Porträt

Marla Glen

Foto: IKZ

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Diese Ausnahme-Künstlerin ist darauf konditioniert, sich vielseitig in Szene zu setzen. Auf der Bühne und vor großem Publikum besticht die amerikanische Jazz- und Bluessängerin durch eine enorm starke Präsenz, ihre erotische Bluesstimme und ihre Show.

Als wir ins Fotostudio des Wichelhoven-Hauses gehen, holt „die Inkarnation des Blues und Soul” ihre Mundharmonika heraus und spielt sich warm für die Foto-Session, die sie sichtlich genießt. Zwischendurch lacht sie unbeschwert. Und nimmt verschiedene Posen ein. Im braunen Sommeranzug mit Hemd und Krawatte spielt sie mit provokanten Macho-Gesten. Dabei imitiert sie Udo Lindenberg, bewegt ihren schwarzen Hut und die Sonnenbrille cool wie er und ahmt seine Lippenbewegungen nach. Sie freute sich deshalb auch unheimlich, ein Tourneeplakat von „Panik-Udo” im Flur unseres Verlagshauses zu sehen.

Im Interview spricht sie sehr offen über die Ausbeutung durch „miese Musikmanager” und outet sich als sehr verletzbarer Mensch. Dabei redet sie sich richtig in Rage. So schlimm, dass sie sogar vom Ende ihrer Karriere spricht, dass sie ganz aufhören will, wenn sie ihre aktuellen Musik-Projekte fertiggestellt hat. Ihr sei übel mitgespielt worden, erzählt sie und wippt nervös die Beine hin und her. Sie versucht keineswegs, ihren Frust und ihre Verzweifelung zu kaschieren: „Ich kann keine Gerechtigkeit finden. Ich möchte mit der Musik aufhören. Mein Management hat mein Leben zerstört. Ich habe Millionen verloren.”

Es ist schwer nachvollziehbar, dass Marla Glen von den Tantiemen ihrer Erfolgsplatten keinen Cent gesehen hat. Allein ihr Album „Love & Respect” hat dreimal Gold und einmal Platin gewonnen. Sie fühlt sich verraten und verkauft von skrupellosen Managern, sagt sie und steht auf, lässt sich eine Zigarette von ihrer Lebenspartnerin Sabrina geben und geht damit rauchend auf den Balkon des Wichelhoven-Hauses.

Über ihre Kindheit in Chicago und ihre musikalische Familie will sie nicht viele Worte verlieren. „Gott hat mir ein Geschenk gegeben”, sagt sie zu ihrer besonderen musikalischen Gabe, die sie als „Geschenk des Himmels” bezeichnet. Marla Glen bekennt sich zum Glauben an Gott. Sie bringt sich und ihre Persönlichkeit in ihre Lieder mit ein: Sie haben alle eine Botschaft, eine Message, wie die 48-jährige Sängerin betont. Sie will in Kürze ein Gospel-Projekt in Angriff nehmen: „Original Marla Glen” mit starken Musikern ihrer Band.

Nach der Highschool jobbte sie in Kalifornien für die Musiker-Legenden Bo Diddley und Nina Simone. 33-jährig reiste sie nach Europa: Ihre eigentliche musikalische Karriere begann in Frankreich. Seit zehn Jahren lebt sie in Deutschland, davon die meiste Zeit in ihrer neuen Wahlheimat Heilbronn. „Ich bin nach Deutschland gekommen, um Gerechtigkeit zu finden. Es hat einige Jahre gedauert, um herauszufinden, wie die Gesetzeslage ist.” Ihr Kampf geht immer weiter. Als Ausländerin habe sie Schwierigkeiten in diesem Land, sagt die Amerikanerin.

Ihre Lebensgefährtin Sabrina hilft ihr, die bürokratischen Hürden zu überwinden. Sie haben sich in einem Schuhgeschäft kennen gelernt, wo Sabrina als Verkäuferin arbeitete. Für Marla war es „Liebe auf den ersten Blick”. Sie kokettiert mit ihrer Homosexualität. Heute ist Sabrina eine ihrer fünf Chorsängerinnen, die ihr auf der Bühne tanzend und singend zur Seite stehen.

„Wir waren das erste bekannte Paar, das eine Lebenspartnerschaft eingegangen ist”, erzählt die Lesben-Galionsfigur von der standesamtlichen Trauung in der Nähe von Heidelberg: „Nach einem Konzert haben Sabrina und ich am 2. Juli 2004 geheiratet. Wir hatten keine Zeit für einen Honeymoon. Wir haben immer nur gearbeitet und hoffen jetzt auf bessere Zeiten mit der neuen Kampagne und mit der wunderbaren Band.”

Mit dieser Band stehen ihr noch sieben weitere Konzerte bevor, erzählt sie am Rande ihres „Wortklang”-Festival-Auftritts in Iserlohn , wo sie wunderschöne Balladen und mitreißende Blues-, Jazz- und Popsongs vortrug. Marla Glen spricht aber auch von der Hoffnung in ihr neues Album, an dem sie gerade arbeitet. Es soll in Kürze herauskommen. Darauf gibt sie auch die Anwort, ob sie Mann oder Frau ist, in dem selbstkomponierten Lied „Daddy”: „Ich spiele mit meinem Geschlecht.” Außerdem hat sie ein Gospel-Album in Planung.

Wirtschaftlich scheint sie nicht unbedingt auf Rosen gebettet zu sein. Sie erzählt ungeschminkt: „Ich habe zwei Anzüge. Es ist ein harter Kampf um Brot, Butter und ein Dach über den Kopf für mich und meine Familie”, verweist sie auf ihre Lebenspartnerin Sabrina und ihren Sohn Kariem. Für den achtjährigen Sohn ist sie eine Mischung aus Vater und Freund.

Im Musikgeschäft sei sie keineswegs wie ein Star behandelt worden. Sie versuche, sich durchzukämpfen, um zu ihrem Recht zu kommen. Das sei angesichts der fehlenden Informationen, der fehlenden Kenntnisse in der deutschen Sprache und mangelnder Buchführungskenntnisse schwierig. Ihre bisherigen Manager hätten ein ziemliches Chaos hinterlassen. „Wir hatten nicht viel Zeit miteinander, mussten immer nur arbeiten. Mein Traum wäre ein Griechenland-Urlaub mit meiner Familie”, erzählt Marla Glen weiter.

Beruflich sehe sie jetzt positiveren Zeiten entgegen. Sie ist froh, dass sie jetzt mit Hans Steinigen, dem Produzenten der „Toten Hosen”, zusammenarbeitet, und mit der „Bottom Row Promotion” kooperiert. „Meine Fans warten auf mich, sie lieben mich. Ich mache mein Ding für die Fans.” Aber Promotion für sich selbst, die hasst sie, wie das Musikbusiness auch. „Auf der Bühne, da kann ich meinen Job machen. Und nach der Show freue ich mich aufs Fernsehen. Denn es raubt Kraft, ich hatte nie die Chance, Spaß an meinem Job zu haben.”

Viele Musiker seien dem Business zum Opfer gefallen, weiß auch ihre Lebensgefährtin. Und versucht immer wieder aufs neue, die an Rückschlägen und Enttäuschungen gereifte Künstlerin aufzubauen und aufzumuntern. Hoffentlich mit langfristigem Erfolg. Denn die berührenden Balladen und mitreißenden Songs der Tiefton-Akrobatin von Liebe, Respekt, Frieden und Gerechtigkeit in der Welt kann man immer wieder hören. Und live am besten.

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