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Etwas Krawall und viel Liebe auf Taylor Swifts „Reputation“

40 Millionen verkaufte Alben: Taylor Swift, Jahrgang 1989, ist heute einer der erfolgreichsten Popstars auf Erden.

Foto: CMS

40 Millionen verkaufte Alben: Taylor Swift, Jahrgang 1989, ist heute einer der erfolgreichsten Popstars auf Erden. Foto: CMS

ESSEN.   Die wohl am sehnlichsten erwartete Pop-Neuheit der Saison ist da: Taylor Swift nimmt auf ihrem sechsten Album kein Blatt vor den Mund.

So, einmal kurz alle zurücklehnen und entspannen: Die vermeintlich neue Taylor Swift ist auf dem sechsten Album „Reputation“ weitestgehend noch ganz die Alte.

Was war zuletzt nur los? Plötzlich schien Taylor Swift, der bis dato lupenreine, Skandal- und Durchdrehfreie, Schwiegertochter-taugliche, mit 40 Millionen verkauften Alben und zehn Grammys erfolgreichste Popstar auf Erden, drauf und dran, so gut wie alles falsch zu machen. Die grimmige erste Vorabsingle „Look What You Made Me Do“, eine recht plakative Replik auf einen Streit um Songzeilen, den Swift mit ihrem Erzrivalen Kanye West und dessen Gattin Kim Kardashian im Sommer 2016 ausfocht, roch nach beleidigtem Nachtreten, immerhin mit recht knackigen Beats. Und in den USA steht Swift in der Kritik, weil sie sich nicht deutlich gegen den Rechtsextremismus im Land ausspreche, obwohl sie von Nazi-Hetzseiten wie „Breitbart“ als Gesinnungsgenossin vereinnahmt oder als „pure, arische Göttin“ bezeichnet wird.

Taylor Swift hält souverän Kurs

Es hätte also viel schiefgehen können auf dem wohl am sehnlichsten erwarteten Pop-Album der Saison, das nur sechs Minuten nach Erscheinen an der Spitze der US-Download-Charts stand. Aber Taylor Swift, Ende 1989 auf einer Weihnachtsbaumfarm in Pennsylvania zur Welt gekommen, hat einfach getan, was sie seit ihrem Debüt 2006 immer tut: Sie lässt ihre Songs sprechen. Und ringt selbst messerwetzenden Kritikern, die darauf setzen, dass die vermeintliche Miss Überperfekt endlich strauchelt, Respekt ab. Denn Taylor Swift strauchelt nicht auf „Reputation“, sie hält souverän Kurs.

Klar, sauer ist sie schon, und diese Galligkeit ist tatsächlich eine neue Facette ihrer Musik. „All the liars are calling me one“, schimpft sie, wohl eine weitere Attacke Richtung Camp Kanye, und ruft in „I Did Something Bad” sarkastisch zur eigenen Hexenverbrennung auf. Über ihre eigene „Reputation”, ihren Ruf, referiert sie in „End Game“, einer R&B-Pop-Nummer mit einer der schönsten, vielleicht etwas geflunkerten, Zeilen („I swear I don’t love drama, it loves me“), Rapper Future und Kumpelfreund Ed Sheeran singen auch mit, Botschaft: Leg dich nicht mit Taylor an.

Kübelweise Liebeslyrik für die Hörer

Der Kern von „Reputation“ ist nicht Krawall, sondern die Liebe. Taylor Swift ist seit geraumer Zeit mit dem englischen Schauspieler Joe Alwyn zusammen, und im Gegensatz zum bisherigen Schaffen, das sehr häufig um Ex-Freunde und unglückselig verlaufende Romanzen rotierte, schüttet sie nun kübelweise erfüllte Liebeslyrik auf ihre Hörer aus. Swift, bislang notorisch männerhüpfend, verspricht gar ewige Liebe in „Don’t Blame Me“, und sie wird regelrecht aufreizend, von „Kratzern auf dem Rücken” des Partners ist die Rede, und auf „Dress” hört man Swift tatsächlich angedeutet stöhnen. „Ich habe dieses Kleid nur gekauft, damit du es mir ausziehst“, behauptet sie noch, danach geht es gemeinsam in die Wanne. 27 Jahre alt musste Taylor Swift also werden, bis sie das erste Mal über Sex singt.

Aber hier haut nicht jemand einfach ein Dutzend Songs raus, hier hat sich eine Künstlerin Gedanken gemacht. Die Musik dazu wirkt fokussiert und stimmig, man bedient sich an HipHop-Einflüssen und Electro-Dance, kleistert die Songs aber nicht mit Effekthascherei zu, sondern lässt sie atmen.

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