Neu im Kino

„Electric Girl“: Superhelden, Psycho-Studie und Sozialdrama

Victoria Schulz in Ziska Riemanns „Electric Girl“.

Victoria Schulz in Ziska Riemanns „Electric Girl“.

Foto: Hannes Hubach / Farbfilm Verleih

Essen.  Ziska Riemanns Film lebt von guten Ideen, tappt aber ins Zwielichtland. Lucy van Org und zwei weitere Autorinnen wollten alle etwas anderes.

Ein schnelles Mundwerk hatte Mia schon immer, Selbstvertrauen sowieso. Die ersten Erfolge bei Poetry Slams überraschen so wenig wie der neue Job als Synchronsprecherin einer japanischen Zeichentrickserie um die blauhaarige Superheldin Kimiko. Dann passiert Unerwartetes, denn Mia (Victoria Schulz) nähert sich Kimiko nicht nur optisch an – scheinbar kann sie wirklich Gefahren aufspüren und diesen mit Superkräften begegnen. Die Rettung der Stadt, ja vielleicht der ganzen Menschheit vor elektrischen Außerirdischen erzwingt jedoch zusehends auffälliges Verhalten und allmählich wirkt Mia überfordert.

Ein frech-frisches Spiel mit Schein und Sein, Traum und Realität, von Ziska Riemann, die auch selber Comics zeichnet und nach „Lollipop Monster“ wieder tüchtig auf die Kulttube drückt. Diese Erwartungen erfüllen sich im Film aber nicht. Denn man tappt konstant durch ein Zwielichtland der Unentschlossenheit. Ein bisschen Superheldengeschichte, aber auch Psycho-Studie einer jungen Frau, die sich – Schizophrenie? – in immer realeren Tagträumen von der Welt abkoppelt.

Die Interessen der vier Drehbuchautoren fanden offenbar nicht zusammen, weil Ziska Riemann und Lucy van Org wohl Verstörendes, Wildes im Sinn hatten, während die im Dokumentarfilm geschulte Angela Christlieb und die „Tatort“-erfahrene Dagmar Gabler dramaturgische Erdung erwirken sollten. Es bleibt ein deutsches Problem, dass im geförderten Film Charaktertiefe und Sozialrelevanz auch dort beigemischt werden, wo Verzicht besser gewesen wäre.

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