Nervenkitzel

„Gumpenjucken“ im Allgäu: Waghalsige Sprünge am Wasserfall

Zwei junge Frauen springen in den Buchenegger Wasserfällen von einem Felsen in eine zehn Meter tiefer gelegene Gumpe.

Zwei junge Frauen springen in den Buchenegger Wasserfällen von einem Felsen in eine zehn Meter tiefer gelegene Gumpe.

Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Oberstaufen.  Gumpenjucken - so wird Felsenspringen im Allgäu genannt. An den Buchenegger Wasserfällen bei Oberstaufen springen regelmäßig junge Leute ins kühle Nass. Das kann lebensgefährlich sein.

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Wasser stürzt mehrere Meter in die Tiefe. Auf einem Felsvorsprung neben dem Wasserfall hockt ein junger Mann in Badeshorts. Er blickt in die Tiefe, seit zehn Minuten. Soll er springen? Etwa 17 Meter trennen ihn von einem türkisgrünen Becken. „Gumpen“ werden diese Becken unter Wasserfällen genannt. „Jucken“ heißt im Allgäuer Dialekt „springen“. Gumpenjucker Benedikt (22) ist knapp drei Stunden gefahren, vom oberbayerischen Miesbach bis zu den Buchenegger Wasserfällen bei Oberstaufen.

"Dieses Gefühl ist der Hammer!“

„Manchmal fühlt es sich hier an, wie ein voller Badestrand“, sagt Kevin Whisenton. Natürlich sei Gumpenjucken gefährlich, sagt der 24-Jährige. „Aber der Absprung und der freie Fall, wenn es kein Zurück mehr gibt - dieses Gefühl ist der Hammer!“ Jahr für Jahr kämen mehr Touristen, darunter viele Klippenspringer. Geschuldet sei das vor allem Videos im Internet, die waghalsige Sprünge zeigen. Das Tourismusbüros Oberstaufen bewirbt das Gumpenjucken nicht. „Viel zu gefährlich“, sagt eine Sprecherin. Es gab schon Todesfälle.

Fünf Absprungstellen in die Gumpen gibt es, die höchste ist knapp 30 Meter. Warnschilder gibt es keine. Meistens stünden am Morgen mehrere Leute auf den Felsen und warten bis der Erste springt, erzählt Kevin. „Das ist ein bisschen primitiv, aber dann wird geschaut: Ja er lebt noch - also muss es sicher sein.“ An den Buchenegger Wasserfällen gibt es kein Handynetz. Auch keine Aufsicht. Ein Krankenwagen könnte den abschüssigen Pfad ohnehin nicht passieren. Einzige Möglichkeit wäre ein Rettungshubschrauber.

Im Jahr 2014 rutschte eine Studentin aus Amerika ab. Sie fiel in einen Wasserstrudel, der durch die herabstürzenden Wassermassen entstehen kann. Sie ertrank im Sog. Zwei Jahre später fiel ein Flüchtling ins Wasser, als er über einen Bachlauf springen wollte. Der Wasserfall riss ihn herunter. Er landete in einer der Gumpen, wurde aber durch die Strömung in den zweiten, folgenden Wasserfall gezogen. Um ihn zu retten, sprang ein 31-jähriger Betreuer hinterher. Beide tauchten nicht mehr lebend auf. (dpa)

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