Literatur

Anne Webers „Annette“: Buchpreis für zwei Außenseiterinnen

Die Autorin Anne Weber freut sich im Kaisersaal des Römers nach dem Gewinn des Deutschen Buchpreises 2020.

Die Autorin Anne Weber freut sich im Kaisersaal des Römers nach dem Gewinn des Deutschen Buchpreises 2020.

Foto: Arne Dedert / dpa

Frankfurt/M.  Der Deutsche Buchpreis für ihr „Heldinnenepos“ über „Annette“ Beaumanoir katapultiert die Autorin und Übersetzerin Anne Weber von 0 auf 100.

Als Anne Weber vor zehn Tagen auf in der Zinkfabrik Altenberg , konnte man vom gebuchten Eisenlager in die kleine Schmiede umziehen, denn dort fand das gerade einmal elfköpfige Publikum immer noch genügend Corona-Platz. Fände die Lesung heute statt, wäre mindestens ein Umzug in umgekehrter Richtung fällig, denn seit gestern Abend ist Anne Weber nicht nur um 25.000 Euro reicher, sondern auch in die erste Liga des deutschen Literaturbetriebs aufgestiegen.

Und weil Jurys von Literaturpreisen nun einmal das Besondere lieben, wurde es ein „Heldinnenepos“ in Versen über eine französische Resistance-Kämpferin, die im algerischen Befreiungskrieg gegen die französische Kolonialmacht ein weiteres Betätigungsfeld fand. Und eben nicht der weithin favorisierte „Herzfaden“-Roman über die Augsburger Puppenkiste von Thomas Hettche, bei dem sich die Juroren nicht zu Unrecht gesagt haben werden: Der findet auch ohne Preis sein Publikum.

Kranichsteiner Literaturpreis

Das ließ sich über die experimentierfreudige, sprachlich mitunter sprunghaft und dann wieder äußerst subtile Erzählweise von Anne Weber bisher nicht so ohne weiteres sagen. In Fachkreisen genießt die Autorin, die 1983 zum Studium der französischen Literatur an die Sorbonne nach Paris ging und dort hängenblieb, längst eine gewisse Achtung, nicht von ungefähr erhielt sie vor zehn Jahren bereits den Kranichsteiner Literaturpreis, der vom Deutschen Literaturfonds vergeben wird.

Aufgefallen ist Anne Weber bisher wegen der Zweigleisigkeit als Schriftstellerin und Übersetzerin: Sie übersetzt nicht nur fremde Werke, sondern auch die eigenen, die sie anfangs auf Französisch schrieb und mittlerweile doch auf Deutsch.

„Liebe auf den ersten Blick“

Die heute 96 Jahre alte Titelheldin ihres Buchs Anne Beaumanoir, die eine Trennung von Mann und Kindern in Kauf nahm, um im Algerienkrieg der Befreiungsarmee FNL zu helfen, traf Anne Weber bei einer Podiumsdiskussion in Südfrankreich. Als sie ihre Geschichte erfuhr, sei es „Liebe auf den ersten Blick gewesen“ – Anne Beaumanoir sei nicht nur im Buch, sondern auch im wirklichen Leben eine Heldin.

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