musikalische Spuren hinterlässt sie außerdem weiterhin in der Bigband der Schule, deren Leitung sie jetzt auch noch übernommen hat. Trotz des Erfolges in diesem rasanten Tempo hat die junge Frau nicht die Bodenhaftung verloren. Dass ihr Freundeskreis, der sich bereits zu Schulzeiten bildete, noch immer besteht, ist der beste Beweis. Es ist auch keine falsche oder künstliche Bescheidenheit, die Laura Flanz an den Tag legt.

Verwaltungsarbeit bedeutet eine völlig neue Welt

Sie weiß, dass ihr ihre hervorragenden musikalischen und musikpädagogischen Fähigkeiten auf dem Chefsessel nicht viel weiterhelfen. Sich um Termine kümmern, Musikschüler auf die Lehrer verteilen und für Ersatzteile sorgen, wenn mal etwas kaputt geht – damit hatte sie bislang nichts am Hut. „Der Verwaltungsapparat ist komplett neu für mich. Ich möchte jetzt erst einmal schnell dahin kommen, dass ich dem Verwaltungsteam der Musikschule eine Hilfe sein kann. Auf dem weg dorthin möchte ich auch aus den Fehlern lernen, die sicher passieren werden.“

Sie macht auch kein Geheimnis daraus, dass sie erstmal einen Kloß im Hals gespürt hatte, als klar war, dass sie die Leitung des Standortes Letmathe übernehmen darf. Und eigenartig fühle es sich auch an, jetzt in diesem Büro, an diesem Schreibtisch zu sitzen. „Es war ja Rolands Stelle. Und er war gleichzeitig Kollege und Freund.“ Allerdings ist ihr die Leitungsposition nicht zugesteckt worden. Sie wurde ausgeschrieben und Laura Flanz hatte sich beworben – mit dem Bewusstsein dafür, im Erfolgsfall in diese großen Fußstapfen zu treten. Sie möchte dennoch eigene Spuren hinterlassen. „Eine Kopie ist schließlich immer schlechter als das Original. Deshalb fahre ich die Laura-Schiene.“

Die ideale Gelegenheit, aus dem Schatten Roland Kirchs herauszutreten und etwas zu gestalten, das ihre Handschrift trägt, sieht sie in dem für nächstes Jahr geplanten Umzug an die Von-der-Kuhlen-Straße in die Trillingsche Villa. „Wie wir uns aufstellen, wenn wir ins Zentrum Letmathes ziehen, wird noch ein wichtiges Thema werden. Ich würde zum Beispiel gerne Kooperationen mit den bestehenden Einrichtungen wie den Schulen in der Umgebung aufbauen.“

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