Porträt

Hardy Krüger jun.

Hardy Krüger jun.

Hardy Krüger jun.

Foto: Michael May

Wer in der Wildnis weiß, wie er überlebt, hat im Leben nichts zu befürchten. Sagt Hardy Krüger. Und zwar in diesem Fall der Junior.

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Er sagt das auf seinem Blog im Internet. Wahrscheinlich hätte er das aber auch an diesem Mittag in der Redaktion gesagt, wenn man ihn vielleicht nach einem Lebensmotto gefragt hätte. Aber der Gesprächsstart läuft an diesem Tag zunächst etwas holprig. Hardy Krüger hat noch nicht so richtig verstanden, warum man ihn vom Parktheater erst ins Wichelhovenhaus gelockt hat. Zeit hat er zwischen zwei Proben an diesem Tag nämlich nicht wirklich. Und am Abend ist schließlich Premiere. Das Gespräch hätte man doch ebenso gut dort in der Garderobe führen können. Hätte man natürlich, aber dann hätten wir eben nicht das Bild unter dem alten Theaterscheinwerfer auf dem „Ins-Licht-gesetzt“-Küchenstuhl machen können. Man sieht dem jungen Herrn Krüger für einen Augenblick an, dass ihn das zwar für den Moment noch nicht wirklich überzeugt, aber er fügt sich, grummelt und brummelt lieber noch etwas, auch wenn schnell die Contenance obsiegt. Was aber auch den Interviewer für einen Moment verunsichert, denn Hardy Krüger jr. macht – aus der Distanz betrachtet – eigentlich doch immer den Eindruck des liebenswerten, leisen Menschen, der seinesgleichen, also die Menschen liebt. Wie überhaupt die Natur, die Tiere, das Universum. Das gesamte Leben eben. Und er eben mittendrin. Aber wahrscheinlich darf jemand, der die Menschen so liebt, wie sie geschaffen wurden, ja dann selbst auch mal tatsächlich knüttern. Zumindest für einen Moment. Dann ist es ja auch wieder gut. In seinem Blog, den ich mir später noch einmal in Ruhe zu Gemüte führe, findet sich dazu dieses Zitat: „Ich habe gelernt, meine Umgebung zu beobachten, sie mit Respekt zu behandeln. Immer habe ich das Ziel, so zu leben, dass die Menschen um mich herum glücklich sind.“ Na also, passt scho!

Aber noch einmal zurück zur Wildnis. Da weiß Hardy Krüger jr. wahrlich, wovon er spricht. Geboren wurde er an einem – vermutlich oder selbstverständlich – verführerisch milden Mai-Tag im Jahre 1968 in Lugano. Über die Menschen seiner Geburtsstadt am Tor zu Italien sagt er heute übrigens: „Es sind Menschen, die Sonne im Herzen tragen.“ Sein Vater ist eben jener Hardy Krüger, der international gefeierte Leinwand- und Fernsehstar, der den Menschen immer wieder aufzeigt, dass es Grenzen im Denken und Handeln nur in den Köpfen gibt. Seine Mutter ist die italienische Malerin Francesca Marazzi. Über seine Erziehung sagt der Sohn heute, er sei als oder zum Kosmopoliten erzogen worden. Die Bedeutung für ihn: „Man fühlt sich überall zuhause. Keine Religion, Hautfarbe oder Sprache gibt Anlass, sich von anderen Menschen zu distanzieren.“ Noch einmal auf seinen Vater und eine mögliche berufliche Starthilfe oder die Turbo-Karriere-Beschleunigung per Namens-Erbe angesprochen, winkt der Junior ab: „Das ist keine Starthilfe. Der Name wirkt doch eher wie eine Lupe, die das Interesse noch mehr auf dich fokussiert. Man muss und will von sich aus immer einfach viel schneller und besser sein.“

Mit Hardy Krüger jr. über Afrika zu sprechen, bietet bereits Stoff für ganze Zeitungsseiten, für ein eigenes Treffen. Dieses Land ist für ihn offensichtlich der Gegenentwurf zu all dem, wie wir hier leben, wie wir mit der Natur, den Ressourcen umgehen, wie wir mit unserem Leben und den Mitgeschöpfen umgehen. Auf die Frage, ob er noch von Afrika träume, sagt er nach einem kurzen Zögern: „Ja, manchmal!“ Und so wie er es sagt, heißt das: „Ja, Mann, ganz oft.“

Aber es sind offensichtlich nicht nur die Schönheit und Wildheit, die ihn seit seiner so erlebnisreichen und für Außenstehende kaum vorstellbar freien Kindheit auf der Hatari-Lodge in Tansania so in den Bann gezogen haben, es ist vielleicht auch die Hoffnung, in einem möglichen Gegenentwurf zu Naturvernichtung und Ignoranz einen Lösungsansatz und somit auch Hoffnung für viele selbst gemachte Menschheitsprobleme zu sehen und zu finden. Hardy Krüger selbst schreibt dazu in seine Gedanken: „Ich bin so fasziniert von der Natur und ihrer Schönheit, ihrer Klarheit. Ich frage mich, warum wir unser Leben so kompliziert machen, wenn doch die Bedürfnisse im Grunde genommen alle die selben sind. Warum fällt es so vielen Menschen so schwer zu teilen und dankbar zu sein, dieses Leben geschenkt bekommen zu haben. Und anstatt glücklich und zufrieden zu sein, mit so viel Groll, Wut und Einsamkeit durch das Leben laufen und die Schönheit der Einfachheit nicht zu mehr erkennen. Ich weiß, wie sich das anfühlt. Ich war auch einer von ihnen. Aber das Schlimmste an der ganzen Sache ist, dass der Mensch hier alles zerstört und aus dem Gleichgewicht bringt. Durch seine Unwissenheit, Armut und durch die Gier von Menschen, die aus Habgier töten und Orten wie diesen ihre Seele rauben.“ Aber wie gesagt, das ist eine eigene Geschichte.

Die des jungen Hardy Krüger aber geht in groben Zügen erst einmal so weiter: Er verlässt als Jugendlicher Afrika wieder. Wohl nicht wirklich freiwillig, unter dem kommunistischen Regime wird seien Familie mehr oder weniger enteignet. Krüger sagt: Die Karawane Krüger war wieder unterwegs!“ Er geht auf eine internationale Schule in Deutschland. Ob sich sein Hatari-Glück in der weiteren Jugend außerhalb Afrikas wirklich fortsetzen ließ? Man kann die Antwort nur ahnen, wenn er sagt: „Meine spätere Jugend war voll von Verblendungen und falschen Assoziationen von Glück, Zugehörigkeit und Liebe. In dieser Zeit startete für mich die Suche nach einer eigenen Wahrheit vom Leben, Identität und Stil. Eine spannende Reise.“ Noch weiter nachzufragen, dürfte an dieser Stelle eher sinnlos sein. Hardy Krüger macht solche Dinge vermutlich (oder mit Sicherheit) ausschließlich im Dialog mit sich und seiner Seele aus. Nicht laut, aber mit vielen Gefühlen und Bildern.

Die vielfältigen Künstlergene der Eltern rumoren vermutlich aber auch in dieser Zeit schon heftig in dem Jungen, wollen losgelassen werden. Aber zunächst einmal treibt es den jungen Mann, der sich heute übrigens als körperbewusster Genießer outet, in die Gastronomie, er macht eine Lehre als Koch und als Bartender, geht nach Los Angeles und somit auch Hollywood, robbt sich so langsam aber sicher – nicht zuletzt als Kaffeeholer für allerlei Kintopp-Szene-Größen – an das Filmgeschäft heran, wird – wie so oft – bei großen Karrieren eher bei einem Werbecasting zufällig für eine größere Produktion entdeckt und macht sich so Schritt für Schritt auf einen erfolgreichen Weg in die Köpfe und Herzen des Publikums. Und spätestens, seitdem er den Sven Westermann in dem Surf-Epos „Gegen den Wind“ gegeben hat und damit nicht nur Einschaltquoten-Rekorde für ARD sondern auch Damen- und Mädels-Herzen mit und ohne Affinitäten zu Surfbrettern in Serie bricht, ist Krüger in deutschen Wohnzimmern und beim Publikum angekommen. Dass sich das später nach vielen, vielen anderen Produktionen im Film- und Fernsehstudio und auf der Theaterbühne fortsetzt und zwischenzeitlich mit dem so ungemein patenten Förster aus Falkenau einen weiteren medialen Höhepunkt fand, ist ja auch nur einen weiterer Mosaik-Stein im Leben des Hardy Krüger.

Natürlich wird er durch die Rollen, seinen Erfolg, seine „Vorgeschichte“, sein Leben und natürlich sein jungenhaftes Charmebolzen-Aussehen mit diesen Augen, die einem bei Bedarf oder auch ungewollt die endlose Savanne samt Geräuschen und Gerüchen ins Hirn projizieren, auch schnell zum Liebling des Boulevards. Krüger liefert – natürlich gern oder mitfühlend gelesene – Schlagzeilen über Scheidungen, Adoptionen, angedichtete oder tatsächliche Affairen und Affairchen. Er bringt es locker auf zwei Ehen mit vier Kindern. Nicht nur die eingefleischten Fans trauern vor Jahren mit ihm um den plötzlichen und tragischen Verlust des gerade erst geborenen Sohnes durch den plötzlichen Kindstod. Eine schwierige Stelle im Gespräch. Glauben Sie an Zufälle im Leben? „Nein, es gibt keine Zufälle. Alles im Leben geschieht aus einem bestimmten Grund. Auch wenn man die Dinge heute so noch nicht begreift.“

Zurück in die normale Interview-Spur. Ist Hardy Krüger jr. ein typischer Stier? „Weiß ich nicht. Wahrscheinlich aber schon. Ich bin ehrgeizig, emotional und leidenschaftlich.“ Und er sagt auch, dass Stiere für gewöhnlich einen guten Geschmack hätten, einfach schöne Dinge lieben würden. Allerdings berichtet er in diesem Zusammenhang auch von einer familiären Vorprägung, denn auf alten Fotos könne man sehen, dass die Eltern immer großen Wert darauf gelegt hätten, dass er gut gekleidet gewesen sei. Und die Leidenschaft und Sturheit des Stieres spiele ihm dabei auch in die Karten: „Ich verliebe mich im Bruchteil von Sekunden in Dinge, die ich dann unbedingt haben will.“ Was für ihn übrigens eben auch ein wichtiger Antrieb gewesen wäre, sich auf seinem Blog ebenfalls mit dem Thema „Mode“ zu befassen.

Reden wir also noch über den Hardy Krüger jr. im Hier und Jetzt. Als dieses Gespräch in der Redaktion geführt wird, ist Krüger auf jeden Fall schon mal verliebt. Seine Herzensdame ist Alice Rössler, die sich zunächst nur „dienstlich“ um seine Öffentlichkeitsarbeit gekümmert und dann offenbar auch in anderen Themenfeldern deutlich an Nähe gewonnen hatte. Und während diese Zeilen tatsächlich zu Computer gebracht werden, melden die Agenturen, dass Krüger ihr auch in aller Stille das Ja-Wort gegeben hatte. Darauf hätte man auch kommen können, denn als er im Gespräch mit der Heimatzeitung aufzählt, was er in diesem Jahr noch alles geplant hat, da schaut er nach Aufzählungen wie Tournee, Buchpräsentation, Fotoausstellung spitzbübisch zu ihr rüber fragt mit dem Krüger-Lächeln: „Habe ich da noch etwas vergessen?“

Auch seine neue Lebenspartnerin ist stolze dreifache Mutter. Eine wahrlich schnell wachsende Patchwork-Familie also. Aber Hardy Krüger schwärmt mit leuchtenden Augen, Kinder seien nun mal eine unendliche Freude, gäben Kraft, Inspiration und positive Energie. Wieder ein neuer Lebensabschnitt also für den Rastlosen, auf den er sich offensichtlich freut.

Und was gibt es noch für Pläne? Zeitungen berichten immer wieder mal über Gelüste, das Land zu verlassen. „Wir müssen auch nicht zwingend in Deutschland bleiben“, sagt er und denkt dabei vielleicht auch an seine Mutter im Tessin. Aber konkret hört sich das (noch) nicht an. Eher nach einem Satz von anderer Stelle: „Ich lasse mich gern treiben.“ Er wolle jetzt einfach nur noch Dinge tun, die ihm gut täten. „Verstehen Sie, ich bin schon eigentlich ein Getriebener, aber ich lasse mich nicht mehr verbiegen.“

Auch wenn er sich also nicht mehr verbiegen will, kommen wohl doch wieder spannende Tage auf ihn zu. Schließlich erscheint in diesen Tagen sein Buch „Der leise Ruf des Schmetterlings“. Liest man seine Erklär-Zeile dazu, wundert man sich natürlich nicht: „Eine tiefgründige Geschichte über die Liebe, das Glück, die Vergänglichkeit und den Sinn des Lebens.“ Auch das scheint natürlich wieder ein direkter oder vielleicht am Ende doch eher indirekter Blick in die Seele des Autors zu sein. Auf jeden Fall aber eine weitere spannende Ausdrucksform.

Nun hat er also doch gesprochen. Über das Leben und über sich. Ich denke über einen gescheiten Artikelschluss nach. Es könnte die Antwort auf die Frage sein, worüber sich Hardy Krüger jr. aufregt, womit man ihn in Rage bringt: „Mit maßloser Dummheit. Wenn man Dinge tut, ohne nachzudenken.“ Aber noch schöner finde ich eigentlich einen Satz, der ebenfalls in seinem Blog zu finden ist: „Kompliziert ist es vor allem, die Bedürfnisse aller Menschen, die diesen Planeten bewohnen, unter einen gemeinsamen Nenner zu bringen. So entsteht unser Ungleichgewicht. Sind die einen respektvoll und zurückhaltend, bescheiden und zufrieden, sind die anderen wiederum unersättlich, machtgierig – rücksichtslos. Trotzdem ist jeder Moment und jeder Mensch fragil, zerbrechlich.“

Bevor jetzt jemand fragt: Natürlich haben wir auch über die Stalking-Schlagzeilen und den damit verbundenen Gerichts- und Publicity-Rummel gesprochen, sind aber damals gemeinsam zu dem Ergebnis gekommen, dass es auf dieser Welt mit Sicherheit deutlich Wichtigeres gibt.

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