Porträt

Hans de Beer und Serena Romanelli

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Iserlohn. Vom abgebrochenen Geschichtsstudium zum erfolgreichen Autor und Illustrator - Hans de Beer, Tierfreund und geistiger Vater von Figuren wie : Lars der kleinen Eisbär, Dodo der Affe mit der Geige, Valentino Frosch und Olli der Elefanten.

Aber selbst tagelang in Archiven zu sitzen, um etwas herauszufinden, das war dann doch nicht meine Welt”, sagt der 51-Jährige. Statt dessen entschied de Beer sich für den Gang zur Rietveld Art Academy in Amsterdam und schenkte der Welt wenig später den „kleinen Eisbären Lars” und noch einige Jahre später gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Serena Romanelli den Orang Utan „Dodo”, dem eine aktuelle Ausstellung in der Städtischen Galerie gewidmet ist.

De Beers Bücher sind Bestseller, der Eisbär Lars ein Phänomen, Dodo, der Geige spielende Affe, sein legitimer Nachfolger. Ein Publikumserfolg, der seinesgleichen sucht, der aber niemals geplant war. Niemals sei es sein Ziel und seine Idee gewesen, zu zeichnen, um damit seinen Lebensunterhalt zu verdienen - und erst Recht schon einmal nicht Kinderbücher, sagt de Beer. Folgerichtig beschäftigte sich der in Muiden geborene Künstler an der Amsterdamer Akademie zunächst für drei Jahre eher mit dem Genre der Illustration für Erwachsene. „Studienkollegen und Lehrer haben zu dieser Zeit für Kinder gemalt, das habe ich dann auch einmal versucht.” Das Ergebnis des „Versuchs”: Eisbär Lars, de Beers Abschlussarbeit von 1984 nach einer fünfjährigen Ausbildung.

Als de Beer mit diesem ersten Meisterwerk in Händen zu einem holländischen Verlag ging, da passierte es. „Es”, so erinnert sich der Künstler im Rückblick amüsiert, steht allerdings zunächst einmal für „nichts”. „Ein vierfarbiges Bilderbuch, das war damals zu aufwändig für den kleinen holländischen Markt.” Und auch in Italien, dem zweiten Wohn- und Lebenssitz de Beers und seiner Partnerin Romanelli, tat sich erst einmal nichts auf der Verlagsseite. „Vielleicht war Lars auf den ersten Eindruck, wie sagt man, zu sophisticated.

Während des Gespräches mit Hans de Beer und Serena Romanelli, größtenteils auf deutsch, gelegentlich auf englisch, schwingt immer wieder ein ganz feiner Humor mit, wenn das Künstlerpaar über das eigene Leben und Wirken spricht. „Wir sind jetzt seit 30 Jahren zusammen, das ist nicht so schlecht, oder”, sagt Serena, während sie einmal mehr von der deutschen Dogge Raissa freundlich per Schnauzenstoß zum Streicheln aufgefordert wird. Romanelli ist die Frau hinter Dodo, also diejenige, die den Orang Utan und seine anrührende Geschichte erfand und ihren Partner damit derart begeisterte, dass Hans de Beer eine weitere Meisterleistung vollbrachte.

Mehr davon später, denn vor Dodo war Lars. Der vielfach prämierte Eisbär hatte seinen Durchbruch 1987 bei der Kinderbuchmesse in Bologna. „Sie haben Lars in den Messekatalog aufgenommen.” Und damit wurde das Interesse des Nord-Süd-Verlages aus der Schweiz geweckt, der de Beer unter Vertrag nahm und dem Eisbären, übersetzt in sieben Sprachen, den Weg auf die europäische Bühne ebnete. Ein Erfolg über Nacht wurde Lars indes nicht. „Das war eher ein Diesel-Buch”, lacht Hans de Beer, „nach zwei, drei Jahren wurde es immer größer. Das war nicht geplant, das ist einfach geschehen.”

Serena Romanelli und Hans de Beer sind Pendler zwischen zwei Welten. Die Italienerin und der Holländer leben quartalsweise in der Toskana und den Niederlanden. Auch Serena absolvierte die Amsterdamer Akademie, auch sie arbeitete als Illustratorin und veröffentlichte Bilderbücher. Mit dem zunehmenden Erfolg des Eisbären aber wurde der Schatten länger, den ihr Lebensgefährte warf. „Es gestaltete sich für Serena schwieriger, als eigenständige Künstlerin wahrgenommen zu werden”, erzählt de Beer.

Vielleicht aber war dies sogar eine glückliche Fügung für das Schaffen des Künstlerpaares. Denn Serena Romanellis große Stärke, so sagt sie, liegt eben nicht im Zeichnen selbst, sondern vielmehr in der Entwicklung von Geschichten. „Sie hatte schon immer mehr Spaß an der Story als an den Bildern”, bestätigt ihr Lebenspartner. „Dodo” etwa ist Romanellis Kind. Wenn die 1951 in Florenz geborene Italienerin über den kleinen Geigenfreund spricht, leuchten ihre ständig fröhlichen Augen noch ein wenig strahlender. Für sie sei es eine „unglaubliche Befriedigung” und eine atemberaubende Überraschung”, wie begeistert die Kinderwelt ihr kreatives Kind begrüßt und aufgenommen habe. Selbst von dem Instrument fasziniert weiß Serena allein schon aus dem eigenen Bekanntenkreis, dass Dodo viele Kinder dazu inspiriert hat, Geige zu lernen. „Ich liebe es, wenn die Attraktion, die dieses Instrument birgt, auf Kinder übergeht.” Und damit eröffne sich den Kleinen eine neue Welt mit mehr Chancen, „das ist eine der großen Intentionen im Hintergrund des Buches”.

„Sie ist meine erste Kritikerin”, beschreibt Hans de Beer derweil einen anderen Part, den Serena im gemeinsamen Kunstkraftwerk übernimmt. Doch auch wenn ab und an kleinere Auseinandersetzungen über den Fortgang einer Geschichte bei zwei starken Charakteren unausweichlich sind, sagt Serena, dass die Arbeit mit Hans „so easy”, so leicht und so fließend sei. Der wiederum sieht sich beim Gemeinschaftswerk Dodo fast in der Rolle des Regisseurs. „Die Bilder transportieren die Spannung und das Tempo der Geschichten.” Um die eigenen, extrem hohen Ansprüche an die künstlerische Ausgestaltung der extrem detaillierten Bilder zu erfüllen, braucht de Beer Zeit. Viel Zeit. Für die Realisierung eines Buches geht gut und gerne ein halbes Jahr ins Niederland oder Italien. „Beim Eisbären ist es leichter, da ist viel weiß dabei”, berichtet er mit einem Lächeln. Die Bilder im Kopf braucht Hans de Beer für eine große Zeichnung etwa zehn Tage, ein Dodo-Buch oder ein Eisbär-Werk sind dann auch „ein Stück Leben”.

Stichwort Leben: Auf nur einen Heimatort will sich das Paar weiterhin nicht festlegen. „Wir müssen nicht wählen. Bei unserer Arbeit ist es egal, wo man lebt”, sagt Serena. Eine Freiheit, die das Paar auch deshalb genießen kann, weil es keine eigenen Kinder hat. „Das gibt uns Freiheit, deshalb können wir das Beste von beiden Seiten erleben.”

Die finanzielle Freiheit, die ebenfalls nötig ist, um trotz aller offenkundigen Bodenständigkeit ein Leben wie das Künstlerpaar führen zu können, ist derweil das Ergebnis harter Arbeit und einer klaren Linie. „Auch als Lars zu einem solchen Erfolg wurde, habe ich mich lange zurückgehalten, bis ich zum Beispiel Filmproduktionen zugestimmt habe. Ich wollte nicht, dass sich meine Idee zu weit von mir entfernt.” Und aus dem selben Grund hat Hans de Beer nach wie vor alle rechte an Lars, Dodo und seinen anderen Schöpfungen in den eigenen Händen. „Ich finde, dass das sehr poetische Figuren sind, eine Vermarktung in großem Stil würde da nicht zu passen.” In diese Aussage mischt sich ein Unterton. Sich mit einem Höchstmaß an kreativer Freiheit dem Leben des Eisbären und des Affen widmen zu können, „das ist das, „was uns Spaß macht”, sagen Serena Romanelli und Hans de Beer. Und vielleicht sei die Entscheidung, Kinderbücher zu schaffen, eine sehr persönliche Entscheidung gewesen, „die eigene Kindheit nicht gehen lassen zu wollen”. Die italienische Geschichtenerzählerin und der verhinderte Geschichtsstudent, so viel steht fest, haben mit ihrer Philosophie und ihren Geschichten inzwischen selbst ein Stück Geschichte geschrieben.

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