Schalke 04

Das sagt Wolfsburgs Schäfer über Schalke, Naldo und Riether

Alles im Blick: Marcel Schäfer. Mit seinem VfL Wolfsburg will er auch auf Schalke ungeschlagen bleiben.

Alles im Blick: Marcel Schäfer. Mit seinem VfL Wolfsburg will er auch auf Schalke ungeschlagen bleiben.

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Wolfsburg.  Der VfL-Sportdirektor hat die Königsblauen in der Bundesliga trotz der langen Minus-Serie noch nicht abgeschrieben.

Marcel Schäfer (36), Sportdirektor des VfL Wolfsburg, zählt bei den Niedersachsen fast schon zum Inventar. Mit Unterbrechung arbeitet der ehemalige Nationalspieler seit über zehn Jahren bei den Wölfen. Beim Duell mit Schalke 04 freut sich Schäfer vor allem auf zwei alte Teamkollegen: Naldo und Sascha Riether. Warum Schäfer Schalke noch nicht abgeschrieben hat, verrät er im Interview mit dieser Zeitung.

Herr Schäfer, die wichtigste Frage in Corona-Zeiten vorweg: Wie geht es Ihnen?

Marcel Schäfer Danke, mir geht es gut. Auch meine Familie ist wohlauf. Es wäre für alle wünschenswert, wenn man das Corona-Virus in absehbarer Zeit in den Griff bekommen würde. Dabei denke ich in erster Linie an die Gesundheit. Die steht über allem. Natürlich wäre es auch für unsere Wirtschaft extrem wichtig. Und für die Bundesliga. Hier haben alle bislang einen tollen Job gemacht und sind sehr diszipliniert und verantwortungsbewusst mit dieser Situation umgegangen.

Gehört das Tragen der Gesichtsmaske mittlerweile zur Normalität?

Die Maske ist mittlerweile auf einer Stufe mit dem Autoschlüssel, dem Portemonnaie und dem Handy. Wenn man aus dem Haus geht, nimmt man die Dinge automatisch mit. Jeder von uns muss Verantwortung übernehmen, um vor allem andere und sich selbst zu schützen.

Die Bundesliga findet aktuell ohne Fans statt. Was empfinden Sie, wenn der Ball auch am Samstag auf Schalke wieder in einem leeren Stadion rollt?

Der Fußball lebt einfach von der Atmosphäre und den Emotionen. Eines der schönsten Gefühle ist, wenn du vor vielen Fans ins Stadion einläufst, ein Tor schießt und am Ende einen Sieg mit den Anhängern feierst. Diese Glücksgefühle fehlen im Moment. Das kann man nicht ersetzen.

Der VfL Wolfsburg ist nach sieben Spielen noch ungeschlagen. Wie zufrieden sind Sie mit der bisherigen Saison?

Ich bin grundsätzlich nie zufrieden und achte da genau auf die Wortwahl. Wir wollen immer versuchen, mehr zu erreichen. Wir haben wirklich gute Spiele gegen Leverkusen, Mönchengladbach und Hoffenheim abgeliefert, aber insgesamt vielleicht bislang zwei Punkte zu wenig eingefahren. Was mir bei uns gut gefällt, ist die defensive Stabilität. Wir haben erst fünf Gegentore kassiert. Alle Spieler arbeiten richtig stark gegen den Ball.

Hapert es dafür in der Offensive?

Wir müssen bei der Chancenverwertung zulegen. Wir lassen zu viele gute Situationen liegen. Da fehlt mitunter der letzte Pass oder die letzte Gier, ein Tor zu erzielen. Das wissen wir, daran arbeiten wir.

Wie sehr hat das Aus in der Europa League-Qualifikation gegen AEK Athen geschmerzt?

Das schüttelt man nicht an einem Tag ab. Es hat richtig weh getan. Wir haben 34 Bundesliga-Spiele plus zwei Qualifikations-Partien dafür gearbeitet, in der Europa League dabei zu sein. Und dann kommt das 37. Spiel und du bekommst in der Nachspielzeit den K.o.-Schlag. In dieser Begegnung haben wir das eine oder andere einfach nicht richtig gemacht. Daraus müssen wir lernen und noch gieriger, noch hungriger darauf werden, uns auf direktem Weg für Europa zu qualifizieren. Wir haben gesehen, dass in einem Spiel wirklich alles passieren kann. In unserem Fall war es ein Negativ-Erlebnis.

Wie hat die Mannschaft auf das Aus reagiert?

Da muss ich dem Team ein Kompliment machen: Die Jungs haben es gut weggesteckt. Man kann hinfallen, aber dann muss man wieder aufstehen. Genau das haben wir gemacht.

Sie sind zusammen mit Schalkes Profi-Koordinator Sascha Riether Deutscher Meister beim VfL Wolfsburg geworden. Verbindet so ein Erlebnis besonders?

Ja, das werden wir beide niemals vergessen. In unserer Wolfsburger Zeit haben wir zusammen das Größte in der Vereinsgeschichte, aber auch für uns persönlich erreicht. Sascha, der jetzt bei Union Berlin spielende Christian Gentner und ich waren schon zu gemeinsamen VfL-Zeiten befreundet. Wir haben eine extrem intensive Zeit erlebt. Unser damaliger Trainer hat die Mannschaft zu maximalem Erfolg geführt. Das hat enorm viel Schweiß gekostet. Wir haben etliche Medizinbälle geschleppt.

Würden Sie das heute unter Felix Magath noch einmal über sich ergehen lassen?

Ehrlich gesagt würde ich heute vier Medizinbälle auf einmal schleppen, um das noch mal zu erreichen (lacht). Dieser Spruch, dass harte Arbeit belohnt wird, kommt nicht von ungefähr. Wir sind Felix Magath seinerzeit bedingungslos gefolgt. Wir hatten einen verschworenen Haufen. Und wir Spieler haben danach immer Kontakt gehalten, auch wenn sich die Wege dann getrennt haben.

Was es für Sie früh klar, dass Sie beim VfL Wolfsburg nach der aktiven Karriere in die Sportliche Leitung wechseln?

Ich bin immer an neuen Impulsen interessiert und wollte ins Fußball-Management hinein. Während meiner Zeit in den USA habe ich bei verschiedenen Vereinen und Wirtschafts-Unternehmen Praktika absolviert. Mit dem VfL Wolfsburg war relativ früh vereinbart, dass ich nach meinem Amerika-Aufenthalt und dem Ende meiner Laufbahn zum Verein zurückkehre. Dafür bin ich sehr dankbar. Ich bin jetzt mit USA-Unterbrechung 13 Jahre bei den Wölfen. Meine drei Kinder sind in Wolfsburg geboren. Wir fühlen uns hier als Familie zuhause. Das passt also alles.

Bei Ihrem Auswärts-Gegner Schalke 04 passt sportlich nicht allzu viel zusammen. Seit 23 Spielen haben die Königsblauen in der Bundesliga keinen Sieg mehr eingefahren. Wie schätzen Sie die Situation ein?

Das ist eine extrem mentale Geschichte. Im Erfolgsfall muss man nichts erklären, da läuft alles. Wir haben das in der Meistersaison beim VfL erlebt. Du machst einfach – und gewinnst. Ohne großes Überlegen. Man strotzt quasi vor Selbstbewusstsein. In einem Negativ-Lauf denkst du als Spieler viel mehr nach, warum etwas nicht klappt. Ich glaube, dass Schalke versucht, jetzt in größtmöglicher Ruhe zu arbeiten. Das neue Trainer-Duo Manuel Baum und Naldo tut dem Verein gut. Aber bei so einem Negativlauf strotzt man nicht gerade vor Selbstvertrauen. Das dauert seine Zeit, bis die Automatismen greifen. Da ist Geduld erforderlich, bis sich die dringend benötigten Erfolgserlebnisse einstellen.

Befürchten Sie, dass es für Schalke in dieser Saison eng werden könnte und dass sogar der Sturz in die Zweitklassigkeit droht?

Nein, das glaube ich nicht. Sie werden die Wende noch schaffen. Ich drücke Naldo, mit dem ich ja auch noch in Wolfsburg zusammengespielt haben, und Sascha Riether dafür ganz fest die Daumen. Allerdings erst, nachdem wir gegen sie gespielt haben (lacht).

Warum ist Naldo für Schalke in dieser neuen Assistenz-Funktion neben Manuel Baum so wichtig?

Naldo ist eine Frohnatur, er bringt automatisch gute Laune mit. Er ist ein Gesicht der Bundesliga. Ganz gleich, ob er auf Sylt, im Bayerischen Wald oder im Allgäu spazieren geht: Die Leute erkennen ihn. Naldo ist ein extrem positiver Mensch, er kann Dinge vermitteln und näher bringen. Ihm hört man immer interessiert zu, weil er im Fußball sehr viel erlebt hat und seine Erfahrung einbringt. Ich schätze ihn sehr, er ist ein Super-Typ.

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