Menschen

„Iserlohner Altstadtblage“ fühlt sich wie im Schneckenhaus

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Das Traditionscafé Hesse gehörte früher zu den Institutionen im Iserlohner Einzelhandel. Es schloss im März 1973 nach 90 Jahren.

Das Traditionscafé Hesse gehörte früher zu den Institutionen im Iserlohner Einzelhandel. Es schloss im März 1973 nach 90 Jahren.

Foto: IKZ-Archiv / IKZ

Iserlohn.  Erinnerungen an frühere Zeiten und Ausblick auf die anstehenden Veränderungen in der Iserlohner Innenstadt.

Nun hat der Winter im letzten Monat seiner Regentschaft noch einmal kräftig zugeschlagen. Trotz vieler Vorkehrungen legte er Straßen und Bahnverkehr fast lahm. Heftige Schneefälle und Eisregen stoppten unseren gewohnten Alltag. Ein nicht gerade günstiger Einstieg für die beginnende Impfung in den Corona-Zentren. Eigentlich wollte ich das Wort mit dem großen „C“ gar nicht mehr erwähnen. Seit über einem Jahr hört man es in den Radio und Fernsehnachrichten, während die Presse ganz oder mehrseitig über diese Pandemie berichtet. Die Uneinigkeit der Politiker und das viele „Hü und Hott“ der Meinungen zermürben allmählich. Man fühlt sich wie in einem Schneckenhaus. Nur ab und zu streckt man die Fühler aus um die nötigen Dinge des Alltags einzukaufen. Deshalb sind wir den vielen Mitmenschen zu großem Dank verpflichtet, die den „ Laden am Laufen“ halten. Doch leider müssen viele Einzelhändler ihre Türen noch geschlossen halten. Einige werden wohl nicht mehr öffnen, der Lockdown dauert zu lange.

Erinnerung an die früheren Geschäfte in der Innenstadt

Als Kind der Altstadt sehe ich in Gedanken immer noch die alte „Wermingser Straße“ vor mir. Fachgeschäft an Fachgeschäft reihte sich aneinander. Alles für den täglichen Bedarf bekam man hier. In meiner Erinnerung sehe ich noch die im Fell hängenden Rehe, Wildschweine und Fasane vor den Delikatessengeschäften „Kaminski“ und „Mengelkamp“. Bei „Bölling“, dem „Haus der Geschenke“, bekam man alles: von Haushaltwaren bis zu kostbarem Porzellan oder Gläser, Bilder und Designer-Arbeiten. Das Kaufhaus „Trost“ war für uns Kinder der Anziehungspunkt, haben wir uns doch besonders in der Weihnachtszeit unsere Nasen an dem Spielzeugfenster platt gedrückt.

Etwas Besonderes war auch der Besuch im „Café Hesse“ neben „Klein-Happe“ und der Reformierten Kirche. Das Ambiente entsprach einem Wiener Kaffeehaus mit einem besonderen Flair. Im „Gloria-Theater“ saßen wir meistens in der „Rasier-Loge“ für 50 Pfennig. Nebenan in der „Stadtschänke“ tranken die Kumpel ihr „Pilsken“ und hielten ein „Pröhlken“. Lang, lang ist es her.

Nur die „Engel-Apotheke“ und die Fischhalle „Nordsee“, natürlich im neuen Gewand, sind geblieben. Wer kennt noch den alten Schillerplatz mit dem „Eispavillon Schilling“, dem Wochen- und Bauernmarkt und direkt daneben das Feuerwehrgerätehaus? Heute steht dort das seit 1974 eröffnete Rathaus. Doch genau wie das 1967 eröffnete „Karstadt“-Gebäude soll auch bald dieses unter dem Abbruchhammer enden. Der Schillerplatz ist ein Trauerspiel, nur ab und zu schauen ein paar Tauben vorbei um zu sehen, ob sich schon etwas geändert hat.

Ob ich die dritte Version des Schillerplatzes noch erleben werde, weiß ich nicht. Es wird noch einige Zeit dauern, bis man sich im Rathaus einig ist.

So verbringe ich die meiste Zeit in meinem Schneckenhaus. Die Bücher sind gelesen, die Fotoalben durchforstet und Überflüssiges entsorgt. Schau ich in den Spiegel, schreit mein Haarschopf nach dem Friseur, der Lippenstift und das Wangenrouge sehen mich vorwurfsvoll an. Aber – nichts geht mehr!

Fazit – die Mütze auf, den Mundschutz um und durchhalten.

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