Wichelhovenhaus

Backsteinbau des Expressionismus

Das Wichelhovenhaus am Theodor-Heuss-Ring 4-6 in Iserlohn.

Das Wichelhovenhaus am Theodor-Heuss-Ring 4-6 in Iserlohn.

Foto: IKZ

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Das Wichelhovenhaus ist das markanteste Gebäude des Expressionismus in Iserlohn. Die Kölner Architekten Ullmann & Eisenhauer, nach deren Plänen das Gebäude 1927 erstellt wurde, haben ihm durch eine blockhaft-kubische Architektur eine aussagekräftige Gestalt gegeben. Alle Geschossfenster sind symmetrisch zur Mittelachse; ihre einheitliche Kunststeinfassung ordnet sie zu Fensterbändern, die klar von dem flächenhaften Ziegelmauerwerk abgesetzt sind.

Zentrum des Gebäudes ist das beachtenswerte Treppenhaus mit der zweiarmigen Treppe. Auf dem ersten Podest erhebt sich ein Marmorbrunnen mit flacher, weichgeschwungener Schale. Seine Skulptur - ein weiblicher Akt, der von R. Cauer geschaffen und als Roma bezeichnet wurde - lauscht in eine Muschel hinein. Sie steht mit ihren weichen Formen im Gegensatz zu den expressionistischen, bleiverglasten Fenstern des Treppenhauses. Das Wichelhovenhaus ist heute Sitz des Iserlohner Kreisanzeigers und des Reisebüros Wichelhovenhaus.

Eine ausführliche Beschreibung des Gebäudes liefert das Buch "Kunst- und Geschichtsdenkmäler im Märkischen Kreis":

Der große, stereometrisch einfache Backsteinbau des Expressionsmus entstand, wie durch den Inschriftstein bezeugt ist, in den Jahren 1926/1927. Während die aus derselben Bauzeit stammenden rückwärtigen Flügel im Frühjahr 1998 abgerissen wurden, ist das denkmalgeschützte Hauptgebäude am Theodor-Heuss-Ring erhalten geblieben. Es besteht aus drei gleichmäßig aufeinander ruhenden Kuben in Backstein mit Travertin für die Gliederungselemente und Fensterwände. Die Fassade entwickelt sich symmetrisch um einen Portikus mit Freitreppe zu drei Öffnungen und ist in ihren strengen rechtwinkligen Bezügen breit gegliedert. Die Fenster des gesamten Gebäudes folgen in enger Reihung. Der erste aufsitzende Kubus bildet das zweite Obergeschoss, der zweite Kubus bildet das dritte und oberste Geschoss, das zusätzlich zur Fensterreihe mit einem Backsteinzierverband gegliedert ist. Rautenförmige kleine Fenster gliedern die Schmalseite des Gebäudes in diesem Geschoß des Hauptgebäudes, in dem die Büros untergebracht sind.

Die Druckerei und die übrigen technischen Einrichtungen befanden sich in den etwas niedrigeren Flügeln, von denen der am Ohl mit einem grün glasierten expressionistischen Terrakottaportal geziert war. Dieses Portal sollte ursprünglich in dem an gleicher Stelle errichteten Kino-Komplex wieder Verwendung finden.

An baulicher Zier finden sich verschiedene Schmiedeeisenarbeiten am Gebäude, so auch ein Zunftwappen der Drucker. Bemerkenswert ist auch das Treppenhaus des Hauptgebäudes, dessen Rückseite hier als bauchiger Vorbau mit Farbverglasung gestaltet ist. In einer so entstandenen Nische steht ein rundes Brunnenbecken aus Marmor mit einem weiblichen Akt als Allegorie auf das Hören als Brunnenfigur, die R. Cauer, Roma, bezeichnet ist. Cauer hat für Iserlohner Patrizierfamilien mehrere Grabfiguren auf dem Iserlohner Kommunalfriedhof geschaffen. Auf der marmorvertäfelten Nischenwand steht die Inschrift:

Meerestöne dir künden ewiges Wogen Liebe des Lebens Gesetz, diene in Wahrheit dem Geist

Text: Dr. Ulrich Barth - aus: Heimatbund Märkischer Kreis (Herausgeber), Kunst- und Geschichtsdenkmäler im Märkischen Kreis

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