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Das bringt der Bücherfrühling: Die besten Romane der Saison

Frische Bücherware: In diesem Frühjahr warten viele spannende neue Titel auf ihre Entdeckung.

Frische Bücherware: In diesem Frühjahr warten viele spannende neue Titel auf ihre Entdeckung.

Foto: Frank Rumpenhorst / dpa

Essen  Neues von Bernhard Schlink, Peter Handke und Juli Zeh, von T.C. Boyle und Ljudmila Ulitzkaja – auf diese Werke dürfen wir uns freuen.

Lesen geht immer: Wir stellen die schönsten, spannendsten, lustigsten Seiten des kommenden Halbjahres vor.

Deutschsprachige Gegenwart von Thommie Bayer bis Juli Zeh

Die gegenwärtige Lage hat Judith Hermann im Titel ihres neuen Romans erfasst: „Daheim“ aber erzählt dann doch nicht vom Lockdown, sondern von einem neuen Leben am Meer (28.4.). Nicht ans Meer, aber doch aufs Land zieht es die Heldin in Juli Zehs neuem Roman: „Über Menschen“ (22.3.). Und wenn wir schon bei Grundsätzlichem sind: Martin Walsers neues Werk heißt „Sprachlaub“ und verspricht im Untertitel „Wahr ist, was schön ist“, die Illustrationen stammen von Tochter Alissa Walser (23.3.).

Eine „Dämonengeschichte“ legt Literaturnobelpreisträger Peter Handke mit dem Roman „Mein Tag im andern Land“ (29.3.) vor. In „Der Fallmeister“ (24.3.) lässt Christoph Ransmayer ein Boot kentern, einen Schleusenwärter untertauchen – und Europa gleich ganz untergehen. „Krass“ betitel Martin Mosebach sein neues Werk (26.1.), was aber keine Jugendslang-Ranschmeiße ist, sondern nur der Nachname seines Helden. Abgründig auch Norbert Gstreins Roman „Der zweite Jakob“ (15.2.), in der ein alternder Schauspieler sich an die schlimmste Tat seines Lebens erinnert. Die steht den Bewohnern des Städtchens „Guldenberg“ womöglich noch bevor: Christoph Hein schickt Migranten in die Idylle (5.5.).

Eine kleine Zeitreise unternimmt Christian Kracht mit „Eurotrash“ (4.3.), in der er seinen Helden aus „Faserland“ (25 Jahre ist das her!) erneut losschickt, diesmal, um die Geschichte der eigenen Familie zu erkunden. Apropos Familie! Harald Martenstein erkundete in „Wut“ (1.2.) das Drama einer gewalttätigen Erziehung, Monika Helfer schreibt über „Vati“ (25.1.) und Thommie Bayer über „Das Glück meiner Mutter“ (25.3.).

Und Apropos Reise! Klaus Modick begibt sich in „Fahrtwind“ (15.4.) auf die Aussteiger-Überholspur der 70er Jahre, Arnold Stadler reist in „Am siebten Tag flog ich zurück“ gen Kilimandscharo (10.3.), Andreas Maier erzählt in „Die Städte“ von Zeugen des allgemeinen Urlaubsreisewahns vergangener Tage (2.3.), Alexander Osang blickt in „Fast Hell“ zurück auf die Wendejahre (18.1.). Und Roland Schimmelpfennig balanciert über „Die Linie zwischen Tag und Nacht“ (24.2.) in einer wilden Reise durchs gegenwärtige Berlin.

Wild und gegenwärtig sind vor allem weibliche Stimmen: Sophie Passmann schimpft in „Komplett Gänsehaut“ (4.3.) über den Habitus der Bürgerlichkeit. Shida Bazyar zeigt in „Drei Kameradinnen“ (15.4.) was es heißt, Hass und rechter Hetze ausgesetzt zu sein. Bachmann-Preisträgerin Sharon Dodua Otoo durchstreift im Roman „Adas Raum“ (24.2.) Länder und Jahrhunderte, immer aber ist ihre Heldin dieselbe dunkelhäutige Frau aus Ghana. Die in Düsseldorf lebende Autorin Mithu Sanyal nimmt in „Identitti“ Debatten um Identität, Geschlecht und Hautfarbe ins Visier (24.2.).

Bernhard Schlink fragt im Roman „20. Juli“, den er ein „Zeitstück“ nennt, was man aus der Vergangenheit lernen kann (28.4.). Takis Würger (dessen biografischem Roman „Stella“ Geschichts-Verkitschung vorgeworfen wurde), fühlt sich nun in die Lebensgeschichte des jüdischen KZ-Überlebenden „Noah“ Klieger ein (1.3.) – nun nicht mehr in Hanser-Verlag, sondern bei Penguin. Eine Coming-of-Age-Story liefert Benedict Wells mit „Hard Land“ (24.2.), das im Amerika der 80er Jahre spielt. Und ins Ruhrgebiet der 60er führt Eva Völlers „Sehnsucht nach Morgen“, der Abschluss der „Ruhrpott-Saga“.

Internationale Größen: Neues von T.C. Boyle bis Carlos Ruiz Zafon


Schon zum Ende des Monats funkeln die Sterne am Literaturhimmel: Der US-Amerikaner T.C. Boyle zähmt in „Sprich mit mir“ (25.1.) einen Affen, der Japaner Haruki Murakami stellt im Erzählband „Erste Person Singular“ (26.1.) Identitätsfragen und die Russin Ljudmila Ulitzkaja legt das Buch der Stunde vor, auch wenn „Eine Seuche in der Stadt“ (25.1.) von der Pest 1939 in Moskau erzählt.

Weltliterat Salman Rushdie plaudert in seinen Texten als „Sprachen der Wahrheit“ (24.5.) über sein Leben und sein Schreiben. Die Chilenin Isabel Allende gibt sich im ebenfalls autobiografisch geprägten Lang-Essay „Was wir Frauen wollen“ (15.2.) kämpferisch. Erkenntnis verspricht der Brasilianer Paolo Coelho mit seinem Essay „Und die Liebe hört niemals auf“ (24.3.).

Der französische Literaturnobelpeisträger Patrick Modiano folgt im Roman „Unsichtbare Tinte“ (15.2.) einmal mehr den Spuren der Vergangenheit. Zeruya Shalev erkundet Israels komplizierte Geschichte und das „Schicksal“ zweier Frauen (31.5.). Auch der Niederländer Arnon Grünberg führt uns im neuen Roman „Besetzte Gebiete“ (15.4.) nach Israel: Ein Psychiater aus Amsterdam verliebt sich in eine fanatische Zionistin. Der US-Amerikaner Louis Begley schickt seinen Helden nach Paris, um nach 40 Jahren Ehe eine späte neualte Liebe zu feiern: „Hugo Gardners neues Leben“ (15.7.). Der Brite Howard Jacobson zeigt, dass selbst in noch höherem Alter Liebe möglich ist: „Rendesvouz und andere Alterserscheinungen“ (20.3.).

Der amerikanische Altmeister Stephen King spielt in „Später“ (15.3.) mit der Idee, dass nach dem Ableben eines berühmten Autors ein Geisterseher dessen Werk fortführen könnte. Kazuo Ishiguro, Literaturnobelpreisträger aus Großbritannien, macht in „Klara und die Sonne“ eine künstliche Intelligenz zur Erzählstimme. Die Amerikanerin Claire Messud erzählt in „Wunderland“ (1.4.) von den sehnsüchtigen Höhenflügen einer ganz durchschnittlichen Lehrerin – und ihrem Absturz. Schottin Ali Smith führt mit dem Roman „Frühling“ ihr Jahreszeiten-Quartett fort (29.3.).

Maarten t'Hart, niederländischer Meister der skurrilen Poesie, veröffentlicht nach jahrelanger Funkstille einen neuen Roman: „Der Nachtstimmer“ (31.5.).

Die Französin Leila Slimani begibt sich „Im Land der Anderen“ zu den Wurzeln des Alltagsrassismus und in ein Dorf der Nachkriegszeit (24.5.). Der Portugiese Antonio Lobo Antunes erinnert in „Bis die Steine leichter sind als Wasser“ (26.4.) an die Schrecken des Kolonialkriegs in Angola. Der Spanier Carlos Ruiz Zafon (1964 -2020) erfand den „Friedhof der vergessenen Bücher“ unter der Stadt Barcelona, nun gibt es unveröffentlichte Erzählungen aus dem Nachlass unter gleichem Titel (26.5.). Die Britin Zadie Smith legt mit „Grand Union“ (10.6.) ebenfalls Erzählungen vor.

Krimis aus aller Welt: Die spannende Gegenwart


Wenn Literatur sehr spannend wird, gar von Verbechen und Abgründen erzählt, nennen wir das „Krimi“. Diese Werke sollten Sie auf keinen Fall verpassen: „Der Solist“ (26.1.) ist bei Jan Seghers ein Berliner Polizist in der Abteilung Terrorabwehr, „Der Polizist“ (10.5.) beim Amerikaner John Grisham schon zu Beginn tot – Held des Buches ist Jack Brigance, den wir aus „Die Jury“ kennen. Und Ingrid Noll begibt sich mit „Kein Feuer kann brennen so heiß“ (24.2.) gut gelaunt ins verbrecherische Altenpflegermilieu.

Friedrich Ani erweist sich mit „Letzte Ehre“ (10.5.) einmal mehr als Meister des Abgründigen, der Russe Sergej Lebedew durchschreitet in „Das perfekte Gift“ (30.6.) ein Jahrhundert russischer Geschichte. Auch der Schweizer Joel Dicker reist mit „Das Geheimnis von Zimmer 622“ (30.6.) durch die Zeit – und bringt sein Autoren-Ich ins Spiel.

Leicht und lustig mit Frank Goosen und anderen


Von einem Juristen, der das Recht selbst in die Hand nimmt, erzählt der aus Hagen stammende Simon Urban in „Wie alles begann und wer dabei umkam“ (11.2.). Der Bochumer Frank Goosen erinnert sich an die 80er Jahre im Revier: „Sweet Dreams“ heißen die Stories und Kolumnen (11.2.). Axel Hacke widmet sich mit „Im Bann des Eichelhechts“ (10.2.) sprachlichen Fallstricken, Ralf König den „Vervirten Zeiten“ der Gegenwart (16.2.). Horst Evers weiß „Wer alles weiß, hat keine Ahnung“ (26.1.), Andrea Sawatzki ahnt: „Woanders ist es auch nicht ruhiger“ (1.3.). Und David Safier lässt seine neue Kommissarin „Miss Merkel“ im ersten Fall ermitteln: „Mord in der Uckermark“ (23.3.)

Erzählungen von Marcel Proust - erst jetzt entdeckt

Neues von Marcel Proust (1871-1922): Neun frühe Novellen und Erzählungen, die lange vor Prousts Jahrhundertwerk „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ entstanden, wurden im vergangenen Jahr im Nachlass des französischen Verlegers Bernard de Fallois entdeckt. Mitte Juni erscheinen sie nun auf Deutsch unter dem Titel „Der geheimnisvolle Briefschreiber“ (Suhrkamp, 200 S., 28 €).

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