Film

Dokumentarfilmer Jens Pfeifer reist von Hagen nach Syrien

Bei der Arbeit: Für Dokumentarfilmer Jens Pfeifer aus Hagen, hier bei Dreharbeiten zu „Phoenix in der Asche“, ist der Prozess des Filmemachens wichtiger, als Preise zu gewinnen.

Bei der Arbeit: Für Dokumentarfilmer Jens Pfeifer aus Hagen, hier bei Dreharbeiten zu „Phoenix in der Asche“, ist der Prozess des Filmemachens wichtiger, als Preise zu gewinnen.

Foto: KLEINRENSING, Michael / WP Michael Kleinrensing

Hagen.  Mit einem Film über Basketball kam er das erste Mal in die Kinos. Jetzt zeigt der Regisseur Jens Pfeifer das Leben der Spider Murphy Gang.

Er ist einer der spannendsten Dokumentarfilm-Regisseure des Landes – auf Preise aber legt Jens Pfeifer keinen Wert. Der Prozess des Filmemachens sei ihm wichtiger; das Beobachten Anderer und die lebensnahe Darstellung der Situation. Mit diesen Aussagen scheint der Hagener Regisseur einen Gegenpol zur glitzernden Filmbranche zu bilden. Für seinen Debütfilm „Phoenix in der Asche“ hat er dennoch einige Auszeichnungen gewonnen. Er begleitete den kriselnden Basketballclub seiner Heimatstadt eine Saison lang im Abstiegskampf, wurde quasi ein Teil des Teams, wie er das Eintauchen in den Verein beschreibt. Das ist mittlerweile acht Jahre her. Sein aktueller Film geht in eine gegensätzliche Richtung: Er porträtiert die bayrischen Rock’n’Roller der Spider Murphy Gang. Was ihn auszeichnet? Seine detaillierte Herangehensweise und die abwechslungsreiche Wahl von Themen.

Gegensätzliche Biografie

Der Lebensweg des 43-Jährigen birgt einige Überraschungen. Geboren und aufgewachsen in Hagen. Dann zum Studium nach Hamburg, mittlerweile ist München seine Wahlheimat. In Hamburg studierte er zunächst Ethnologie und Jura – er „wollte was Gegensätzliches machen“. Heute, räumt er ein, helfe ihm Jura vor allem beim Lesen von Verträgen. In Hamburg arbeitete und hospitierte er bereits in der Filmbranche. Das hatte Einfluss auf seine Zukunft: 2005 begann er ein Regie-Studium an der Hochschule für Film und Fernsehen in München. Dort erlernt er sein „Handwerk“, wie er das Filmemachen nennt. Als Künstler sieht er sich nicht. Er will sich als Dokumentarfilmer „in das Leben der anderen einfühlen, es mitleben. Sobald eine Kamera dabei ist, wird ein Moment ‘konstruiert’. Die Kunst und der Prozess ist es, der Wirklichkeit so nah wie möglich zu kommen.“ Diesen Aspekt hat er aus seinem Ethnologie-Studium mitgenommen: die „teilnehmende Beobachtung“. Fast wissenschaftlich redet er über die Machart seiner Filme.

YouTube- Pfeifer Spider Murphy Gang

Mit Hagen fühlt er sich immer noch verbunden. Er schätzt die „solide und ehrliche Art“ der Menschen in der Region und die schöne Natur vor den Toren der Stadt. Prägend war für ihn seine aktive Basketball-Zeit bei Brandt Hagen: „Wir haben mit Leuten aus der ganzen Welt zusammengespielt. Da war es egal, wo man herkommt.“

Die Bodenständigkeit hat er mit in die Filmwelt genommen. Das Arbeiten in manchen TV-Redaktionen oder -Formaten fand er zu reißerisch und wenig authentisch.

Unbekanntes Metier

Als die „Spiders“, wie er die Münchner Rocker nennt, ihre große Zeit hatten, war Pfeifer noch ein kleiner Junge. „In Bayern lieben die Leute die Band. In NRW kennt man vielleicht ,Schickeria’ oder ,Skandal im Sperrbezirk’.“ Er konnte mit seiner natürlichen Neugierde unvoreingenommen an das Porträt herangehen. Dennoch hat er sich zu Beginn gesträubt: „Als ich dann aber Günther Sigl und Barny Murphy das erste Mal getroffen habe, habe ich gemerkt, dass es um eine ganz besondere Freundschaft geht – so eine Art ‘Buddy-Film’.“ Die beiden gehören zur Ur-Besetzung der Band und haben die Höhen und Tiefen gemeinsam erlebt und überstanden.

Herausgekommen sind 91 Minuten, die einen Blick hinter die Kulissen werfen – ob in Festzelten oder privat. Jens Pfeifer mit seinem „feinen filmischen Blick auf reale Personen“, wie die Süddeutsche Zeitung ihn lobt, ist ganz nah dran an den Musikern. „Ich bin erst zufrieden, wenn ich alles gegeben habe“, sagt Pfeifer. Was wie eine Floskel klingt, wirkt bei ihm durch seine ruhige und besonnene Art authentisch.

Die Zukunft des Mediums

Den Dokumentarfilm sieht er als immens wichtig an: „Es ist das einzige Medium, das mit einer besonderen Ruhe und Klarheit an Themen herangeht.“ Dafür müsse man viel Geduld mitbringen, Ideen müssen lange reifen. Auch das Warten auf Finanzierungen oder Förderungen nimmt viel Zeit in Anspruch. Beim Spiders-Porträt allerdings war das anders: Relativ kurzfristig wurde der Hagener angefragt und der Film in nur zehn Monaten abgedreht. Dokus müssen sich den geänderten Sehgewohnheiten anpassen. Er setzt daher auch gezielt auf schnelle Schnitte. Es gebe immer weniger Sendeplätze für solche Filme, meint Pfeifer. Sein aktueller Film läuft hauptsächlich in süddeutschen Kinos – dort wo die Band berühmt ist.

Jetzt aber ist erstmal Pause angesagt. Bis zum Herbst möchte er Ideen sammeln und Drehbücher überarbeiten. Schon 2015 hat Pfeifer begonnen, Drehbücher zu schreiben. Es ist die Geschichte eines Dramas: Eine Kriegsreporterin will einen Film über den so genannten Islamischen Staat drehen, hat dabei aber mehr Probleme mit der Wahrheit als mit dem IS. Spielort: Türkei und Syrien, eine Region, in die Pfeifer sich nach längerer Recherche „verliebt hat“. Von Ruhrpott-Basketballern über bayrische Rocker hin zum Islamischen Staat. Das Gegensätzliche ist sein roter Faden.

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