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Ray Wilson rockt Mendens „wo-anders“ mit Genesis

Ray Wilson im Woanders

Foto: Martina Dinslage

Ray Wilson im Woanders Foto: Martina Dinslage

Menden.  Das „wo-anders“ in Menden geht neue Wege. Der Auftritt von Ex-Genesis-Star Ray Wilson war das erste Event-Konzert.

Wann hat es ein Künstler beim Live-Publikum geschafft? Wenn es sich bewegt und, mehr noch, wenn es mitsingt. Ohne Aufforderung. Dem witzig-charmanten Ex-Genesis-Frontmann Ray Wilson ist dieses Kunststück im Mendener Club „Wo anders“ geglückt – mit einem Mix aus Hit-Hymnen seiner alten Band und selbst geschriebenem Filigran-Folk.

Erbe von Phil Collins

Rückblende. Ray Wilson hatte Pech im Glück. Superstar Phil Collins als Stimme von Supergruppe Genesis beerben zu dürfen, war eine Auszeichnung, einerseits. Andererseits floppte Wilsons erstes Album für seinen neuen Arbeitgeber; es sollte das letzte Band sein. Danach, so schien es, lagen Wilson und Genesis für immer über Kreuz.

Unzerstörbare Songs

Es sollte anders kommen. Inzwischen tourt der gebürtige Schotte wieder mit Genesis-Material. Es tut dem kleinen Mann mit der großen Stimme gut, den Songs der britischen Band und dem Publikum – nicht nur in Menden.

Wilson stellt nämlich Genesis vom Kopf auf die Füße. Gerade unter der Führung von Phil Collins technisierte die Gruppe ihren Stil zunehmend. So elektronisiert wirkte der Gruppen-Sound am Ende innovativ, aber zuweilen unterkühlt. Zugleich besitzen die Genesis-Hits der 80er und frühen 90er Jahre einen unzerstörbaren Kern – und genau den arbeitete Ray Wilson heraus, in dem er Stücke wie „Another Day In Paradise“ oder „Mama“ bis zur Essenz eindampfte.

Vielfingrige Saiten-Kunst

Was heißt das? In Menden standen exakt zwei Musiker vor dem 170-köpfigen Publikum: Sänger und Gitarrist Ray Wilson und Tastenmann Kool Lyczek. Elektronische Mätzchen waren mit Ausnahme gelegentlicher Hall-Effekte tabu. Stattdessen setzten die Künstler auf die pure Kraft der Songs.

Ihre Begleitfiguren waren schnörkelloses Beiwerk. Die Arrangements lebten von geschickten Akzent-Wechseln: Mal kontrastierte Wilson Lyczeks feine Piano-Linien mit straffen Rhythmen, mal unterlegte der Keyboarder Wilsons vielfingrige Saiten-Kunst mit kraftvollen Tieftönen.

Klassiker von Peter Gabriel

Wenn der Song der Star ist, muss ein Sänger eine verdammt gute Stimme haben. Wilson hat sie. Er zeigte bei seinem Kammer-Konzert, wie vielseitig sein Gesangsorgan ist. Der Vokalist überzeugte sowohl bei Phil-Collins-Nummern als auch bei Klassikern des ersten Genesis-Sängers Peter Gabriel mit hoher, fast nasaler Stimmlage.

Zugleich steigerte Wilson sich gern von sanftem Schnurren zu derart kraftvollem Gesang, dass er das Publikum auch ohne Mikrofon in einer Fußgängerzone gepackt und nicht mehr losgelassen hätte.

Ray Wilson scherte sich übrigens bei seinem Konzert nicht an das Zeitmaß „american showtime“: Das sind exakt 90 Minuten. Sein Auftritt im „Wo-anders“ dauerte – zur Begeisterung des Publikums – gute zwei Stunden. Wer mit so viel Herzblut singt, kennt keine Stechuhr.

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Sein Repertoire hatte Ray Wilson obendrein mit weiteren Hits angereichert, die beim Publikum zündeten – vorne weg das unverwüstliche „Wish You Were Here“ von Pink Floyd oder das Dylan-Denkmal „Knocking On Heaven’s Door“ aus dem Western „Pat Garrett jagt Billy The Kid“.

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