Porträt

Thore Schölermann

Foto: IKZ

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Vielleicht müsste oder sollte man ja mal einen attraktiven Fernsehpreis für „Unkompliziertheit“ einführen. Da würde dieser Thore Schölermann mit den Scheinwerfer-Augen und dem „Wünsch-Dir-was“-Körper aber mit Sicherheit vom Start weg zu den Nominierten gehören. Und – wenn es denn ausnahmsweise mal gerecht zugehen sollte – garantiert auch zu den hoch gelobten Preisträgern. Vielleicht könnte man auch noch die Spezial-Kategorie für „gelassen-heitere Ernsthaftigkeit“ hinzufügen. Da würde er dann ganz bestimmt was geschmackvoll Goldenes überreicht bekommen.

Manieren hat er – in dieser Zeit und in seinem Professions-Umfeld eher überraschend – übrigens auch noch. Gerade noch hat er der Kollegin auf dem Flur aus für sie ziemlich heiterem Himmel ganz artig und vollendet die Hand gereicht: „Hallo, ich grüße Sie, ich bin der Thore.“ Die hat erst einmal nichts gesagt, hatte wohl für den Moment nur leichte Schnappatmung und sich danach errötend wieder in Sicherheit gebracht.

Also sitzen wir jetzt beim Spontan-Treff im Wichelhovenhaus und versuchen, etwas Licht hinter den Thore aus Iserlohn zu bringen. Er erzählt also von seinen Eltern, die ihn überraschenderweise von Anfang an auf seiner beruflichen Reise unterstützt hätten. Sein Vater, der Apotheker oder auch „Pillen-Dealer“ (liebevoller Sohn-O-Ton), seine Mutter, die Lehrerin. Man merkt dem Sohn schnell an, das da jede Menge Respekt für die Eltern im Spiel ist. Und Dankbarkeit. Wahrscheinlich sogar Liebe. Aber das mit Sicherheit dann auch auf Gegenseitigkeit beruht. „Für meine Eltern hätte ich eigentlich auch studiert. Und/oder hätte dann was mit Forstwirtschaft gemacht.“ Die Eltern hatten aber wohl von Anfang an das nicht unberechtigte Gefühl in der Magengegend gehabt, dass es ihren Thore dann doch eher auf die Bühne, vor Publikum oder eben auch vor die Fernsehkameras ziehen würde.

Thore Schölermann – der Naturbursche. Das erklärt sich vielleicht aus dem Lebensraum seiner Kindheit. „Ich komme ja vom Hegenscheid bzw. vom Nüssenberg. Um mich herum waren immer nur die Natur und die Tiere. Das war meine Welt, mein Leben.“ Wenn es zum Holzhauen in den Wald ging, war er immer ganz vorne mit dabei. Was übrigens im Rahmen der heutigen, beruflichen Zeitfenster auch immer noch so geblieben ist. Thore Schölermann schwärmt vom Scheit-Hacken als Freizeitspaß, Entspannungsmöglichkeit und einzig wahrer Muckibuden-Alternative mit einer Begeisterung, dass man schon Schwierigkeiten hat, immer wieder gedanklich zwischen der neonfarbenen Plastik-Berufswelt des Fernsehens und der gelebten grünen Realität des Freiluft-Freaks hin- und herzuspringen. „Mal ganz abgesehen davon, dass die Muskeln, die man sich auf diese Weise antrainiert, auch viel länger halten als die aus der Muckibude.“ Und wo wir schon beim Thema sind: das Laufen auf dem Laufband sei obendrein auch noch „total beknackt, weil man da ja gar nichts von der Landschaft um einen herum sieht.“

Zurück also zunächst einmal zum Schüler Thore, der nach der Grundschule sein Abitur am MGI gemacht hat. Sein Engagement als Schülersprecher verwundert natürlich schon lange nicht mehr. Aber er erinnert sich auch an den Zeugnis-Eintrag einer Lehrerin: „Thore hat eine äußerst auffällige Art, mit der er den Unterricht bereichert. Allerdings nicht immer nur positiv.“ Was die Dame des Lehrkörpers leicht verblümt sagen wollte, war, dass die offensichtliche Extravertiertheit des jungen Mannes durchaus schon früh bemerkenswerte und auffallende Züge hatte. „Ja und? Ich habe eben damals bereits die Leute gern unterhalten.“ Er habe auch niemals ein Problem damit gehabt, „sich für andere zum Affen zu machen“. Zugegeben, würde man diesen Satz heute nur lediglich in Zusammenhang setzen mit den diversen Proll-Produktionen der medialen Neuzeit, dann bekäme das natürlich einen schrägen, eher abwertende Unterton. Nicht so bei Thore Schölermann. Er wird das an diesem September-Mittag so oder in leicht modifizierter Form auch noch ein paar Mal sagen. Er wird sagen, dass sein Tun getragen ist von der Freude, vor Menschen etwas mit Menschen zu machen, mit ihnen und für sie zu lachen. Und er wird sagen: „Wenn ich mich freue, dann freue ich mich eben wirklich. Und wenn ich sauer bin, dann bin ich auch sauer. Und wenn etwas Mist war, dann muss man das auch akzeptieren.“

Zurück also erst noch einmal zum Lebenslauf: Nach der Schule kommt die Bundeswehr: Panzerbataillon in Hemer. Thore Schölermann wird schnell zum Lieblings-Fahrer des Zugführers erkoren. „Ich habe mich im Panzer um den Funk gekümmert. Und auf dem Wege auch gleich ums Musikprogramm. Das ist insgesamt wohl ganz gut angekommen.“

Mit der doch eher überraschend-rührenden Unterstützung der Eltern („Probier es doch ruhig einmal. Du hattest doch auf der Bühne schon Erfolg und Dir macht es doch Spaß“) und ersten kleineren Auftritten im Rücken geht der junge Mann tatsächlich hoch motiviert zur Schauspielschule. Die er allerdings nicht beendet. Nicht, dass er den Spaß am Spiel verloren hätte, sondern weil Agentur-Scouts urplötzlich auf seinen Typ und somit auf ihn aufmerksam werden, ihn sofort in Richtung Soap-Legende „Verbotene Liebe“ durchreichen. „Das war plötzlich auch eine ganze andere Erkenntnis, die mein Leben bestimmte“ sagt er heute. „Von Zuhause aus war ich es gewohnt, dass man eine Ware anbietet und dafür dann Geld bekommt. Plötzlich war ich das selbst, was angeboten wurde - und dafür auch noch Geld bekam. Das war schon ziemlich krass.“ Gibt es denn noch Erinnerungen an die erste Szene und an den ersten Satz des umtriebigen Christian? „Klaro! Ich glaube, Du hast da was verloren.“ Wahrlich große, kleine Worte zum Einstieg in ein Engagement, das immerhin sechs Jahre dauern sollte. Und – nicht nur den Serien- und Christian-Fans ist es aktuell wieder ganz warm u.a. ums Herz geworden – im Moment ist Thore auch wieder auf der Bildfläche erschienen. Was übrigens gar nicht mehr so ganz einfach war und ist, weil sich bei den unterschiedlichen Moderatoren-Aktivitäten des Iserlohners nur sehr schwer Fenster für Serien-Dreharbeiten finden lassen. Aber, Thore turnt den Spagat mit links und kommentiert auf seine Art: „Das Drehen macht schon Spaß – allerdings vermisse ich am Ende jeder Szene ein bisschen den Applaus des Studiopublikums.“

Keine Frage, auch das Leben des Thore Schölermann ist offenbar geprägt von einer ganz speziellen Yin-Yang-Rhythmik. Er lebt von Herzen gern volle Pulle drauf los, liebt die Überraschung. Allerdings ist das noch schöner, wenn man dieses Leben auch ordentlich planen kann. Dass er jemals würde Fanpost bekommen, findet er auf der einen Seite „ziemlich absurd“, auf der andere Seite aber auch „wunderschön“. „Bei allem Spaß, den das Ganze macht, nehme ich den Beruf und die Situation eben aber doch auch überaus ernst“, sagt er. Er ist schließlich Realist und kontert wohlmeinende Hinweise von hoch motivierten Branchen-Strebern nach der hohen Kunst: „Schönen Gruß von der Künstlersozialkasse. Dann macht eben weiter große Kunst und wundere Dich nicht, wenn Du die Miete nicht bezahlen kannst.“ Und eben weil Thore Schölermann so denkt, kommt er vermutlich auch mit dem Begriff „Sonnyboy“ nicht so richtig zurecht. „Nee, ein Sonnyboy bin ich nicht wirklich. Dazu habe ich zu viele Ecken, Kanten, Narben, vielleicht auch Brandwunden. Vielleicht liegt das ja auch daran, dass meine Wurzeln hier im Sauerland liegen. Da geht es schon etwas kerniger zu.“ Vor allem wolle er auch niemals zu der Fraktion gehören, von der man sagt: „Sieht gut aus, weiß aber nicht, was Arbeit ist.“ Womit wir dann auch sofort wieder bei der Holzhütte im einem Wald im Großraum Iserlohn sind, bei dem alten Trecker, der da am Wochenende wartet, angelassen zu werden und beim Holz, das gespalten werden will. Und Schölermann weiß auch, dass er das in nicht allzu ferner Zukunft einmal ganz gemütlich-romantisch ausbauen will. Familie, Hund, Rasenmäher, Garage – das ganze bürgerliche Programm eben. Die Freundin, die bei diesen Plänen ja unter Umständen auch eine Rolle spielen könnte, streifen wir übrigens beim Gespräch nur kurz. Darum sollen sich andere Fachmagazine kümmern. Nur einmal schwenkt Schölermann kurz zur Herzensdame, die ebenfalls der Schauspielerei nachgeht. „Sie ist schon mehr die Künstlerin. Sie würde für eine gute Rolle auch bei den Rahmenbedingungen um der Kunst willen deutlich zurückstecken.“

Ein paar Tage nach diesem Gespräch im September wird Thore Schölermann dreißig Jahre alt. Ein besonderes Datum? „Bis vor ein paar Tagen habe ich eigentlich immer gedacht, dass mir das total egal wäre. Ist es mir aber irgendwie dann doch nicht.“ Vielleicht könnte eine ordentliche Feier die ersten, leicht aufkeimenden Alters-Crisis-Zweifel ja bekämpfen. „Okay, es soll schon etwas rundgehen. Mit ein paar Bierchen – und Currywurst vom Wildschwein.“ Was ja auch wieder nicht weiter verwunderlich ist, weil auch hier der überzeugte Waldläufer sich offenbar selbst kulinarisch Bahn bricht. Aber ist denn das Altern nicht ohnehin ein Thema für Schölermann? „Ich finde Altern eigentlich grundsätzlich ziemlich sexy. Vor allem bei Frauen. Obwohl die ja in unserer Branche im Gegensatz zu den Männern gar nicht altern dürfen. Also, in meinem Fall hoffe ich auf jeden Fall, dass das ebenso gut klappt.“

Bei „Sonnyboy“ kommt also ein „Nein“. Und bei Glückspilz? „Auf jeden Fall ein ‚Ja!’ Ein großes sogar.“ Und er ergänzt: „Ich bin ja nix Besonderes, aber das was ich bin, bereitet mir eben riesig viel Spaß.“ Da sind ja auch die Charakter-Freunde Yin und Yang wieder. Schölermann, der Realist und zugleich der Fantast. Er sagt: „Ich will nicht die Welt verändern. Ich möchte die Menschen einfach nur unterhalten. Und mich freut’s, wenn einige Menschen über das, was ich tue, lachen können.“

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben