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Virologin Brinkmann bei "Anne Will": "Zeit läuft uns davon"

| Lesedauer: 4 Minuten
Wer ist Anne Will?

Wer ist Anne Will?

Sie ist die erste Frau, die je die Sportschau moderierte. Hier erfahren Sie alles über den Werdegang der deutschen Fernsehjournalistin.

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Berlin  Reichen die neuen Corona-Beschlüsse? Oder können nur noch drastischere Maßnahmen helfen? Eines ist klar: Viel Zeit bleibt nicht mehr.

Kann Deutschland die vierte Welle noch brechen? In der "Anne Will" wurde am Sonntagabend die entscheidende Frage dieser Tage diskutiert.

Dazu kam löblicherweise eine recht bunt gemischte Runde zusammen kam. Mit dabei: Die Virologin Melanie Brinkmann, die Gesundheitskommunikatorin Cornelia Betsch sowie die Politiker Hubertus Heil (SPD), Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP) und Tobias Hans (CDU).

"Anne Will": Diese Gäste waren dabei:

  • Hubertus Heil (SPD), Bundesarbeitsminister
  • Tobias Hans (CDU), Ministerpräsident im Saarland
  • Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP), Mitglied des Bundestages und Mitglied im Bundesvorstand
  • Cornelia Betsch, Professorin für Gesundheitskommunikation an der Universität Erfurt und Leiterin des "COVID-19 Snapshot Monitoring" (COSMO)
  • Mehr zu den Gästen lesen Sie hier

Corona-Lage in Deutschland: Wie konnte es so weit kommen?

Zunächst wurde in der Diskussion verhandelt, wie es eigentlich so weit kommen konnte. Melanie Brinkmann hatte eine plausible Erklärung: Obwohl die Corona-Zahlen bereits im Sommer langsam stiegen, wurde nicht reagiert. Wieder einmal sei die Wucht des exponentiellen Wachstums unterstützt worden. "Ich bin wahnsinnig frustriert", sagte die Virologin mit Blick auf die Warnungen ihrer Zunft.

Doch weshalb hat die Politik nicht reagiert? Im September seien die Zahlen noch mal gesunken, erinnerte Tobias Hans, CDU-Ministerpräsident von Saarland. Daraus habe man schließen können: Mit dieser Impfquote lässt sich vielleicht durch den Winter kommen. Doch dann sei es anders gekommen – das hätten auch manche Virologen nicht kommen sehen.

Vierte Welle: Reichen die Maßnahmen?

Es war also wie vor einem Jahr: Der Druck musste erst groß werden, bevor etwas passierte. Die Frage ist nun, ob die Gegenmaßnahmen wie 2G ausreichen. Virologin Brinkmann ist skeptisch: "Es wird nicht ausreichen in Regionen, in denen die Zahlen schon hoch sind", prognostizierte sie. Zur Frage, was in Gegenden mit sehr hoher Inzidenz gesehen müsse, blieb Brinkmann allerdings vage. Ziel müsse es sein, Ansteckungen zu verhindern.

An anderer Stelle wurde die Virologin aber wieder sehr deutlich. Booster-Impfungen seien zwar wichtig, das Hauptproblem aber seien die Ungeimpften. "Sie treiben die Zahlen."

Impfpflicht: Politik gegen Wissenschaft

Damit war die Runde beim Thema Impfpflicht – mit klar verteilten Lagern. Auf der einen Seite die Politik, die sich zurückhaltend gab. So sprach sich Arbeitsminister Hubertus Heil zwar dafür aus, eine solche Pflicht zu debattieren. Andererseits müsse aber auch sichergestellt werden, dass sie rechtssicher eingeführt werden könnte. Und Tobias Hans wendete sich sogar gegen die Debatte, weil diese angeblich Unwillige weiter verschrecken könnte. Lesen Sie dazu: Corona-Gipfel – Kommt die Impfpflicht für bestimmte Berufe?

Auf der anderen Seite standen die beiden Vertreterinnen der Wissenschaft, die zumindest indirekt für eine Impfpflicht warben. "Die Zeit läuft uns davon. Was ist, wenn sich nicht genügend Menschen impfen lassen?", gab die Virologin Brinkmann zu bedenken, auch wenn sie sich nicht offen für eine Impfpflicht aussprechen wollte. Und die Psychologin Cornelia Betsch wies darauf hin, dass eine Impfpflicht auch bedeuten könne, dass es eine verpflichtende Beratung gibt, was wiederum das Vertrauen steigern könnte.

"Anne Will" – Das Fazit

Diese Ausgabe von "Anne Will" machte noch einmal deutlich, wie vertrackt die Lage ist. So besteht die Möglichkeit, dass die neuen Maßnahmen nicht ausreichen werden, wenn sich an entscheidender Stelle – bei den Corona-Impfungen – nicht noch einmal viel tut.

Und dann? Die Politik bereitet sich vor: Gut möglich, dass man beim nächsten Bund-Länder-Treffen am 9. Dezember weitere Maßnahmen werde beschließen müssen, sagte Tobias Hans.

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