Toni

Schlecht hören kann ich immer noch sehr gut!

Foto: IKZ-BILD,

Hola amigos, kennt Ihr mich noch? Ich bin es doch, Euer hoch geschätzter Don! Genauer gesagt, Euer Don Antonio de Hasta Luego.

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Der einzig wahre Knaller-Rüde von der Playa de Dröschede. Zugegeben, wir haben ja schon lange nichts mehr voneinander gehört und viele von Euch haben bestimmt schon gedacht, ich würde mir die rábanos, also die Radieschen, bestimmt schon einige Zeit von unten ansehen. Aber dem ist bei weitem nicht so. Es geht mir nämlich eigentlich blendend. Okay, man ist in hohem Alter nicht mehr so ein Spring-ins-Feld und hinten rechts schleift schon mal die Kralle übers Parkett, aber ich habe manchmal auch das Gefühl, dass das Herrchen nicht selten ganz entgegen kommt. Frauchen sagt, der hätte ja selbst schon immer el rebote de un ladrillo, also die Sprungkraft von einem Ziegelstein. Also freut er sich vermutlich, dass er nicht mehr so Gas geben muss, wenn wir mal gemeinsam am Rio Baar unterwegs sind, um das Bein zu heben.

Also, um es kurz zu machen, es hat sich in den letzten Monaten im Grunde genommen nicht viel getan. Hin und wieder besuche ich nach wie vor meine angeheiratete Cousine Ella. Herrchen bricht dann immer schon Tage vorher der Schweiß aus, weil er weiß, dass da ja immer das rund um die Uhr All-you-can-eat-Buffet aufgebaut ist. Angeblich kann man dann nach einer Woche auf meinem culata, also Hintern, laut Herrchen Skat spielen und es hätte in der Mitte auch noch eine Kerze Platz. Aber auch an diese Sprüche habe ich mich inzwischen gewöhnt. Ich esse einfach nicht mehr als reinpasst. Wobei man sich in meiner Heimat-Hütte doch mal ein Bespiel an der Vielfalt des täglichen Angebots machen könnte. Bei uns bekomme ich hin und wieder ein paar von diesen furztrockenen, geschredderten Enten-Pinnoreks. Und in Bad Landhausen kann es auch schon mal der frisch zubereitete Hühnerbollen sein. Üppig umlegt natürlich mit feinen Leckerchen der Saison. Gern auch überbacken.

Aber Herrchen hat in letzter Zeit auch schon mal aufgehört, seinen Kommentar dazu abzugeben. Zumindest habe ich das Gefühl. Überhaupt habe ich das Gefühl, dass in unserer Hütte kaum noch gesprochen wird. Und die Klingel ist auch im cubo, also Eimer. Wenn ich Herrchen und seine Handbewegungen allerdings richtig verstehe, ist er der festen Überzeugung, ich wäre inzwischen sordo como un puesto, also für mal alle Nicht-Spaniels: was er meint ist offensichtlich „stocktaub“. Was natürlich Quatsch ist, denn ich höre nach wie vor wie eine Eins. Oder sagen wir mal, wie eine Zwei. Auf jeden Fall höre ich Fleischwurst und mittelalten Gouda. Und viel mehr braucht ein Don nun wirklich nicht, wenn er guten Mutes durchs Leben schreiten will. Mein Freund Martin, Ihr wisst schon der Flüster-Martin, sagt ja außerdem immer, es gibt so etwas wie „selektives Hören“. Also mal hört man was, mal nicht. Gerade wie es passt. Also wie es mir passt. Der Mann ist ja nicht umsonst so eine Art Professor.

Vale! Viel schlimmer finde ich, dass ich übrigens schon wieder die erste garrapata, also Zecke, habe. Vorne. Und unten. Also muss Herrchen wieder zu Dr. Negro und einen von diesen braunen Knaller-Drops holen. Amigos, ich sage Euch, das Zeug ist der Hammer. Früher hat mir Herrchen immer so eine Plörre in die Haare laufen lassen. Was dann dazu führen sollte, dass die garrapata angeekelt den Sittich machen. Unterm Strich glaube ich aber, dass das Zeug mich ganz schön einsam gemacht hat. Die Frauen im Dorf haben mich – im Gegensatz zu den Zecken – nicht mehr angeguckt. Aber jetzt…. Obwohl mir das jetzt auch ziemlich egal ist. Herrchen sagt, ich solle mir da aber keine Gedanken machen. Er kenne auch im richtigen Leben nur wenige 98-jährige Draufgänger und Lebemänner. Im Alter würde man eben ruhiger. Er muss es ja wissen. Amigos, ich verspreche Euch. Jetzt lasse ich nicht wieder so eine große Lücke. Und Herrchen hat bestimmt auch morgen schon wieder vergessen, dass ich Euch heute geschrieben habe. Trotz aceite de pescado, also Fischöl. Aber das ist eine andere Geschichte.

Hasta luego!

Euer Toni

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