Film

„Cats“ zeigt im Kino den Aufstieg in den Katzenhimmel

Hungriges Kätzchen: Victoria, gespielt von der britischen Ballerina Francesca Hayward, wurde von ihren Besitzern ausgesetzt.

Hungriges Kätzchen: Victoria, gespielt von der britischen Ballerina Francesca Hayward, wurde von ihren Besitzern ausgesetzt.

Foto: Universal Pictures

Essen.  „Cats“ ist eines der erfolgreichsten Musicals aller Zeiten. Jetzt hat sich der Oscar-Preisträger Tom Hooper an eine Verfilmung fürs Kino gewagt.

Eigentlich war es ursprünglich nur ein Gedichtband über Katzen aus der Feder von T. S. Eliot. Doch dann nahm sich Andrew Lloyd Webber des „felligen“ Stoffs an, machte daraus das Musical „Cats“ und schuf damit eines der erfolgreichsten Bühnenstücke aller Zeiten. Nach der Uraufführung 1981 im Londoner Westend wurde es dort 21 Jahre lang gespielt. Bis heute sollen etwa 80 Millionen Zuschauer weltweit das Stück gesehen haben.

Doch erst jetzt, fast 40 Jahre später, hat sich der Oscar-Preisträger Tom Hooper („The King’s Speech“) an eine Verfilmung gewagt. Mit dem Ergebnis, dass im Netz nach den ersten Trailern ein wahrer Shitstorm aus Spott und Häme über den Regisseur hereinbrach. Vielleicht denn doch ein wenig voreilig.

Ein neues Leben im Katzenhimmel

Die Katzen des Films hausen in den Hinterhöfen Londons. Sie nennen sich „Jellicle Cats“ und werden von der weisen Old Deuteronomy (Judi Dench) angeführt. In dieses Viertel gerät die junge Victoria (Ballettstar Francesca Hayward), die von ihren Besitzern ausgesetzt wurde. Sie lernt die unterschiedlichsten Charaktere kennen und hört von einem jährlichen Wettbewerb. Wer das schönste Lied singt, steigt in den Katzenhimmel auf, um dort ein neues Leben zu beginnen.

Es gibt viele Anwärter, darunter der böse Macavity (Idris Elba), der alte Theaterliebhaber Gus (Ian McKellen) oder der kluge Munkustrap (Robert Fairchild). Und dann taucht auch noch Grizabella (Jennifer Hudson) wieder auf, von allen gemieden und ziemlich heruntergekommen.

„Cats“ hält sich im Kino weitgehend an das Bühnenwerk

Es wird getanzt, was nur geht, und viele bekommen noch ihren Auftritt. Ob das nun der dicke Bustopher Jones (James Corden) ist, Mr. Mistoffelees (Laurie Davidson) mit seinen Zaubertricks oder die pummelige, sich gerne räkelnde Jenny Fleckenfell (Rebel Wilson). Regisseur Hooper hält sich weitgehend an das Bühnenwerk, was auch bedeutet, dass hier nur wenig gesprochen wird, dass man sich mehr durch Ausdruck und Gesang verständigt. Das muss nicht immer nur „Memory“ sein, der einzige große Hit des Stücks, man kann auch anderes entdecken. „Beautiful Ghosts“ zum Beispiel, der einzig neue Song, geschrieben und am Ende auch selbst gesungen von Taylor Swift.

Der Aufschrei der Fans nach den ersten Bildern mag überzogen gewesen sein, die Macken des Films allerdings sind deutlich erkennbar. Zwar mag es Absicht gewesen sein, die Katzen nicht in Menschengröße zu zeigen. Dann aber sollte man auch auf die Perspektiven achten. Hier aber verändert sich der Maßstab unentwegt. Mal reichen die „Cats“ einen knappen Meter hoch bis zu einer Türklinke, dann wiederum sieht man sie neben einem parkenden Auto, wo sie höchstens noch die Hälfte an Größe aufweisen. Auf der Bühne ist das so einfach, weil ohnehin alles nur auf einer Ebene spielt. Die Umgebung mit einzubeziehen, das haben hier selbst die computergenerierten Effekte nicht sauber hinbekommen.

Gewänder wie beim Horrorball

Und dann ist da noch diese Sache mit den Gewändern. Sie sind teilweise so ausgestattet, als ginge es auf einen Horrorball. Grizabella schaut aus, als sei sie einer Leprastation entwichen. Und Judi Dench könnte mit ihrem wuchtigen gelben Strampelanzug auch als Biest fungieren.

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