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Einer der besten virtuellen Fußballer

Halbfinale „Game Show“ Zürich: FC St. Gallen gegen BSC Young Boys Bern, Brunisco gegen AzZze, Bruno Bardelas gegen Patrick Straschek. Ergebnis: 1:3

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Halbfinale „Game Show“ Zürich: FC St. Gallen gegen BSC Young Boys Bern, Brunisco gegen AzZze, Bruno Bardelas gegen Patrick Straschek. Ergebnis: 1:3 Foto: Privat

Iserlohn.   Patrick Straschek steht als professioneller FIFA-Spieler bei „mousesports“ unter Vertrag und verdient mit dem Zocken sein Geld

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Mit E-Sports professionell Geld verdienen: Patrick Straschek hat es geschafft. Mit 13 Jahren spielt er das erste Mal das Fußball-Videospiel „FIFA“, ein Jahr später ist er bei der Deutschen Meisterschaft mit dabei und fährt sogar als einer der acht besten deutschen Fifa-Spieler zur Weltmeisterschaft nach Amsterdam. 2009 gewinnt er das Deutschland-Finale des „FIFA Interactive World Cup“, und auch knapp zehn Jahre nach seinem größten Erfolg zählt er immer noch zu den besten Zockern des Landes.

„Wir haben als Kinder immer draußen zusammen Fußball gespielt. Wenn es geregnet hat, sind wir rein zum Zocken“, erinnert sich Patrick Straschek an die Anfänge seiner Karriere. Mit 13 legt er sich eine Xbox 360 zu, spielt erstmals nicht nur gegen Freunde, sondern duelliert sich online mit Spielern aus der ganzen Welt. Schnell hat er ein klares Ziel vor Augen: zu den Besten gehören. „Ich habe schon als kleiner Junge immer auf die Rangliste der Profis geguckt und wollte auch so gut werden“, sagt der heute 25-Jährige. Das sollte schneller gelingen, als er vielleicht selber gedacht hat.

Eltern finden das Zocken anfangs nicht besonders gut

Beim Titel „FIFA 06: Road to FIFA World Cup“ feiert der Schüler des Walram-Gymnasiums in Menden online erste Erfolge, 2007 nimmt er dann an einem Qualifikationsturnier für den „FIFA Interactive World Cup“ (FIWC) in Hagen teil – und gewinnt. „Ich habe damals meine Eltern angerufen und gesagt, dass ich in zwei Wochen zum Finale nach München muss“, berichtet er. Die fanden das anfangs allerdings alles andere als gut. Kosten, Zeitaufwand – sie machten sich schlichtweg Sorgen. Doch der Veranstalter EA übernimmt alle Kosten, seine Eltern lassen ihn fahren. Zum Glück. Er schafft es unter die besten Acht in Deutschland. Erst im Viertelfinale verliert er in der Nachspielzeit denkbar knapp gegen den anschließenden Deutschen Meister. „Damals war es aber immer noch ein Hobby“, sagt der Mendener. Selbst als er 2009 als 17-Jähriger das Deutschlandfinale des „FIWC“ gewinnt und bei der WM in Barcelona so stark auf sich aufmerksam macht, dass er bei „SK Gaming“ einen Vertrag unterschreibt.

Doch plötzlich reist der Schüler um die ganze Welt zu Turnieren, darf in Vancouver exklusiv das neue „FIFA“ testen, wird in Radiosendungen eingeladen und muss auf der Messe „Gamescom“ Autogramme geben. „In der Schule lief es aber trotzdem immer gut“, sagt Straschek, der sich zwar vor Turnieren intensiver vorbereitet, aber nicht täglich acht Stunden vor dem Bildschirm hockt. Im Gegenteil: Er tauscht regelmäßig den virtuellen Rasen gegen den echten und spielt sogar höherklassig in der Jugend des BSV Menden.

Mit dem Start der Virtuellen Bundesliga, wo er direkt im ersten Jahr das Finale in München erreicht. Dann der nächste Schritt: „mousesports“, titelübergreifend das beste deutsche E-Sports-Team, nimmt „AzZze“, wie sich Straschek im Spiel nennt, unter Vertrag. Er verdient nun sein erstes Geld im E-Sports-Bereich. Mittlerweile ist er Student an der BiTS Iserlohn, heute University of Applied Sciences, doch für die ganz großen Erfolge reicht es erst mal nicht mehr. „Es lag damals an der Motivation und der Zeit“, sagt Straschek und fügt hinzu: „Schule und Studium würde ich für das Spielen niemals aufgeben“.

Patrick Straschek will wieder angreifen

Mit dem neuesten Titel „FIFA 18“ will der Mendener nun wieder durchstarten und sich zurück an die Spitze der E-Sportler kämpfen, was allerdings schwerer denn je ist. Mittlerweile mischen nämlich auch viele Fußballvereine wie der VfL Wolfsburg, Paris St. Germain oder der AS Rom im E-Sports-Bereich mit und nehmen Top-Spieler unter Vertrag.

Um es trotzdem nach ganz oben zu schaffen, muss Straschek im FUT-Modus, einem Modus in dem Spieler nicht mit normalen Mannschaften in den Wettbewerb gehen, sondern versuchen, ihre Traum-Elf zusammenzustellen, pro Wochenende 40 Spiele – Dauer rund zwölf Stunden – absolvieren – und er darf möglichst keins verlieren. „Das ist mir bislang noch nicht gelungen aber ich bleibe dran“, sagt der Student, dessen bestes Ergebnis 36 Siege waren. Dafür klappt es derzeit aber schon ganz gut auf den Turnieren. Erst vor kurzem sicherte er sich bei der „Game Show“ in Zürich den Titel.

Doch was unterscheidet einen Profi-Spieler eigentlich von einem Hobby-Zocker? „Ein Profi-Spieler sollte ein gutes Spielverständnis haben und wissen, von wo man Tore erzielen kann“, sagt er recht simpel. Konkret meint das, die Gegner nur in gewissen Bereichen zum Abschluss kommen zu lassen und in den entscheidenden Momenten den richtigen Spieler anzuwählen. „Das kann man fast mit Schach vergleichen“, sagt der Profi-Zocker, der demnach schon versucht möglichst oft gegen Gegner auf Top-Niveau zu spielen. „Nur wenn man regelmäßig gegen die Besten spielt, kann man sich verbessern“, erklärt Patrick Straschek, der nach seinem Sport- und Eventmanagement-Studium auch gerne hauptberuflich Fuß im E-Sports-Bereich fassen würde.

Nebenbei möchte er aber gerne noch weiterzocken, so ganz ohne geht es eben doch nicht: „Es macht mir sehr viel Spaß, ich komme viel rum und habe viele Freunde auf der ganzen Welt“, erklärt Patrick Straschek, einer der besten virtuellen Fußballer.

Das Team von Patrick Strachek: „mousesports“

Patrick Straschek ist seit 2014 als professioneller E-Sportler bei „mousesports“ unter Vertrag und dort derzeit der einzige Spieler für den Titel „FIFA“.

Insgesamt hat das Team aus Berlin 28 Spieler in seinen Reihen, denen professionelle Trainingsräume in Köln und Oschersleben zur Verfügung stehen.

Aktuell ist das Team in folgenden Titeln vertreten: FIFA 18, Counter-Strike: Global Offensive, Dota 2, Street Fighter V, Paladins, Vainglory, Starcraft 2, Unreal Tournament, Trackmania.

„mousesports“, in der Szene häufig „mouz“ genannt, ist mit 26 titelübergreifenden Meisterschaften Deutscher Rekordmeister. Dazu kommen einige internationale Titel.

Insgesamt wurden so schon Preisgelder in Höhe von knapp 2,5 Millionen Dollar erspielt.

Zu den Sponsoren gehören unter anderem Vodafone, Sennheiser, Dr Pepper und Zowie.

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