Im Test

Nissan X-Trail: Kann der elektrische Sonderweg überzeugen?

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Berlin (dpa-infocom)  Das SUV hat Van und Kombi längst als Familien-Auto abgelöst. Doch für mehr als zwei Kinder ist darin nur selten Platz. Deshalb stellt Nissan dem Qashqai jetzt wieder einen X-Trail zur Seite. Was ist von ihm zu erwarten?

Nissan wendet sich Familien mit großem Platzbedarf zu. Wenn die Japaner dem Qashqai jetzt zu Preisen ab 35.500 Euro wieder einen X-Trail zur Seite stellen, bekommt das SUV bis zu drei Sitzreihen und jede Menge nützlicher Details.

Für seine Rolle als Kleinbus unter den Cross-Overn hat Nissan den X-Trail nicht nur etwas rustikaler und bulliger gezeichnet als den Qashqai. Die Japaner haben den Wagen auch um rund 25 Zentimeter gestreckt und auf diese Weise mehr Platz geschaffen. Deshalb reicht es nun auf Wunsch und für 800 Euro extra für eine dritte Sitzreihe, die zumindest für Kinder einigermaßen geräumig ist. Alternativ lässt sich auch mehr Stauraum nutzen. Auf bis zu 1424 Liter ist der Kofferraum erweiterbar und damit für einen Großeinkauf bestens geeignet.

Viel Nützliches für den Familienalltag

Aber es sind nicht die Abmessungen allein, die den X-Trail zum Familienfreund machen. Der Nissan bietet zudem ein paar Finessen, die das Leben zwischen Kita, Schule und Sportplatz leichter machen sollen. So lassen sich die Fondtüren mit fast 90 Grad ungewöhnlich weit öffnen, damit man den Nachwuchs leichter in den Kindersitz bekommt. Die zweite Reihe kann für mehr Beinfreiheit oder Stauraum um 20 Zentimeter verschoben werden. Eingebaute Jalousien sorgen für Licht- und Sichtschutz. Und das Panoramadach lässt nicht nur Licht, sondern auch Luft herein.

Wer den Blick nach vorn wendet, der sieht ein vergleichsweise konventionelles Cockpit mit dem üblichen Doppel aus digitalen Instrumenten und großem Touchscreen. Dazu gibt es eine hohe Mittelkonsole mit einem zusätzlichen Bodenfach und auf Wunsch auch ein Head-up-Display. Soweit, so gewöhnlich.

Unkonventioneller Motor

Beim Motor bietet Nissen dem Fahrer hingegen etwas Besonderes. Denn wie schon beim Qashqai setzen die Japaner auf ihre einzigartige E-Power-Technologie, die einen sanften Übergang zur Elektromobilität ermöglichen soll.

Dafür nutzen sie den Verbrenner allein zur Stromerzeugung, puffern die Energie in einem Akku und treiben die Räder ausschließlich elektrisch an. Und anders als im Qashqai gibt es das E-Power-Paket hier für 3500 Euro Aufpreis auch mit einem zweiten E-Motor an der Hinterachse und Allrad. Wie es sich für einen Abenteurer gehört bekommt der X-Trail somit einen erweiterten Aktionsradius. Außerdem stehen dann für das Top-Modell 157 kW/214 PS statt 150 kW/204 PS im Datenblatt, und das Spitzentempo steigt von 170 auf 180 km/h.

Nicht ganz perfekter Einstieg in die E-Mobilität

Nissan rühmt die weitgehend konkurrenzlose Technologie als idealen Einstieg in die E-Mobilität, weil man das antrittsstarke und stille Fahren der Stromer erleben kann, sich aber keine Sorge um die nächste Steckdose machen muss. Ganz so einfach ist die Sache jedoch nicht. Mit der Ruhe beim Fahren ist es nämlich schnell vorbei. Denn wenn der Verbrenner anspringt um Strom zu produzieren, passt die Drehzahl oft nicht zur Fahrsituation. Die Drehzahl verändert sich nicht linear, sondern sprunghaft und verharrt dann auf dem Niveau. Auf das bekannte Hochdrehen wartet man vergebens. Und dass neuer Strom benötigt wird, kommt bei einer Batterie von gerade mal etwas mehr als zwei kWh oft genug vor.

Weiteres Manko: Während es für reine Akku-Autos wie den Ariya fast 10.000 Euro Zuschuss gibt, gehen die X-Trail-Käufer leer als. Dennoch kostet die E-Power-Variante 1500 Euro mehr als der konventionelle Mild-Hybrid im 120 kW/163 PS starken Basismodell, das ironischerweise mit 200 km/h das schnellste Mitglied der Familie ist. So wird der selbstlandende Stromer nicht zum Boten der Zukunft, sondern allenfalls zur Alternative für den Diesel, den Nissan beim Generationswechsel aus dem Programm genommen hat. Allerdings schneidet er mit einem Verbrauch von bestenfalls 5,8 Litern (CO2-Ausstoß 131 g/km) auch besser ab als der Mild-Hybrid. Dieser steht nämlich mit 7,1 Litern (161 g/km) in der Liste.

Fazit: Smarter Praktiker mit elektrischem Eigensinn

Binnen zwei Jahrzehnten hat sich der X-Trail als weltweit erfolgreiches Familienauto etabliert - und wird diese Rolle mit seinem etwas rustikalen Auftritt und seinem praktischen Zuschnitt vorerst wohl auch behalten. Den Aufbruch in die Zukunft dagegen nimmt man den Japanern kaum ab. Denn weder performt der E-Power-Antrieb wie ein klassischer Verbrenner, noch fährt er so sauber wie ein richtiger Stromer - und staatlich gefördert wird er auch nicht. Wenn man sein Kreuzchen beim X-Trail macht, dann trotz und nicht wegen der E-Power.

Datenblatt: Nissan X-Trail 1,5 VC-T e-4FORCE

Motor und Antrieb Dreizylinder-Turbo-Benziner mit zwei E-Motoren
Benzin-Motor
Hubraum: 1447 ccm
Max. Leistung: 116 kW/158 PS bei 4600 U/min
Max. Drehmoment: 250 Nm bei 2400 bis 3750 U/min
E-Frontmotor
Max Leistung: 150 kW/204 PS
Max. Drehmoment: 330 Nm
E-Heckmotor
Max Leistung: 100 kW/136 PS
Max. Drehmoment: 195 Nm
System-Leistung: 157 kW/214 PS
Antrieb: Allrad
Getriebe: Eingang-Automatik
Maße und Gewichte
Länge: 4680 mm
Breite: 1840 mm
Höhe: 1720 mm
Radstand: 2705 mm
Leergewicht: 2345 kg
Zuladung: 574 kg
Kofferraumvolumen: 177-1424 Liter
Fahrdaten:
Höchstgeschwindigkeit: 180 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h: 7,0 s
Durchschnittsverbrauch: 6,3 Liter/100 km
CO2-Emission: 141 g/km
Kraftstoff: Super
Reichweite: 870 km
Schadstoffklasse: Eu6
Energieeffizienzklasse: k.A.
Kosten:
Basispreis des Nissan X-Trail (163 PS): 35.500 Euro
Basispreis des Nissan X-Trail 1,5 VC-T e-4FORCE: 44.400 Euro
Typklassen: k.A.
Kfz-Steuer: 122 Euro/Jahr
Wichtige Serienausstattung:
Sicherheit: Sieben Airbags, Abstandsregeltempomat, Spurführungshilfe, Querverkehrswarner
Komfort: Klimaanlage, Zentralverriegelung, digitale Instrumente
Spritspartechnik: E-Power

Alle Daten laut Hersteller