KINO

„Der andere Liebhaber“ – Rastlos durchs Spiegelkabinett

Erst die Psychotherapie, dann eine (komplizierte) Partnerschaft: Marine Vacth und Jérémie Renier in „Der andere Liebhaber“.

Erst die Psychotherapie, dann eine (komplizierte) Partnerschaft: Marine Vacth und Jérémie Renier in „Der andere Liebhaber“.

Essen.   Der neue Film von Regisseur Francois Ozon, „Der andere Liebhaber“, überrascht mit wunderlichen Dingen und spiegelverkehrten Doppelgängern.

Wenn der französische Regisseur Francois Ozon („8 Frauen“, „Swimmingpool“) sich eines Themas annimmt, kann man sicher sein, dass er es gründlich macht. In seinem neuen Film „Der andere Liebhaber“ beschäftigt er sich mit so wunderlichen Dingen wie spiegelverkehrten Doppelgängern, übersät überhaupt jeden Raum seines Films mit Spiegeln in jeglicher Form. Und dabei schafft er es am Ende sogar noch, sich mit dem Phänomen parasitärer Zwillinge zu beschäftigen. Was früher gelegentlich bei Mehrlingsgeburten vorkam, wenn ein Fötus vom anderen absorbiert wurde und so nur ein Kind zur Welt kam.

Diese Zutaten vermengt Ozon zu einer waghalsigen Geschichte. Sie beginnt mit der jungen Chloé (Marine Vacth), die schon seit geraumer Zeit an unerklärlichen Bauchschmerzen leidet. Sie selbst glaubt schon nicht mehr an eine körperliche Ursache, sondern meint, dass wohl psychische Probleme dahinterstecken. So kommt es, dass sie sich eines Tages in der Praxis des Psychotherapeuten Paul (Jérémie Renier) wiederfindet.

Der Neugier Tür und Tor geöffnet

Chloé bleibt aber nicht lange die Patientin dieses sanften Mannes, denn Paul hat sich sehr rasch in seine Klientin verliebt und zieht mit ihr zusammen. Die Dinge werden dann zunehmend kompliziert, als Chloé erstens einen alten Reisepass ihres Freundes findet, auf dem ein völlig anderer Name steht. Und zweitens, als sie von der Existenz eines Zwillingsbruders erfährt, von dem bisher nie die Rede war.

Den Regisseur Francois Ozon in seine Filme zu begleiten, das heißt auch, der Neugier Tür und Tor zu öffnen. Er stachelt diese Neugier ja auch an, wenn er Chloé nun zu dem fremden Zwilling Louis (Jérémie Renier in einer Doppelrolle) schickt, der ebenfalls als Psychotherapeut arbeitet.

Chloé wechselt immer wieder die Fronten

Doch wo Paul der gute Junge ist, da ist Louis der böse – arrogant, dominant, hemmungslos, besitzergreifend und brutal. Da er diese Eigenschaften auch beim Sex auslebt, verwundert es nicht, dass Chloé immer mal wieder die Fronten wechselt. Auch hier treten mit der Zeit Komplikationen auf. Doch was will das schon heißen, wenn man nicht einmal sicher sein kann, ob diese Therapeuten tatsächlich existieren – und nicht nur das Wunschbild von Chloé darstellen.

Der Film beginnt, ungewöhnlich genug, in der Finsternis. Erst wenn die Kamera allmählich ins Freie zoomt, wird deutlich, dass er sich gerade inmitten einer Vagina befunden hat. Schließlich schenkt er uns, bevor er sich zu einem überraschenden Ende aufrafft, ein Wiedersehen mit Schauspielerin Jacqueline Bisset. Natürlich – in einer Doppelrolle.

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