Frank Elbe

Foto: IKZ

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Im gediegenen Nadelstreifenanzug mit schicker roter Krawatte und weiß-blau-gestreiftem Hemd und Diplomatenkoffer besucht der ehemalige deutsche Spitzendiplomat seine alte Wirkungsstätte im Wichelhovenhaus.

Auch nach seinem Abgang von der Bühne des Botschafters ist Frank Elbe immer noch ein Mann von Format und einer gewinnenden Ausstrahlung.

Der heute 64-jährige Iserlohner bewegt sich nach wie vor souverän auf dem internationalen Parkett. Der Jurist war langjähriger Botschafter in Polen, Indien, Japan und zuletzt in der Schweiz und verfügt immer noch über erstklassige Verbindungen. Der Kosmopolit gerät ins Schmunzeln, als er die Freiheitsstatue in unserem Fotostudio entdeckt. Ihm liegen die transatlantischen Beziehungen sehr am Herzen, wie er auch später beim Dreikönigstreffen der Iserlohner Liberalen im "Hotel VierJahreszeiten" betont.

Deutschland ist der wichtigste Handelspartner der USA, erklärt Frank Elbe. Vor diesem Hintergrund fordert er einen behutsamen, verantwortungsvollen Umgang von beiden Seiten. Er begreift Globalisierung als Chance, die viele Herausforderungen mit sich bringe, denen sich Deutschland und die deutsche Wirtschaft stellen können. Er erzählt stolz von seiner Freundin "Condy"; keine Geringere als Condoleezza Rice, der amerikanischen Außenministerin. Er traf sie zuletzt vor drei Wochen zusammen mit dem jetztigen US-Handelsbauftragten Bob Zoellick in Washington. Frank Elbe kennt beide noch aus seiner Tätigkeit als Leiter des Leitungsstabes und des Ministerbüros an der Seite Hans-Dietrich Genschers im Prozess der deutschen Wiedervereinigung. In welcher Mission er jetzt in Washington war, darüber schweigt der zur Diskretion verpflichtete Jurist und bittet dafür um Verständnis.

Der frühere außenpolitische Spitzenberater und jetzige US-Handelsbeauftragte der Regierung von Präsident George W. Bush, Bob Zoellick, bezeichnete Elbe in einem Interview als einen "Schlüsseldiplomaten im Prozess der deutschen Wiedervereinigung". Der deutsche Diplomat habe noch heute viele Freunde in den Vereinigten Staaten. Die Amerikaner schätzen seine Fähigkeiten als "weitsichtiger Stratege und meisterhafter Taktiker".

Elbe selbst charakterisiert sich so: "Ich habe eine hohe Kommunikationsfähigkeit, ein gutes Verhandlungsgeschick, weil ich ergebnisorientiert bin. Ich habe in der Diplomatie gelernt, dass man den anderen das Gesicht lassen muss." Er setzt hinzu: "Ich kann unglaublich gut hart arbeiten." Außerdem sei er immer ein Optimist, dass es eine Lösung gebe. Die Förderung deutscher Außenwirtschaftsinteressen haben Elbe viele Meriten eingebracht. Als deutscher Botschafter veranstaltete er in Indien und Polen regelmäßige Wirtschaftsgespräche für Geschäftsleute, Politiker und Diplomaten und Journalisten bei guten Weinen und bei frisch gezapftem Iserlohner Pilsener. Nicht von ungefähr ist er auch nach dem Ausscheiden aus dem Staatsdienst für VW in Indien tätig. Der frühere deutsche Botschafter in Indien soll als Berater das wegen einer Korruptionsaffäre auf Eis gelegte Projekt einer Autofabrik auf dem Subkontinent vorantreiben.

"Als blutjunger Spund habe ich für den Iserlohner Kreisanzeiger gearbeitet", verrät er im Gespräch mit IKZ-Verleger Klaus-Harald Wichelhoven, der auch Chef der Fermo-Körner-Compagnie des IBSV ist, der Frank Elbe als Mitglied angehört. "Besonders gerne habe ich über die evangelische Akademie berichtet", erinnert sich Elbe. "Dort standen immer tolle Themen auf dem Programm." Mit Dr. Richard Kiessler, dem Chefredakteur der Neue Ruhr-/Neue Rhein-Zeitung, den er noch aus seiner Zeit als diplomatischer Korrespondent kennt, schrieb er ein Buch, das sogar ins Englische und ins Japanische übersetzt wurde: "Ein runder Tisch mit scharfen Ecken - Der diplomatische Weg zur deutschen Einheit".

Noch logiert der 64-jährige Jurist in Potsdam, aber er werde bald nach Bonn umziehen, wo er eine Wohnung direkt am Rhein erwerben wolle. Dort wohnte bisher der frühere Postminister Christian Schwarz-Schilling. Elbes Ehefrau Ellen ist eine Rheinländerin. Sie kriege er leider nicht nach Iserlohn, sagt der Iserlohner, der noch viele herzliche Kontakte in seine Vaterstadt unterhält. Er verspricht wieder öfter zu kommen; schon wegen des IBSV-Schützenfestes. Er ritt im Jubiläumsjahr begeistert mit der Artillerie im Festzug mit. Frank Elbe bringt seine Hochachtung vor Ehrenoberst Horst Fischer zum Ausdruck: Er habe aus dem IBSV ein Instrument der Völkerverständigung gemacht.

Elbe erinnert sich an den Auftritt des Militärorchesters der Westlichen Streitkräfte der Sowjetunion und den bewegenden Besuch auf dem Duloh, wo sich Deutsche und Russen in den Armen gelegen hätten. Bei diesen Gesten hätte er fast Rotz und Wasser heulen können. Das sei einer der stärksten Eindrücke, den er mit IBSV-Anhängern erlebt habe. "Das erklärt meine Hinwendung zum IBSV."

Frank Elbe erinnert sich gerne an seine Kindheit in der Altstadt. Und daran, dass er ein lausiger Schüler gewesen sei. "Aber mein damaliger Rektor hat mir sehr geholfen", fühlt er sich noch heute Karl Althöfer zu Dank verpflichtet. Nach der Realschule in Iserlohn machte er sein Abitur in Hemer, bevor er ab 1962 zum Studieren der Rechtswissenschaften und politischen Wissenschaften nach Insbruck und Bonn zog. Sein Geburtshaus in direkter Nachbarschaft zum damaligen Haus der Heimat stehe nicht mehr. Die Bauernkirche war damals Garnisonskirche der Engländer. Was das Engagement Horst Fischers für die Bauernkirche anbetrifft, zeigt sich Frank Elbe beeindruckt, "dass im IBSV viel verantwortungsvoller Bürgersinn zum Tragen kommt".

Frank Elbe ist im vergangenen Sommer nach seiner heftigen Kritik an der Amtsführung und Nachrufpraxis von dem damaligen Bundesaußenminister Joschka Fischer abberufen und in den Ruhestand versetzt worden. Er blickt nicht zurück im Zorn: Jetzt könne er das fortsetzen, was er vorher im Staatsdienst gemacht habe. Er habe interessante Mandate und könne frühere Kontakte pflegen. Zusammen mit Dr. Kiessler werde er ein weiteres Buch schreiben über außergewöhnliche Ereignisse wie die historische Nacht in Prag am 30. September 1989 an der Seite von Hans-Dietrich Genscher, als bekannt gegeben wurde, dass DDR-Flüchtlinge in den Westen reisen dürfen. Dazu soll es auch ein Spielfilmprojekt geben.

Unbestritten sind seine vielen nationalen und internationalen Verdienste, für die er mehrfach ausgezeichnet wurde, so auch mit dem Großen Verdienstkreuz der BRD.

(9. Januar 2006)

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