Sepp Gußmann

Foto: IKZ

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Iserlohn ist ihm ans Herz gewachsen. Und die Iserlohner, sie haben ihn in ihr Herz geschlossen. Seit 1967 gehörte Sepp Gußmann zum Schützenfest, wie das Königsschießen und die Festumzüge.

In diesem Jahr hallten seine "Heidi"-Rufe zum letzten Mal durch das Bayernzelt.

Den Taktstock aber legt 77-jährige Vollblutmusiker noch längst nicht zur Seite: "Ich spiele bis ich umfalle", sagt Gußmann im schnellen Interview zwischen seinen Verpflichtungen beim Schützenfest. Und während wir ins Gespräch kommen, erledigt er noch schnell Büroarbeit und plant die nächsten Auftritte. Bei diesem Mann dreht sich alles ums Musikmachen, und das seit über einem halben Jahrhundert.

Nach dem Besuch der Musikschule in Mainz, wo er Trompete und Kontrabass lernt, gründet Horst Josef Willi Gußmann am 3. April 1950 seine erste Kapelle, das "Darmstädter Tanzorchester Horst Gußmann". Mit ein paar Auftritten und allerlei Gelegenheitsarbeiten verdient der junge Sepp den Lebensunterhalt für seine Familie. Zu dieser Zeit schnuppert er auch erstmals Zirkusluft und reist als Musiker mit - eine lebenslange Liebe zum Zirkus entsteht. Gußmann und seine Musiker spielen in allen großen Zirkuszelten, bei "Krone", "Sarrasani", "Busch-Roland", "Hagenbeck", "Roncalli" und vielen anderen.

Aber vor allem große Volksfeste und Galas - auch im benachbarten Ausland - sind sein Metier. Ob beim Dürkheimer Wurstmarkt, dem Münchner Oktoberfest, dem Oktoberfest im belgischen Wieze oder eben beim Schützenfest in Iserlohn, im Maritim-Hotel oder im Frankfurter Palmengarten: Bei all diesen Festen waren und sind Sepp Gußmann und seine Mannen mit ihrer Mixtur aus Schlagern, Gags und Volksmusik Garanten für beste Stimmung. Natürlich hat Gußmann immer auch einen witzigen Spruch auf Lager, das wird einfach von der Darmstädter Frohnatur erwartet. Und ebenso klar ist es, dass er seine Fans vor der Bühne überall mit seinem unnachahmlichen "So, liebe Freunde!" anspricht. "Wir haben hier in Iserlohn drei Besucher-Generationen unterhalten. Die Kinder von damals kommen jetzt mit ihrem eigenen Nachwuchs zu uns ins Zelt", sagt der Komponist des Schunkelschlagers "Rucki Zucki" nicht ohne Stolz. Im typischen Bayern-Outfit steht das Orchester übrigens schon seit 1954 auf der Bühne. Bei einem Urlaub in der Heimat seiner vom Königsee stammenden Mutter entdeckte er das "Outfit" für seine Kapelle.

Ein Leben für die Musik - so hat der "Freudebringer aus Darmstadt" sein kleines Erinnerungsbuch genannt, in dem er auf seine Karriere als musikalischer Stimmungsmacher zurückblickt. Auf dem Titel ein Foto vom Iserlohner Schützenfest und innendrin viele Bilder seiner Karriere, angefangen in der Alzeyer "Roswitha Bar" bis zum Gastspiel in Amman, Jordanien. Erinnerungen an Heinz Schenk, Catarina Valente, seinem Schulkameraden Günter Strack, an Sabine Christiansen, Alfred Biolek oder Ministerpräsident Kurt Beck. Sie alle haben schon zu Gußmanns Musik geschunkelt, genauso wie es die Iserlohner in den vergangenen 38 Jahren getan haben. Der Abschied vom Schützenfest auf der Alexanderhöhe fiel dem sympatischen Orchesterleiter nicht leicht. Und als ihn der IBSV-Spielmannszug mit einer Freundschaftsplakette auszeichnete, flossen sogar ein paar Tränen der Rührung.

(6. Juli 2005)

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