Toni

Alter ist doch keine Frage des Gehörs

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Foto: IKZ

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Hola amigos, todo bien? Alles gut bei Euch? Das ist ja die Hauptsache in diesen schweren Zeiten.

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Wie soll ich heute nach so langer Zeit mal anfangen? Wisst ihr überhaupt noch, wer ich bin? Correcto! Ich bin nach wie vor Euer Don Antonio de Hasta Luego. Oder einfach Don Toni. Oder von mir aus auch gern nur der Toni. Zugegeben, ich habe mich lange nicht bei Euch gemeldet. Aber wenn ich ehrlich bin, hat sich auch nicht wirklich viel ereignet. Das hat auch nicht wirklich was mit Schreibfaulheit zu tun. Ihr wisst doch, ab einem gewissen Alter bammelt und bummelt das Leben manchmal so um einen herum. Und ich steuere ja nun offensichtlich bereits auch stark auf die 15+ zu. In dem Alter steht manch einer von uns schon in einem Zuckerstreuer auf dem Kaminsims.

Natürlich könnte ich Euch mal eben eine kleine Zustandsbeschreibung geben. Sozusagen auf den aktuellen Toni-Check-Stand bringen. Die Augen? Bei Bedarf noch scharf! Nase? Ein, wenn nicht sogar ‘der’ Knaller am ganzen Don. Gehör? Weg! Abgeschaltet! Fracaso total! Totalausfall! Knochen und Gelenke? Zugegeben: Hinten wackelt es manchmal bedenklich und vorne eiert es hin und wieder etwas rum. Aber sonst: siehe Augen. Innenleben? Dr. Negro ist ja nach wie vor schwer begeistert von mir und meinen Eingeweiden. Und dabei wahrscheinlich auch von sich. Soll er. Sieht man mal von meiner vejiga, also meiner Blase, ab. Natürlich gelte ich in unserer Hütte von Anfang an als selbstständiger Mitbewohner, aber muss sich meine Blase auch noch selbstständig machen und tun und ablassen, wann und was sie will?

Und schließlich der Appetit? Muy bien. Neuerdings gibt es auch ab und an Tartar für den „kleinen Schatz, eiiiieee“, also mich. Natürlich leicht angebraten in Olivenöl. An dieser Stelle würde mein Kumpel Mattin R. schon wieder aufjaulen: „Klar, weil in jedem Hunde- oder Wolfsrudel immer einer Küchendienst hat, der den anderen das Karnickel brät.“ Aber das soll er mal unsere Sorge sein lassen.

Mattin würde wahrscheinlich auch vor Freude zusammenbrechen, wenn er hört, dass ich jetzt una cama ortopédica, also ein orthopädisches Bett habe. Mir tun zwar morgens allen Knochen weh, wenn ich eine Nacht darauf geschlafen habe, aber Frauchen sagt, das wäre top-gesund für mich. Und ober-bequem.

Ansonsten herrscht wirklich schon Festtags-Ruhe im Dorf. Es gibt auch gar nicht viele Neues. So viel ich weiß, ist in der Nachbarschaft jetzt eine lebenslustige Kollegin aus Mallorca eingezogen. Von der Tötungsstation nach Dröschede. Auch eine Karriere. Wenn ich das richtig verstanden habe, führen die Leute jetzt ein ganz ruhiges Leben. Esperanza (nenne sie jetzt einfach mal so) lässt keinen rein in die Hütte. Und keinen raus. Und keinen ran. Ist ja auch una vida regulada, also ein geregeltes Leben.

So, und jetzt könnt Ihr mich noch fragen, was ich mir wünsche für die Zukunft, von der ja keiner weiß, wie lange sie dauert. Ich wünsche mir auf jeden Fall, dass die Nachbarin von wenn-man-davor-steht-rechts nicht immer „Na! Oppa!?“ zu mir sagt. Das sage ich auch nicht. Das kann sie mit ihrem Rüden in der eigenen Hütte machen. Aber nicht auf dem Fußweg, wenn das andere hören können. Schon schlimm genug, dass Mattin immer Herrchen fragt: Wo habt Ihr denn heute Euren Methusalem?

Als dann, amigos, ich wünsche Euch von Herzen und hoffentlich nicht zum letztem Mal:

Feliz navidad y un prospero ano.

Und es gilt nach wie vor „Knochen

statt Knaller“.

Hasta luego

Euer Toni (Christi)

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