Doris Ebbing

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Mit einem zufriedenen Lächeln im Gesicht sitzt Doris Ebbing auf ihrem Sofa. "Im Moment bin ich froh, wenn es vorbei ist, aber mir wird sicher auch etwas fehlen", sagt die langgediente Kommunalpolitikerin.

Seit 1989 war die Christdemokratin ehrenamtlich stellvertretende Bürgermeisterin, in zwei "Notzeiten" sogar amtierende Bürgermeisterin - als erste Frau in Hemer und im Märkischen Kreis trug sie die Amtskette. Mit den Bürgermeistern Klaus Burda, Heinz Öhmann und Michael Esken arbeitete sie Seite an Seite.

Darauf ist sie stolz. Immer gab Doris Ebbing als Repräsentantin der Stadt Hemer eine gute Figur ab, und in den Ortsvereinen erfreut sie sich einer großen Beliebtheit. Als Vertreterin der Stadt sauste sie nimmermüde von Kaninchenzüchtern zu Hausfrauen, von Sängern zu privaten Altersjubiläen. Die 66-Jährige schüttelte unendlich viele Hände, überreichte zig Blumensträuße und Urkunden und freute sich über das Glück anderer Leute. Das ist jetzt vorbei, aber Doris Ebbing nimmt gern Abschied.

Wo sich heute das Nöllenhofcenter befindet, wurde Doris Ebbing geboren. 14 war sie, als die Familie in das Adriansche Haus Im Ohl zog, das heute unter Denkmalschutz steht. 1964 heiratete Theodora Adrian ihren Friedhelm Ebbing; aus der Ehe gingen drei Kinder hervor: Martin, Christof, Jochen. "Früher war es noch so, dass man aufhörte zu arbeiten, wenn man heiratete", erzählt die Mutter. Erst hatte sie eine Ausbildung in einer Schwerter Apotheke absolviert und später bei Dr. Hugo Banniza in der Adler-Apotheke gearbeitet. Die Erziehung der Kinder übernahm also Doris. Mittlerweile waren die Ebbings in ihren Neubau Am Bemberg gezogen, wo Doris Ebbing noch heute zuhause ist. Als kritische Mutter nahm sie die vielen Mängel an der alten Brabeckschule in der Geitbecke wahr, die Sohn Martin besuchte. Doris Ebbing wurde Klassenpflegschaftsvorsitzende; dann war es Hermann-Josef Geismann, der die engagierte Frau in die städtischen Gremien und in die Politik holte. "Ich war zunächst sachkundige Bürgerin im Schulausschuss", erinnert sich die Hemeranerin. Der Schulneubau wurde am Stübecker Weg errichtet: Ihr erstes Ziel wurde mit Hilfe der Stadt umgesetzt.

Der Sprung in die Kommunalpolitik war für Doris Ebbing ein Leichtes, Frauen waren zudem noch Mangelware. Sie war ehrgeizig, verfolgte ihre Ziel konsequent, blieb dabei immer eine faire Gesprächspartnerin; 1976 wurde die Christdemokratin in den Rat gewählt. Sie arbeitete in zahlreichen Gremien und Ausschüssen. Fragt man Doris Ebbing, in welchen Vereinen sie Mitglied ist und wo sie überall aktiv ist, braucht sie ein wenig, um alles zusammenzubekommen. Seit zehn Jahren ist sie Vorsitzende des Kulturausschusses, und im neuen Rat könnten jetzt noch fünf weitere Jahre hinzukommen. Neben der Kultur - "ich wünsche mir für die Zukunft ein Kulturzentrum" - lagen und liegen der 66-Jährigen noch andere Themen am Herzen: "Das Freibad ist mir sehr wichtig gewesen!". 1993 wurde sie zur Vorsitzenden des Fördervereins "Pro Aqua" gewählt. 200 Mitglieder hat sie gewonnen, und die Wiedereröffnung der erneuerten Anlage schreibt sie sich an.

Das Engagement der meistens strahlenden Kommunalpolitikerin mit dem mitreißenden Lachen hat nicht nur die Hemeraner aufmerksam werden lassen. Im August 1999 wurde Doris Ebbing das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen. Die Stadt Hemer, die Parteifreunde und auch ihre Familie erfüllte die Auszeichnung mit Stolz.

Wenn in der heutigen Ratssitzung Renate Saemann und Siegfried Tomczak als neue stellvertretende Bürgermeister gewählt werden, ist Doris Ebbing nicht wehmütig. Sie freut sich auf die weitere politische Arbeit und auf ein bisschen mehr Zeit, die sie mit ihren Enkelkindern Max und Alicia verbringen kann. Das kleine Mädchen wurde erst Anfang der Woche geboren. Haus und Garten nehmen ebenfalls viel Zeit in Anspruch, und vielleicht findet Doris Ebbing bald etwas mehr Ruhe für die Beschäftigung mit Büchern. "Quer Beet" antwortet die Hemeranerin auf die Frage, welche Literatur sie bevorzugt. "Jetzt werde ich mich mal mit Frau Jellinek beschäftigen", schmunzelt sie.

(15. Oktober 2004)

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