Iserlohn. Menschen altern schneller, wenn sie nicht auf Phasen ruhigen Ausgleichs achten.

Ehrlich gesagt: Eigentlich ist diese Überschrift, die wie ein Statement klingt, nicht ganz richtig. Wir alle wissen ja, dass es keine Methode gibt, in Sicherheit und Verlässlichkeit ein langes Leben zu erreichen. Die Wissenschaft schlägt uns eine Vielzahl - und eben keine Einheitlichkeit - von Wegen vor, um dieses hohe Ziel zu erreichen.

Schuld daran sind einerseits z.B. die unterschiedlichsten Erbanlagen, die Schicksalsschläge durch alte und neue Krankheiten (Covid 19) und traumatische oder selbst herbeigeführte Ereignisse (Suizid), und andererseits die uneinheitlichen Vorschläge für eine adäquate Lebensweise, die eine sichere Prognose kaum zulassen. Wir wollen deshalb mit aller Vorsicht nur die in allen biologischen und psychologischen Richtungen bewährten Fakten benennen, die uns ein langes Leben „ermöglichen können“.

Ernährung und Bewegung als körperbezogene Lebensweise

Nicht übersehen werden darf dabei die Tatsache, dass Biologie und Psychologie und die Ungewissheit des persönlichen Schicksals in bestimmter Weise ineinandergreifen. Mit Biologie ist in erster Linie die körperbezogene Lebensweise gemeint und hier vor allem die Ernährung und die Bewegung. Nikotin ist mittlerweile obsolet geworden wegen der damit verbundenen Krebsgefahr und der schädigenden Wirkung auf die Arterien und besonders auf die Herzkranzarterien. Ein Glas Rotwein abends wird von den meisten Wissenschaftlern gestattet. Aber da alles eine Frage des Maßes ist, gilt bereits eine ganze Flasche Wein pro Tag auf längere Sicht als nicht förderlich.

In puncto Ernährung sollte darauf geachtet werden, viel Gemüse, Salate und Obst zu verzehren, bzw. den täglichen Fleischgenuss zu vermeiden. Von verschiedenen Seiten wird heute die „Flexitarische Ernährung“ gelobt, das heißt, maximal zwei- oder dreimal in der Woche eine Mahlzeit mit Fleisch, viermal mit anderen Zutaten zu verzehren. Übrigens: Das in aller Munde so oft erwähnte Cholesterin wird heute als nicht mehr ganz so bedeutungsvoll angesehen. Viel wichtiger ist aus der „Familie der Fette“ ein niedriges sogenannte LDL (Low Density Lipoprotein), das eine stärker positive Wirkung auf die Arteriosklerose der Gefäße haben soll. Die Liste der Nahrungsmittel, die als empfehlenswert bzw. als bedenklich eingestuft werden, ließe sich noch verlängern. Aber den meisten ist sie ja im wesentlichen bekannt.

Mit dem Begriff Psychologie ist hier die (immaterielle) Struktur der menschlichen Persönlichkeit gemeint. Es gibt Menschen, die sich in ihrer „Lebensweise“ schnell verbrauchen. Sie meinen z.B. mit wenig Schlaf auszukommen, kein Fest, keine Veranstaltung auslassen zu dürfen und deren Temperament sich schnell erschöpft. Sie können schlecht mit sich allein sein, und sei es nur für kurze Zeit. Den Urlaub in einer stilleren Umgebung lehnen sie ab, weil sie sich zu Orten, in denen immer „etwas los ist“ (Jubel, Trubel, Heiterkeit), stärker hingezogen fühlen. Es besteht die Gefahr, dass solche Menschen sich schneller verbrauchen und altern, wenn sie nicht auf Phasen ruhigen Ausgleichs achten. Die Ungewissheit des persönlichen Schicksals ist ebenfalls ein für das Leben entscheidender Faktor.

Erschöpfte Lebenskraft durch viele Schicksalsschläge

Ich denke, wir kennen alle eine Reihe von Menschen, die durch viele Schicksalsschläge so stark betroffen sind, dass sich ihre Lebenskraft recht schnell erschöpft; ein Faktum, das in der Regel auch kein hohes Alter zulässt. Natürlich hat man solche Verläufe seines Lebens nicht selbst in der Hand und befindet sich hier in einer weitgehenden Abhängigkeit. Wir sehen anhand dieser groben Einteilung, dass wir zu einem langen Leben selbst etwas beitragen können, uns aber dennoch in mancherlei Hinsicht in Abhängigkeit befinden. Gleichwohl wird uns in etwa 50 Jahren eine häufiger erreichbare Lebenszeit von 120 Jahren prognostiziert. Das weibliche Geschlecht soll dabei – verglichen mit dem männlichen – im Vorteil sein. Trotz aller Errungenschaften der modernen Medizin ist es jedoch nie falsch, auf eine in jeder Hinsicht ausgeglichene Lebensführung und -gestaltung zu achten. Als Letztes sei gesagt: Jeder Mensch benötigt für die Ausrichtung und den Verlauf seines Lebens als Basis ein in der Tiefe seiner Persönlichkeit angelegtes ethisches Glaubensfundament, das ihn von Tag zu Tag trägt und ihn geistig und seelisch motiviert.