Lyrik und Essay

Abschied von einem echten Homme de Lettres: Peter Hamm

Peter Hamm (1937-2019)

Peter Hamm (1937-2019)

Foto: Jürgen Bauer / ullstein bild

Kein Kritiker, aber ein idealer Lobredner: Mit Peter Hamm starb am vergangenen Montag ein Lyriker und Literaturvermittler von Rang.

Man weiß nie, auf welchem Feld man Peter Hamm höher schätzen soll: Als Literaturvermittler, der den zu Unrecht Vergessenen seines weiten Feldes lauter „Lobreden und Liebeserklärungen“ widmete und auf diese Weise „Gegengeschichte“ schreiben wollte – oder als Lyriker, dem es in seinen Versen genau wie in seinen Liebeserklärungen an die Arbeit von Kolleginnen und Kollegen stets gelang, einen individuellen, ichbewussten Ton anzuschlagen.

Der 1937 geborene Peter Hamm, der mit drei Jahren seine Mutter verlor und dessen kriegsdienstleistender Vater ihn zu den Großeltern gab, beendete mit 14 die Schule und die anschließende Buchhändlerlehre ohne Abschluss. Mit 19 durfte er bei der Gruppe 47 vorlesen. Den Stellenwechseln im Literaturbetrieb setzte dann 1964 eine Anstellung als Kulturredakteur beim Bayerischen Rundfunk ein Ende. Dort verantwortete Peter Hamm auch Fernsehfilme, etwa über Alfred Brendel, Hanns Eisler, Heinrich Böll oder Ingeborg Bachmann.

Surrealistische Vorbilder von Dali bis Queneau

Hamms frühe Gedichte waren voller Anspielungen und Assonanzen, auch an den von ihm verehrten, ja aufgesogenen Surrealismus von Dali bis Queneau. Hamms Verse wurden, nachdem er die selbstverordnete Gedichtpause im Zuge der ‘68er-Rebellion Anfang der 80er-Jahre beendet hatte, immer musikalischer, die Tonart aber wechselte nicht selten zu Klage, Trauer, Melancholie. Als kundiger Hereinnehmer wurde er zum Herausgeber von großartigen Gedicht-Anthologien wie „Kennst du das Land, wo die Zitronen blühn“.

Und wenn er einen seiner leichtfüßig daherkommenden Essays mit den Worten „Ich bin kein Literaturkritiker“ überschrieb, war das nur die halbe Wahrheit. Denn sehr wohl wusste er zwischen guter und schlechter Literatur zu unterscheiden, als Schriftsteller allzumal. Aber er hielt sich nicht mit dem Fällen von Richtersprüchen auf, sondern widmete sich ausführlichen,verführerischen Urteilsbegründungen.

So hat am Montag im Alter von 82 Jahren einer der echten Hommes de Lettres unseres Landes die Feder für immer beiseitegelegt. Die Literaturwelt wird ihn vermissen.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben