Musik

Ed Sheerans neues Album „No.6 Collaborations Project“

Der britische Sänger Ed Sheeran gibt ein Konzert im Wanda Metropolitano Stadion in Madrid.

Der britische Sänger Ed Sheeran gibt ein Konzert im Wanda Metropolitano Stadion in Madrid.

Foto: Ricardo Rubio / dpa

Auf gute Zusammenarbeit: Ed Sheeran lässt auf „No.6 Collaborations Project“ Freunde und Bekannte mitsingen – und bringt sogar Ex-Feinde zusammen.

Es gibt ein neues Album von Ed Sheeran (28). Auf dem einem klassischen Mixtape recht nahekommenden „No.6 Collaborations Project“ (ab 12.7. im Handel) lässt der erfolgreichste Popstar der Gegenwart jede Menge Kollegen/ Freunde/ Geschäftspartner*innen mitsingen und rappen. Einen stringenten Spannungsbogen sucht man vergeblich, stattdessen trifft man auf ein Bündel unterhaltsamer Hits, zusammengehalten von einem extrem geschäftsversierten Superstar.

Man kann diesen mit seinen 28 Jahren ja immer noch sehr jungen Mann nur beglückwünschen. Nicht nur, dass er 2018 bei 94 Konzerten 432 Millionen US-Dollar umsetzte, so viel wie niemand sonst, und laut Medienberichten mittlerweile über ein Vermögen von 300 Millionen verfügen soll. Nicht nur, dass er in Danny Boyles neuem Film „Yesterday“ souverän sich selbst spielt. Nicht nur, dass er mit seiner Jugendliebe Cherry Lancaster Seaborn seit Ende vergangenen Jahres (soweit bekannt) glücklich verheiratet ist. Nein, endgültig auf den Olymp der Popkultur hievt diesen rothaarigen, bebrillten Jungen aus Framlingham der vor kurzem verkündete Deal mit der weltweit bekanntesten Ketchup-Firma, zu deren 150-jährigem Firmenjubiläum eine Sonderedition der gezuckerten Tomatenpampe angeboten wird. Die schmeckt freilich so lasch wie immer, heißt aber, ja wirklich: EdChup.

Zu Ed Sheerans Produzenten zählen Max Martin, Skrillex und Fatboy Slim

Doch auch im Kerngeschäft gibt sich der Brite keine Blöße und bringt zweieinhalb Jahre nach dem unfassbar erfolgreichen „Divide“-Album eine, wie er selbst es nennt, „Zusammenstellung“ heraus. „Genres haben für mich nicht die geringste Bedeutung“, sagt Sheeran. Was es mit dem Namen auf sich hat? Bevor Sheeran mit seinem Song „The A-Team“ und dem Debütalbum „+“ so richtig berühmt wurde, gab er jährlich ein solches Mitmachalbum heraus, zuletzt 2011 eben „No. 5“. „Ich wuchs mit Folk und Rock’n’Roll auf“, so Sheeran, „dann entdeckte und vergötterte ich Rap und Hip-Hop, anschließend verliebte ich mich in akustische Musik.“ Und alle diese Spielarten finden sich auf „No. 6 Collaborations Project“. Der Clou: Für jedes einzelne Stück dieses unter anderem von Max Martin, Skrillex und Fatboy Slim perfekt produzierten Man-kann-es-Zwischenalbum-nennen, holte sich Sheeran Unterstützung, vorwiegend gesanglicher Art. Ein roter Faden entsteht auf diese Weise natürlich nicht. Sondern eher eine Ansammlung von – potentiellen – Hit-Duetten mit einer Gemeinsamkeit: Ed Sheeran.

Das luftige Sommerlied „I Don’t Care“, längst ein Mega-Erfolg mit wochenlangem Stammplatz auf Rang Eins in UK, aber halt auch ein bisschen belanglos, singt er zusammen mit Justin Bieber, für den er vor vier Jahren ja schon „Love Yourself“ schrieb. „Beautiful People“, eine Feelgood-Pop-Hymne, entstand mit dem amerikanischen Emo-Pop-Sänger Khalid. Auf „Cross Me“ wird es zusammen mit Chance The Rapper und PnB Rock ein bisschen rappiger und urbaner, bleibt aber immer noch gut verdaulich.

„Best Part Of Me“ ist nicht nur ein Duett mit der noch relativ unbekannten Sängerin Yebba, sondern auch eine ganz schöne Schnulze. Ed Sheeran wundert sich zu akustischem, sparsamem Arrangement darüber, warum zur Hölle seine Frau ihn liebt und kommt zum Schluss, dass seine Cherry zweifelsohne das beste an ihm sei. „Perfect“ war Punk dagegen, wirklich.

Im Song „Blow“ singt Sheeran mit Bruno Mars sowie mit Country-Star Chris Stapleton

Der originellste der fünfzehn Songs ist „Blow“. Hier singt Sheeran mit Bruno Mars sowie mit Country-Star Chris Stapleton eine Nummer, die sich mit etwas Phantasie dem Genre „Hard Rock“ zuordnen lässt. Irgendwo zwischen Lenny Kravitz und Led Zeppelin haben die drei hörbar verdammt viel Spaß. Auf „Remember The Name“ wiederum rappen die einstigen Erzfeinde Eminem und 50 Cent fröhlich miteinander, auch Travis Scott, Cardi B, Young Thug oder Stormzy haben ihre Auftritte, dazu angesagte, aufstrebende Popfrauen wie Camila Cabello und Ella Mai. „Ich war das ganze vergangene Jahr auf Tour und habe diese Platte Stückchen für Stückchen aufgenommen“, erklärt Ed die tröpfchenweise Entstehung des Projekts während seiner Tagesfreizeit.

Ed Sheeran strebt die totale Hörermassenmaximierung an

Aber warum tut er sich den Stress überhaupt an? Nun, Ed Sheeran strebt die totale Hörermassenmaximierung an. Er will sie alle, wirklich alle. „Mein Stammpublikum ist ein ganz anderes als das Publikum vieler meiner Albumgäste“, sagt er. „Ich hoffe, die anderen Künstler neuen Kreisen von Leuten zuzuführen. Und ich versuche, mich selbst einem neuen Publikum gegenüber zu öffnen, dass mich bisher noch nicht so auf dem Schirm hat.“ Etwa den Rap-Fans. Anders ausgedrückt: Niemand soll ihm mehr entgehen, Ed Sheeran für alle. Aber vielleicht ist ja auch alles viel weniger durchkalkuliert, als man glaubt. Sheeran jedenfalls teilt mit, dass er lange nichts Schöneres und Spaßigeres mehr gemacht hat als dieses Album mit „lauter tollen Musikern, von denen ich selbst ein Riesenfan bin.“

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