Zusammen staunen über „Momo“ und die „rote Zora“, von der Oma bis zum Enkel. Was die Theater im Ruhrgebiet bis Weihnachten für Familien zeigen...

Vergnügen besiegt Grusel

Die Weihnachtsinszenierung im Theater Oberhausen handelt von einer dramatischen Silvesternacht. Und das Ensemble scheint von einem magischen Punsch gekostet zu haben: So funkelnd von tierischer Spielfreude gelingt unter Ingrid Gündischs RegieMichael Endes „Der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch“. Ein Kater und ein Rabe retten die Welt vor dem teuflischen Gebräu aus der (wie ein modernes Labor ausstaffierten) Hexenmeisterküche von Beelzebub Irrwitzer. Der fiese Magier hat in seinem „Tantchen Tyti“ eine genial überdrehte Verbündete. Doch kalter Grusel (man spielt schließlich für Publikum ab sechs Jahren) besitzt hier keine Chance gegen das Vergnügen. Ein komischer und hoffnungsvoller Umweltkrimi voller Bühnentricks, an dem jedes Alter Spaß haben kann. Bis März 2024, Karten ab 5,50€.

Ein Ritt durch Bücherwelten

Das nennen wir ritterlichen Mut; im Zeitalter handyjecker Kinder und Gamer ganz auf die Magie des Buches zu setzen – und dazu mit der Bühnenfassung eines Erwachsenen-Romans. „Die Abenteuer von Don Quijote und Sancho Panza“ sind das Weihnachtsstück des „KJT-Dortmund“.

Auf in den Kampf, „Don Quijote“ kommt. In Dortmund ist der „Ritter von der traurigen Gestalt“ der Held des diesjährigen Weihnachtsmärchens.
Auf in den Kampf, „Don Quijote“ kommt. In Dortmund ist der „Ritter von der traurigen Gestalt“ der Held des diesjährigen Weihnachtsmärchens. © Birgit Hupfeld

Wir erinnern uns: Da ist ein Mann so leseverrückt, dass ihm die ganze Welt als Abenteuerroman erscheint und Windmühlen zu bösen Riesen werden. Von ein bisschen Geraufe abgesehen, setzt Andreas Grunerts Regie auf leise Töne, Poesie und eingängige Songs. Ein Pfund: das rotierende Bühnenbild aus hunderten Buchrücken. Ab 6, Karten 11, erm. 6 €. Bis Januar.

Abenteuer und Funke-Ritter

Wer Kinder (ab 5 Jahre), Eltern und Großeltern mit einem Familienstück erreichen will, muss sich etwas einfallen lassen: Auf der großen Bühne des Grillo-Theatersentsteht eine Burgruine, wo jetzt „Die rote Zora und ihre Bande“ aus Kurt Helds Roman Zuflucht gefunden haben. Abenteuer gehören zu ihrem Alltag, aber auch die Probleme von Straßenkindern. Dazu gibt es in Essen live gespielten Balkan-Pop und Slapstick-Einlagen des musizierenden und spielfreudigen Ensembles. Die Regisseurin bringt so viel Tempo und Spaß ins Spiel, ohne ihr Anliegen zu verraten. Selen Karas Inszenierung ist ein sozialkritisches Plädoyer, für obdachlose Kinder Verantwortung zu übernehmen. Bis Januar. Karten ab 11 €.

Das Leben als Abenteuer. Szene aus „Die rote Zora und ihre Bande“, dieses Jahr das Familienstück im Grillo-Theater Essen.
Das Leben als Abenteuer. Szene aus „Die rote Zora und ihre Bande“, dieses Jahr das Familienstück im Grillo-Theater Essen. © Birgit Hupfeld

Eine mit anderen NRW-Städten produzierte Familien-Oper zeigt. Essens Aalto-Theater. Da wird mit „Geisterritter“ ein Bestseller von Cornelia Funke zur üppig ausgestatteten Familienoper für Menschen ab 12. Spannende Geschichte, Musik unserer Zeit: Da kann die erste Begegnung mit Musiktheater ein Erlebnis ohne Schwellenangst werden. Eine raffinierte Videotechniken sorgt für rasante Szenenwechsel zwischen Eisenbahnwaggon und Schulstube, schaurigen Kathedralen und noch schaurigeren Friedhöfen. Karten 12, für Erwachsene 16€.

Bären-Märchen mit Öko-Apell

Benny ist der allerletzte Eisbär in der Arktis. Und jetzt schmilzt auch ihm noch die Scholle unterm Hintern weg. Das Puppentheater am Musiktheater im Revier vermittelt mit seinem einstündigen Weihnachtsmärchen „Bär im Universum“ von Dea Loher eine zeitgemäße Botschaft: Benny ist ein Klimaflüchtling, der seine Heimat verlassen muss, um irgendwo auf der Welt neuen Lebensraum, neue Freunde und die große Liebe zu finden.

Themen wie Klimawandel, Artensterben und Umweltverschmutzung verpackt das Ensemble bärenstark kindgerecht in ein knallbuntes, federleichtes Spiel. Liebenswerte Puppen wie das Huhn Polly, flotte Songs und fantasievoller Wortwitz begeistern Menschen ab fünf Jahren. Bis 26.12. Karten: 15€.

 „Momo
„Momo", ein Mädchen kämpft gegen die fiesen Zeitdiebe. Wer das Stück am Consol-Theater in Gelsenkirchen sehen will, muss sich sputen. DDenn viele Vorstellungen sind bereits ausverkauft. © FUNKE Foto Services | Michael Korte

Zeitlose „Momo“

Fiese Diebe treiben ihr Unwesen. Sie bringen die Menschen allerdings nicht um ihr Hab und Gut, sondern um viel Wichtigeres: wertvolle Lebenszeit. Unter der Regie von Andrea Kramer widmet sich das Bismarcker Consol Theater dem Bestseller „Momo“ von Michael Ende. Mit nur vier Darstellern, viel Tanz, Musik und Videoprojektionen zeigt die poetische, knapp einstündige Produktion, dass es sich lohnt, gegen die „grauen Herren“ zu kämpfen. Denn schon die Kleinsten, so die Botschaft, leiden unter Zeitdruck. Mit viel Fantasie, Humor, üppigen Kostümen und einer Bühne, die an Bottrops Halden-Amphitheater erinnert, erleben Kinder ab sechs Jahren einen kurzweiligen Krimi. Aufführungen bis 19.12, auch im Theater Kohlenpott Herne. Karten: 8 Euro.

Hase auf Reisen

Nach dem Gassenhauer „Die Schöne und das Biest“ setzt das Schauspielhaus Bochum diesmal auf eine weit weniger bekannte Vorlage: „Die wundersame Reise von Edward Tulane“ erzählt die herzerwärmende Geschichte eines Spielzeughasen. Der eitle Edward (wunderbar gegeben von Marius Huth) gerät unfreiwillig auf eine gefahrvolle Reise: Er geht über Bord eines Schiffes, landet auf einem Müllhaufen, findet neue Freunde und verliert sie wieder. Es ist ein emotionales Abenteuer mit durchaus ernsten Tönen, auf das Regisseurin Liesbeth Coltof ihre Zuschauer (ab sechs Jahren) mitnimmt. Das Ensemble stürzt sich mit Freude in viele kleine Rollen. Karten 6-13€.