Bochum. 10. Januar 2023: Ein Haus im Bochumer Süden explodiert, die Eigentümerin stirbt unter den Trümmern. So haben wir nach dem Unglück berichtet.

Bei einer verheerenden Explosion ist am späten Abend des 10. Januar 2023 eine Frau (61) in Bochum ums Leben gekommen. Ihr 35-jähriger Sohn hielt sich zum Zeitpunkt des Unglücks im Obergeschoss des Wohnhauses an der Keilstraße auf, er wurde verletzt. Acht Monate später hat am Montag, 11. September, der Strafprozess gegen zwei Bauarbeiter begonnen. Die 51 und 30 Jahre alten Angeklagten sollen bei Bohrarbeiten zur Vorbereitung der Verlegung von Glasfaserkabeln eine Gasleitung getroffen haben. Laut Anklage strömte stundenlang Gas aus dem verursachten Leck, dann kam es zur Explosion.

  • Newsblog zum Prozessbeginn: Vorarbeiter zu tödlicher Explosion: „Tut mir unendlich leid“

Die WAZ hat noch am späten Abend des Unglücks berichtet. Hier können Sie Berichterstattung nachlesen:

Frau stirbt nach Explosion in Bochum-Linden – das Wichtigste in Kürze:

  • Ein Wohnhaus in Bochum-Linden ist am späten Dienstagabend durch eine Explosion komplett zerstört worden. Die Ursache ist noch unklar, vermutet wird eine Gasexplosion.
  • Die Eigentümerin (61) wurde um 8.30 Uhr tot unter den Trümmern geborgen. Ihr 35-jähriger Sohn kam in ein Krankenhaus, der dritte Bewohner war zum Zeitpunkt des Unglücks nicht Zuhause.
  • Unsere Bildergalerie zeigt die Fotos vom Unglücksort.
  • „Unfassbar“, „beängstigend“: Nachbarn zeigen sich entsetzt von dem Unglück. Mehr dazu lesen Sie hier.
  • Schon häufiger hat es in Bochum Gas-Einsätze gegeben. Ein Überblick.
Mehrere Rettungshundestaffeln sind am Unglücksort im Einsatz. Die Hunde schlugen mehrfach an. Zunächst konnte jedoch die vermisste Person nicht gefunden werden.
Mehrere Rettungshundestaffeln sind am Unglücksort im Einsatz. Die Hunde schlugen mehrfach an. Zunächst konnte jedoch die vermisste Person nicht gefunden werden. © WAZ | Weeke

Am Dienstagabend um 21.40 Uhr war das zweigeschossige Gebäude inmitten des dicht besiedelten Wohngebietes eingestürzt – mutmaßlich nach einer Gasexplosion. Den schockierten Anwohnern und Einsatzkräften bot sich in der Nacht im kalten Schein der Halogenstrahler und flackernden Blaulichter ein Bild der Verwüstung. Das Haus liegt in Schutt und Asche. Ein Bagger schaufelte im Morgengrauen Teppiche, Badarmaturen, zerstörte Möbel und Dachpfannen auf eine Lkw-Ladefläche. Eine bedrückende, surreal erscheinende Szenerie.

In dem Haus lebte nach Feuerwehr-Angaben eine dreiköpfige Familie. Der Vater war zum Zeitpunkt des Unglücks nicht daheim. Der 35-jährige Sohn konnte sich selbstständig befreien. Mit Verletzungen wurde er in ein Krankenhaus gebracht. Dramatisch gestaltete sich die Suche nach der vermissten 61-jährigen Eigentümerin. Rettungshunde schlugen an. Einer Ärztin gelang es gegen 3.30 Uhr, zu der Frau vorzudringen. „Leider konnte nur noch ihr Tod festgestellt werden“, berichtet Feuerwehrchef Simon Heußen und konstatiert: „So etwas hat es in den letzten Jahrzehnten in Bochum nicht gegeben.“

Sehen Sie hier: Haus in Bochum explodiert: Die Bilder vom Unglücksort

Mit großem Personaleinsatz, mit zeitweise mehr als 120 Einsatzkräften wurde in den Trümmern nach der vermissten Person gesucht.
Mit großem Personaleinsatz, mit zeitweise mehr als 120 Einsatzkräften wurde in den Trümmern nach der vermissten Person gesucht. © WAZ | Weeke

Haus in Bochum eingestürzt: Feuerwehr vermutet Gasaustritt

Noch in der Nacht begann das Technische Hilfswerk, mit schwerem Gerät den Trümmerberg abzutragen. Am Morgen standen die Feuerwehrleute fast andächtig, mit gefalteten Händen, vor der Einsturzstelle. Wenig später wurde die Leiche der 61-Jährigen geborgen. Entlang der für den Verkehr weiträumig gesperrten Keilstraße standen Lastwagen bereit, um die Trümmer abzutransportieren. Auch an einigen Nachbarhäusern und geparkten Autos kam es zu Schäden.

Wie konnte es zu der Katastrophe kommen? Das Wohnhaus verfügte nach Angaben der Stadtwerke über keinen Gasanschluss. Allerdings sei in den Kellern der benachbarten Häuser, laut Feuerwehr auch in der Kanalisation Gasgeruch festgestellt worden.

Anwohner: Explosion war noch hunderte Meter zu spüren

Der Entstörungsdienst habe bis 5.25 Uhr mit 20 Mitarbeitern die Gasleitungen im Kreuzungsbereich Keilstraße und Auf dem Pfade abgesperrt, teilt Stadtwerke-Sprecher Kai Krischnak mit. Zwölf Häuser seien aktuell nicht mit Gas versorgt. An vier Stellen sei das Erdreich ausgehoben worden, um die Gasversorgung zu trennen. „Zur Ursache der Hausexplosion wird weiter ermittelt“, so die Stadtwerke.

Das THW ist auch schnell vor Ort. Im Hintergrund ist zu sehen, wie die Gewalt der Explosion ein Trümmerteil auf ein Nachbargebäude geschleudert hat.
Das THW ist auch schnell vor Ort. Im Hintergrund ist zu sehen, wie die Gewalt der Explosion ein Trümmerteil auf ein Nachbargebäude geschleudert hat. © WAZ | Weeke

Oberbürgermeister eilt noch in der Nacht zum Unglücksort

In dem betroffenen Bereich vermag diese Aussage kaum zu beruhigen. „Irgendwo ist hier eine Menge Gas ausgetreten, soviel ist klar. Sonst hätte es keine solche Explosion gegeben“, sorgt sich ein Anwohner, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen mag. Er fragt: „Sind wir womöglich nur knapp einer noch größeren Katastrophe entgangen?“

Wie ein Zeuge berichtet, soll die Detonation so heftig gewesen sein, dass der Boden noch einige hunderte Meter entfernt gewackelt habe. Auch ein Lindener, der rund 500 Meter entfernt wohnt, hat gegen 21.41 Uhr in der Straße Am Sattelgut einen dumpfen Knall gehört. „Die Rollladen in der Parterre haben gewackelt wie bei einem starken Windzug. Ich hielt mich im ersten Stock auf, da klirrten die Fensterscheiben. Zunächst dachte ich, es wäre sowas wie ein illegaler Silvesterböller. Danach bin ich auf die Straße gelaufen.“

Haus in Bochum explodiert: Polizei hat Ermittlungen übernommen

Auch Oberbürgermeister Thomas Eiskirch zeigte sich erschüttert über das Ausmaß des Schadens. Er war am späten Abend zum Ort des Geschehens geeilt, um sich ein Bild der Lage zu machen. Auch Ordnungsdezernent Sebastian Kopietz informierte sich bei den Einsatzkräften über das Ausmaß des Schadens. Aufgrund der zu dieser Zeit noch völlig unklaren Lage und fehlenden Informationen zu den Hintergründen wollten sie sich allerdings nicht zu dem Geschehen äußern.

Am Mittwochmorgen waren Feuerwehr und THW noch mit 50 Einsatzkräften vor Ort. In der Nacht waren es über 100. Inzwischen ist der Einsatz beendet. Die Polizei hat die Ermittlungen aufgenommen. Die Bewohner von sechs benachbarten Mehrfamilienhäusern, die kurz nach der Explosion evakuiert wurden, durften im Laufe des Vormittags wieder in ihre Wohnungen zurückkehren. Sie waren bei Verwandten und Freunden untergekommen. Eine Sammelstelle musste nicht eingerichtet werden. Wann die Gasanschlüsse in den Häusern wieder freigegeben werden, ist nicht bekannt.

Groß ist die Betroffenheit unweit der Unglücksstelle in der ehemaligen Helios-Klinik, in der Flüchtlinge aus der Ukraine untergebracht sind. „Wir haben einen Knall gehört. Der Boden hat gewackelt. Ich bin mit den beiden Kindern sofort rausgerannt“, schilderte eine geschockte Mutter am Mittwochmorgen. Die Familie kommt aus Odessa.