LEUCHTTURMPROJEKT

Die „Hör.Oper“ am Musiktheater im Revier feiert Zehnjähriges

Oper zum Anfassen bietet das „MiR“ Blinden.

Oper zum Anfassen bietet das „MiR“ Blinden.

Foto: MIR

Gelsenkirchen.  „Hast du das gesehen?“: Gelsenkirchens Musiktheater im Revier zeigt Blinden Opern. Gefördert wird das Vorzeige-Projekt von der Brost-Stiftung.

Wenn Kunst Menschen die Augen öffnen soll, dann tut sie es in diesem Fall auf ganz besonders intensive Weise. Ihr Zehnjähriges feiert die „Hör.Oper“ am Musiktheater im Revier (MiR) – und darf sich über einen neuen Förderer freuen. Es ist die Brost-Stiftung, die den Auftrag, Nichtsehenden die Welt der Oper zu veranschaulichen, „ein Leuchtturmprojekt“ nennt: „wichtig und zukunftsweisend“.

Die „Hör.oper“ des MiR gilt in Professionalität, Umfang und Ambition bundesweit als führend. Es kommen Busse mit Blinden aus Bonn, es reisen Sehbehinderte aus Bielefeld und Osnabrück an. Denn es ist ja viel mehr als der Kopfhörer im Parkett, der (in ausgesuchten) Momenten Besuchern ohne Augenlicht live erzählt, was in „Rigoletto“ und „Rheingold“ über die Bühne geht. Über die Jahre hat das Haus am Kennedyplatz einen richtigen Event daraus gemacht.

Mit dem Blindenstock eine Kulisse abtasten

Es sind noch mehr als zwei Stunden bis zum ersten Ton, da sind sie schon im Haus unterwegs, durchaus privilegiert. Wer sonst kann schon Requisiten in die Hand nehmen, wer darf Taft und Rüsche der handgearbeiteten Kostüme ertasten, mit dem Blindenstock eine Kulisse abtasten? „Sinnesreise“ nennt das Musiktheater dieses Vorprogramm und es kann schon sein, dass eine Blinde zur anderen sagt: „Hast du das gesehen?“

Überhaupt hat man über die Jahre viel gelernt. Ein Team ehrenamtlicher Blinder berät die Mitarbeiter, die live aus der Technikkabine die Szene beschreiben. Norbert Raestrup zum Beispiel, der sich die Opernhandlung, mitunter gar das ganze Libretto in Braille-Schrift draufgeschafft hat. Sein Team prüft wohlwollend bis kritisch, ob die Sehenden wirklich gut übersetzt haben. Sonst wird nachgefasst, optimiert.

Vom Musical bis zur großen Oper

Zehn Vorstellungen im Jahr, vom Musical bis zur großen Oper, gelten der Hör.Oper. Etwa 250 Menschen nehmen das Angebot wahr, dessen Charme ein eben erschienener, ebenfalls von der Brost-Stiftung finanzierter, Dokumentarfilm von Axel Fuhrmann schildert. Auch die Blinden finden ihn gelungen – denn natürlich gibt es ihn in einer Fassung für Nichtsehende. Er ist kostenlos zu schauen auf YouTube.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben