Philharmonie Essen

Dirigent Ivor Bolton: „Als Tier wäre ich ‘ne Katze“

Gibt in dieser Saison in sieben Konzerten den Ton an: Maestro Ivor Bolton.

Gibt in dieser Saison in sieben Konzerten den Ton an: Maestro Ivor Bolton.

Foto: Nancy Horowitz

Essen.  Der britische Dirigent Ivor Bolton ist neuer Residenzkünstler der Essener Philharmonie. Ein Gespräch über Händel, Bruckner – und Weißwürste.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Die respektable Statur, die vital durchbluteten Wangen, das herzhaft Joviale: Stellen wir uns so nicht den englischen Landjunker vor? Aber nicht Tweedsakko und Gummistiefel sind dem umtriebigen Briten Ivor Bolton (61) zur zweiten Haut geworden, sondern der Frack des Dirigenten. Der Chef des Madrider Teatro Real und des Sinfonieorchesters Basel, der gefeierte Händel-Experte und vielgerühmte Operndirigent ist neuer Residenzkünstler in Essens Philharmonie. Lars von der Gönna sprach mit ihm.

Beginnen wir mit einem Ihrer guten Sterne: dem deutschen Wahl-Engländer Georg Friedrich Händel...

Bolton: Tja, Händel war der Geburtshelfer meiner Karriere. Ich war ja Cembalospieler. Später galten Händel meine ersten Dirigate, er wurde ein Markenzeichen. Dieser Musik verdanke ich unendlich viel. Ich werde ihrer aber auch nie müde.

Springen wir zum größten Gegensatz: Anton Bruckner!

Bei Bruckner fällt mir meine Kindheit ein. Ich hatte einen Musiklehrer, der Bruckner-besessen war, wir haben die Sinfonien vorwärts und rückwärts beackert – schweißtreibend, aber später natürlich ein Segen (lacht).

Was ist typisch britisch an Ihnen?

Oh! Vielleicht, dass ich die Toskana mag – wie viele meiner Landsleute.

Das ist typisch britisch??? Liegt das am Usselwetter in England?

Mag sein, vielleicht aber auch am Chianti (lacht).

Gibt’s auch etwas typisch Deutsches an Ihnen? Sie haben in München gewaltige Opernerfolge errungen, sind Chef des Dresdner Festspielorchesters...

Ich liebe dieses Land, bin extrem gerne hier – ich hab seit 1999 ein Appartement in München. Die Menschen, die üppige Kulturlandschaft – und dass man hier Weißwürste zum Frühstück essen kann, das find’ ich als Brite natürlich toll. Ich fahre übrigens schon immer deutsche Autos, aktuell einen Audi.

Was bedeutet es für Sie, Residenzkünstler in Essen zu sein?

Dem Publikum nahe zu kommen und ihm möglichst viele meiner künstlerischen Seiten zu zeigen. In Essen reicht die Bandbreite von Rossini bis Bruckner. „Meine“ Orchester gastieren hier, aber mit den Essener Philharmonikern gibt es natürlich auch Konzerte. Es wird echt vielseitig, das kann ich versprechen. Da Sie nach Essen fragen, würd’ ich gern ein Lob loswerden: Die Akustik der Philharmonie ist fantastisch. Und direkt daneben das wunderbare Aalto-Opernhaus: Die Konstellation ist schon etwas sehr Besonderes.

Sie arbeiten akribisch, sehr ehrgeizig mit Orchestern. Was tun Sie nach einem guten, was nach einem weniger gut gelaufenen Konzert?

Nach einem guten ist ein Abend mit einem Essen samt Freunden und Familie ein herrlicher Ausklang. Nach einem weniger guten, kann ich kaum schlafen – das hängt einem nach.

Zum Ende ein Speed-Interview: Vervollständigen Sie bitte folgende Sätze:

Ein berühmtes klassisches Werk, das ich gern komponiert hätte...

...ist Wagners „Ring“. Für mich eine Krone der Schöpfung abendländischer Kultur. Ein Wunder!

Wäre ich nicht Dirigent geworden...

...hätte ich’s gern als Fußball-Manager versucht. Aber ich fürchte, mir fehlen sämtliche Talente dafür.

Wenn ich ein Tier wäre..

...wäre ich ‘ne Katze. Es gibt ja den Satz: Hunde haben Besitzer, Katzen Angestellte, damit kann ich viel anfangen!

Im gleichen Jahr wie ich sind Madonna, Prince und Kate Bush geboren. Am meisten verbunden...

...fühle ich mich ganz klar mit Kate Bush. Eine große Künstlerin! Ich verehre sie: eine der originellsten Kreativen der Pop-Szene.

Das Beste an Boris Johnson ist...

...dass er gut Latein kann und wirklich sehr gebildet ist.

Ein Leben ohne Fish ‘n’ Chips...

...wäre wahrscheinlich etwas gesünder (lacht herzhaft).

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben