Porträt

Robert Hock

Foto: Josef Wronski/IKZ

Die Roosters haben den Vertrag mit ihrem langjährigen Kapitän Robert Hock nicht mehr verlängert. Der DEL-Topscorer will aber noch eine Saison spielen.

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Nein, dieses Saisonfinale passt überhaupt nicht zum Verlauf seiner Karriere! Und so etwas hatte er auch nicht verdient. Mit Pfiffen und Spottgesängen wurden die Roosters nach dem letzten Heimspiel am 8. März in die Kabine und damit in die Sommerpause verabschiedet. Auch Robert Hock. Der Kapitän. Der „Eishockeygott“ - wie er von den Fans immer gerne bezeichnet wurde und wird. 1:5 gegen Wolfsburg! Der finale Paukenschlag einer rasanten Talfahrt in die Niederungen der DEL. Das Aus aller Play-off-Hoffnungen. Enttäuschung pur. Und was zu jenem Zeitpunkt wohl nur ganz wenige ahnten: Es sollte das letzte Heimspiel für die „91“ gewesen sein! Nach sieben Jahren im Roosters-Dress mit 377 Spielen, 396 Scorerpunkten und 107 Toren. Dieser Mann war keinesfalls Mitläufer, sondern Leistungsträger, Spielgestalter und Techniker, vier Jahre als Kapitän. Eine Leitfigur. Und nun: Robert Hock - die Leidfigur?

Denn nur sechs Tage nach jener Schmach folgte der nächste Tiefschlag, einer, der mehr schmerzte als jede Niederlage, als jede Unmutsbekundung, schlimmer als das vorzeitige Saisonaus. Gerade einmal gefühlte 15 Sekunden dauerte es, so Hock, in denen seine Karriereplanung eine nicht nur für ihn unerwartete Wende nahm. Denn da wurde ihm von der sportlichen Leitung mitgeteilt, dass man nicht mehr mit dem 40-Jährigen plane. „Danach herrschte eine gewisse Zeit Stille. Ein sehr unangenehmer Moment“, gibt Hock Einblick in seine Gefühlswelt. „Das war für mich sehr emotional.“ Diskutiert wurde nicht. Und das will einiges heißen. Denn der Stürmer ist nicht nur ein exzellenter Techniker auf dem Eis. Er kann sich ebenso gut verkaufen und auch Tacheles reden, in vier Sprachen sogar: Deutsch, Englisch, Tschechisch und Russisch. Aber an jenem Donnerstag verursachte jene schmerzhafte, unerwartete Entscheidung Sprachlosigkeit. Erst später, als die Emotionen etwas aus dem Spiel waren, wurde darüber gesprochen, mit Trainer Doug Mason, mit Manager Karsten Mende, mit Vereinschef Wolfgang Brück.

Und dabei ging es, so versichert Hock, sehr sachlich zu, gleichwohl es eine eindeutige, glasklare Begründung für den Schritt nicht gab. „Es waren keine finanziellen Aspekte. Es hängt wohl mit dem Alter zusammen“, mutmaßt der 40-Jährige, der sich schon nach der letzten Saison „im Prinzip in der Warteschleife“ befunden hat. Denn aus wirtschaftlichen Gründen hatte sich die Weiterverpflichtung lange hinausgezögert.

Hock macht die Art und Weise seiner Demission betroffen. Verständlich. In der Tat haben die Roosters-Verantwortlichen hier keine Ruhmestat vollbracht. Das war schwach, ganz schwach. So geht man nicht mit einem verdienten Spieler um, mag es auch durchaus nachvollziehbare Gründe für eine Trennung geben. Es wäre für den Stürmer überhaupt kein Problem gewesen, ihn schon frühzeitig einzuweihen. „Dann hätte ich es besser planen können. Ich hätte mich gerne von den Fans vor dem letzten Spiel verabschiedet.“ Aber Hock bemüht sich um Sachlichkeit. „Der Verein steht im Vordergrund, damit muss ich leben. Sie wollen die Mannschaft besser machen.“

Aber wird eine Mannschaft besser, wenn sie ihren drittbesten Scorer und zweitbesten deutschen Spieler ziehen lässt? Schließlich ist Hocks Karriere durchaus beeindruckend. Das zeigen allein seine sieben Jahre in Iserlohn: Fünfmal war er in dieser Zeit Roosters-Topscorer, einmal Zweiter, zuletzt Dritter. 2007/2008 führte er sogar die Scorerwertung der Liga mit 24 Toren und 63 (!) Beihilfen an, ein Jahr später war er Liga- Zweiter. Es blieb bei Top-Ten-Platzierungen, in der Serie 2011/2012 belegte er immerhin noch Rang elf, nicht schlecht für einen damals schon 39-Jährigen! Und heuer war es, mit veränderter Rolle, Platz 36. Zu wenig, um ihn noch zu binden?

Es wäre also der Zeitpunkt einer Abrechnung gekommen. „Nein, da gibt es nichts abzurechnen.“ Denn unter dem Strich blickt Hock auf sieben sehr schöne Jahre zurück. „Iserlohn ist eine absolute Eishockeystadt“, schwärmt er. „Es ist hier sehr familiär, so, wie es sein soll.“ Deshalb wollten auch andere Spieler nur ungern wieder weg. Die Waldstadt ist für ihn so etwas wie Heimat geworden, gleichwohl er sich primär in Garmisch heimisch fühlt. Dort ist der gebürtige Sternberger (Tschechien) groß geworden, dort leben seine Mutter und andere Familienmitglieder. „Aber es war für mich absolutes Glück, dass mich Karsten Mende damals aus Hannover geholt hat.“

Als Highlight bewertet der dreifache Vater das Play-off-Viertelfinale in der Saison 2007/2008: „Ein überragendes Jahr.“ Aber es gab auch immer wieder Rückschläge. Und dann ließ das kritische Iserlohner Publikum auch seinem Unmut deutlich freien Lauf. „Und Pfiffe wirken länger nach als Applaus. Doch damit muss man leben.“ Ebenso mit dem unrühmlichen Ende einer Saison, für das Hock noch immer keine Erklärung gefunden hat. „Die wird es wohl auch in zehn Jahren nicht geben.“ Es habe keinen Bruch im Mannschaftsgefüge gegeben. „Es war auch kein Stinkstiefel im Team. Dann hätte der Verein sofort reagiert.“ Und eine ebenfalls geäußerte Meinung ärgert Hock ebenso maßlos: „Es spielt niemand schlecht, um früher Urlaub zu machen!“

Für ihn steht dieser nun aber an. Inzwischen hält sich Robert Hock längst wieder in seiner Wahlheimat Florida auf, nördlich von West Palm Beach, dort besitzt er schon seit elf Jahren ein Haus und widmet sich auch dem Golfen und dem Hochseeangeln. Gelegentlich stürmt er in einer B-Liga-Stammtisch-Eishockey-Mannschaft. Und häufig trifft er sich mit Ladislav Karabin, den er zu seinen besten Freunden zählt.

Und zu diesem Kreis gehört natürlich auch sein Iserlohner Stürmerkollege Michael Wolf. Wolf und Hock, das war ein Traumpaar der Iserlohner, wie Hand und Handschuh. Ein Albtraumduo der DEL-Kontrahenten. „Mit Michael kann ich über alles sprechen. Von ihm bekommt man auch immer ehrliche Aussagen, er hat eine herausragende Charakterstärke.“ Und deshalb wird er natürlich auch die Vorgänge bei den Roosters weiter verfolgen. „Ich muss Wolfi doch kritisieren, wenn es nicht läuft“, grinst Hock.

Und wie geht es mit ihm weiter? „Ein Abschiedsspiel wird es auf jeden Fall geben“, verspricht der Angreifer ein Comeback am Seilersee und nimmt das Roosters-Angebot an, das er allerdings erst für August 2014 anvisiert. Als Mitspieler hätte er gerne neben Ladislav Karabin auch Sven Felski, Brad Tapper, Jimmy Roy, Sascha und Marcel Goc, Mark Ardelan und natürlich Michael Wolf dabei.

Könnte er sich auch ein Comeback beim IEC vorstellen, sollten die Roosters vielleicht ihre Entscheidung revidieren? Lasse Kopitz ist so etwas auch schon widerfahren. „Das wäre wohl nicht richtig. Wenn einem im März gesagt wird, man wäre nicht mehr gut genug, dann kann man im August nicht wieder da sein.“

Aber an das Aufhören denkt Hock nicht: „Ich will noch ein Jahr lang spielen. Und ich bin auch nicht abgeneigt, eine Liga tiefer oder im Ausland zu spielen.“ Anfragen gibt es schon. Und die DEL? „Das wird schon schwieriger“, ist er Realist.

Und so könnte es bei seiner eindrucksvollen Bilanz bleiben, die allerdings durch nur 28 Länderspieleinsätze ein wenig getrübt ist. „Das hat mich schon geärgert. Vor allem, dass ich die Olympischen Spiele in Salt Lake City verpasst habe, tat richtig weh“, bedauert er. Aber dafür weist Robert Hock andere Topwerte auf: Mit 249 Treffern ist er knapp vor Düsseldorfs Daniel Kreutzer (239) bester DEL-Torschütze aller Zeiten, mit 535 Beihilfen liegt er ebenfalls an der Spitze. Und mit seinen 784 Scorerpunkten führt er deutlich die ewige DEL-Bestenliste an. Ebenfalls unter den Top 10 der Liga befindet er sich bei den Einsätzen. Nach seinem allerletzten Roosters-Match am 10. März in Augsburg beträgt die Zahl seiner DEL-Spiele 888!

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